Fest in Ziltendorf
: Wo 90-Jährige noch einmal die Schulbank drücken

Die Grundschule in Ziltendorf lädt zu einem Jubiläum ein. Gefeiert wird ein Denkmal mit Geschichte, das sich ständig neu erfinden muss. Nun kommen Alt und Jung zusammen.
Von
Hagen Bernard
Ziltendorf
Jetzt in der App anhören
Verzeichnet im 70. Jahr ihres Bestehens für die Oderregion einen außergewöhnlich großen Andrang: die Grundschule Ziltendorfer Niederung

Die Grundschule Ziltendorfer Niederung ist eine von zwei Grundschulen im Amt Brieskow-Finkenheerd. Das Gebäude ist denkmalgeschützt. Nun gibt es dort ein großes Fest.

Hagen Bernard
  • Die Grundschule Ziltendorfer Niederung feiert 70 Jahre – Tag der offenen Tür am 3. Juli 2026.
  • Alt und Jung kommen zusammen, auch Ehemalige bis über 90 Jahre werden erwartet.
  • Das denkmalgeschützte Gebäude wurde modernisiert, die Schule arbeitet inklusiv mit Ganztagsangeboten.
  • Historie: Neubau 1954 gestartet, 1956 bezogen, später Polytechnische Oberschule mit bis zu 500 Schülern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am 3. Juli 2026 dürfte der Altersdurchschnitt in der Grundschule Ziltendorfer Niederung deutlich steigen. Dann nehmen dort nicht nur die heutigen Schüler Platz, sondern auch viele Ehemalige – einige von ihnen sind inzwischen 90 Jahre oder sogar älter.

Denn an diesem Tag lädt die Grundschule um ihre Leiterin Cordelia Becker zu einem Tag der offenen Tür. Dieses Sommerfest wird durch das 70-jährige Bestehen dieses seit 2008 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes geprägt. Eingeladen dazu sind neben den Schülern und Eltern auch die ehemaligen Schüler und Lehrer sowie Freunde dieser Einrichtung. Derzeit lernen an dieser Grundschule 160 Erst- bis Sechstklässler in sieben Klassen.

Eine kleinere Feier zum Jubiläum hatte bereits am 30. Januar 2026 stattgefunden. Vor 60 Gästen las Schulleiterin Cordelia Becker aus der Schulchronik. Bei den meisten in Erinnerung geblieben ist sicherlich der Auftritt eines Zirkus-Elefanten, für den die Tür ausgehängt werden musste, damit der Dickhäuter überhaupt in die Schulaula passt.

70 Jahre Grundschule Ziltendorfer Niederung: Viele Erinnerungen

Dazu hatten ehemalige Lehrer wie der Ehrenbürger dieser 1500-Einwohner-Gemeinde Kurt Radloff und die beiden einstigen Schulleiterinnen Regina Gaul und Hannelore Petzold aus ihren Erinnerungen geplaudert. Ferner hatten die Schüler bei einer Talentshow ihr Können bei Akrobatik, Tänzen und Gesangseinlagen gezeigt. Ein Höhepunkt war die Präsentation des neuen Schulsongs unter Leitung von Schulsozialarbeiterin Franceska Rothe durch die 3. Klasse.

Der 92-jährige Kurt Radloff ist einer der wenigen, die die Anfänge vor 70 Jahren noch erlebt haben. Nach einer sechsmonatigen Ausbildung in Ludwigsfelde hatte er am 1. September 1951 als 18-jähriger Lehrer an der Schule in Ziltendorf begonnen.

Grundschule Ziltendorfer Niederung: Schulbau aus Platzmangel

Zunächst unterrichtete er in der alten Schule an der Bahnhofsstraße, die heute Bürgerhaus ist. Er hatte zunächst eine vierte Klasse übernommen, seine 43 Schüler saßen in einem Raum. Sportunterricht gab es nur draußen.

Da die Schulen an der Schul- und Bahnhofstraße aus allen Nähten platzten und daher sogar in Schichten unterrichtet werden musste, erfolgte 1954 die Grundsteinlegung für das neue Schulgebäude in der Gubener Straße.

Wie viele andere Gebäude in der entstehenden Stadt rund um das Eisenhüttenkombinat Ost wurde auch diese Schule vom VEB Bau Stalinstadt errichtet. Doch nicht nur Bauarbeiter waren beteiligt: Schüler, Lehrer und Einwohner halfen mit Schubkarren und Fuhrwerken, Baumaterial an die Baustelle zu bringen, damit die Schule schneller fertig wurde. Ganz reibungslos lief der Bau allerdings nicht – zeitweise stand das unfertige Gebäude sogar unter Wasser.

„Jedes Kind ist anders, jedes Kind ist einzigartig“
Motto der Schule
Grundschule Ziltendorfer Niederung

Nach zwei Jahren war es dann im Januar bezugsfertig. Am 30. Januar fand an der alten Schule in der Bahnhofsstraße der letzte Fahnenappell statt. Im Frühjahr 1956 wurden die Außenanlagen begrünt.

Mit Schulhaus, Verbinderbau und Turnhalle galt die Ziltendorfer Schule damals als Vorzeigeobjekt, berichtet Kurt Radloff. Ihr Einzugsgebiet wuchs deutlich: Auch Kinder aus Wiesenau und Vogelsang wurden dort unterrichtet. In den 1960er-Jahren entwickelte sich die Schule zur Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule mit zeitweise zehn Klassenstufen und bis zu 500 Schülern.

70 Jahre Ziltendorfer Schule: Anlässlich des Umzuges vor 70 Jahren präsentieren hier Grundschüler ihr Können auf der Bühne in der Schulaula.

70 Jahre Ziltendorfer Schule: Anlässlich des Umzuges vor 70 Jahren präsentieren hier Grundschüler ihr Können auf der Bühne in der Schulaula.

Hagen Bernard

1969 erhielt die Schule anlässlich des 20. Jahrestages der DDR den Ehrennamen „Tamara Bunke“, den sie bis 1994 trug. Die Revolutionärin war zwei Jahre zuvor im bolivianischen Guerillakampf in einer Einheit von Che Guevara ums Leben gekommen. Tamara Bunke gehörte 1956 an der Erweiterten Oberschule im damaligen Stalinstadt zur ersten Abiturklasse.

Grundschule modernisiert und als Inklusionsschule etabliert

Mit der Umstrukturierung des Schulsystems wurde die Einrichtung später zur Grundschule für die Klassen 1 bis 6. Seit 2017 befindet sich die Schule, die bereits zwei Jahre zuvor in „Grundschule Ziltendorfer Niederung“ umbenannt worden war, in Trägerschaft der Amtsverwaltung.

In den vergangenen Jahren wurde das Gebäude mithilfe von Fördermitteln schrittweise saniert. So bekam die Schule unter anderem ein neues Dach, eine erneuerte Fassade, eine neue Küche mit Speisesaal sowie moderne Fachkabinette mit Internetanschluss.

Trotzdem bleibt die Entwicklung der Schule in Bewegung. Die Schülerzahl ist mit derzeit 160 Kindern in den vergangenen Jahren weitgehend stabil geblieben. Die Grundschule mit Ganztagsangeboten versteht sich als Inklusionsschule. Ihr Leitbild lautet: „Jedes Kind ist anders, jedes Kind ist einzigartig.“ Zum Einzugsbereich gehören weiterhin Ziltendorf, Wiesenau und Vogelsang.

Tag der offenen Tür und Sommerfest auf dem Schulgelände der Ziltendorfer Grundschule: 3. Juli 2026, 14 bis 19 Uhr