Hotel Lunik in Eisenhüttenstadt: So wird das Haus wieder lebendig

Oliver Funke, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft (dritter von links), zeigt Juliane Lennsen und Jens-Erwin Siemssen vom Projekt "Das letzte Kleinod", sowie Dana Weidner, Betriebsleiterin der OID und Andrea Wieloch, Leiterin des Museums Utopie und Alltag, das freigeräumte Restaurant des Hotel Lunik in Eisenhüttenstadt.
Stefan LötschDie Rezeption hat wieder geöffnet, auch das ehemalige Restaurant, wenn auch nur der Raum. Und wer in den oberen Etagen des ehemaligen Hotels Lunik in Eisenhüttenstadt Geschichten von ehemaligen Gästen gehört hat, der kann zum Abschluss einen Abstecher in die Nachtbar machen — ein Schlips ist diesmal nicht Pflicht.
In ehemalige Hotel Lunik zieht für einige Wochen wieder Leben ein. Genauer gesagt: Für einige Wochen werden Geschichten rund um das einst erste Haus am Platz wieder lebendig. In den vergangenen Wochen liefen dafür schon die Vorbereitungen.
Spuren des Leerstandes sind im Hotel zu sehen
Wenn vom 23. April bis 12. Mai die Türen des Lunik sich öffnen, dann wird das Hotel nicht in altem Glanz erstrahlen. Die Spuren des jahrzehntelangen Leerstandes sind nach wie vor zu sehen, auch wenn der neue Eigentümer, die städtische Gebäudewirtschaft schon sehr viel Schutt beseitigt hat.
„Wir haben von vorneherein gesagt, dass wir das Lunik nicht innerhalb eines Jahres sanieren werden“, sagt Oliver Funke, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft (Gewi). Doch seitdem das Unternehmen Eigentümer ist, ist das Interesse an der Immobilie, die zum Schandfleck geworden war, enorm gestiegen. „Das Hotel ist im Bewusstsein der Bürger positiv belegt“, weiß Oliver Funke.
Bis die Sanierung anfängt, was noch dauern wird, soll das Haus genutzt werden, vor allem wieder in das Leben der Stadt zurückgeholt werden. Ein Projekt dafür ist ein Stationstheater des Ensembles „Das letzte Kleinod“, das am 23. April startet.
Viele Geschichten aus Eisenhüttenstadt gesammelt
Autor und Regisseur Jens–Erwin Siemssen hatte im vergangenen vom Lunik in der Zeitung gelesen. Und da er aus der gleichen Stadt kommt, wie der einstige Eigentümer, nämlich aus Hamburg, war sein Interesse geweckt, was aus dem Gebäude geworden ist, das 20 Jahre Leerstand und auf dem besten Weg war, eine Ruine zu werden.
Jens–Erwin Siemssen hat sich das Lunik im Sommer des vergangenen Jahres angeschaut. Als klar war, dass es einen neuen Eigentümer gab, ist der Regisseur auf die Gewi zugegangen, mit der Idee, im Lunik Theater zu spielen, genauer: „Ein Projekt durchzuführen, dass die Geschichte noch einmal aufleben lässt.“
Dazu hat er im November Gespräche mit Zeitzeugen geführt. „Das war mir wichtig für dieses Projekt, dass Leute zu Wort kommen, die hier gearbeitet und gelebt haben, die Gäste waren“, sagt Jens–Erwin Siemssen. „Mir ging es um das Lebensgefühl, was in dem Gebäude herrschte.“
Die außergewöhnliche Geschichte vom Hotel Lunik
Herausgekommen ist ein Skript mit Geschichten und Geschichte dieses außergewöhnlichen Ortes. Ab 23. April können auch Besucher in diese Geschichte eintauchen, das Lunik–Leben erleben. An 15 Stationen über das Haus verteilt, von der Rezeption, über das Restaurant, Hotelzimmer bis hin zur Nachtbar, werden Episoden dargestellt. „Es beschreibt eine Reise durch dieses Gebäude“, sagt der Regisseur. „Es wird die Geschichte eines Raums erzählt, anhand von Zeitzeugenberichten.“
Da sind zum Beispiel die Chilenen, die nach dem Putsch des Militärdiktators Augusto Pinochet aus ihrem Heimatland flohen und in der DDR Asyl fanden. Zwei von ihnen lebten im Lunik. Die Besucher begegnen Delegationen aus der Sowjetunion oder Reisegruppen aus Westdeutschland. In die Nachtbar darf man ausnahmsweise ohne Schlips. Früher hätte Männer sich für 5 Mark einen Schlips kaufen müssen, um diesen Teil des Hotels betreten zu können.
Insgesamt dauert die Vorstellung 90 Minuten. Mitarbeiter der Gewi–Tochter OID haben in den vergangenen Wochen weiter Schutt ausgeräumt, um „Theaterfreiheit zu schaffen“, wie Oliver Funke sagt. Unter anderem ist der ehemalige Raum des Restaurants wieder in voller Größe erlebbar. Strom wurde verlegt. Demnächst wird der Wasseranschluss wieder hergestellt, sodass die Toiletten genutzt werden können, so Oliver Funke.
Mitwirkende für das Ensemble gesucht
Das Ensemble hat sechs Schauspieler. Doch es werden noch Mitwirkende gesucht, die kleinere Rollen übernehmen, singen oder tanzen wollen, sagt Juliane Lenssen von dem Theaterprojekt. „Es sind alle Altersgruppen ab 14 Jahren willkommen.“ Proben sind ab 2. April nach Vereinbarung.
Unterstützung erfährt das Projekt auch vom Museum Utopie und Alltag. Aus dem Depotfundus werden Gegenstände zur Verfügung gestellt, sagt Leiterin Andrea Wieloch. Das gilt vor allem, wenn das Theaterprojekt auf Reisen geht. Denn nach den Aufführungen in Eisenhüttenstadt vom 23. April bis 12. Mai, werden Stationen aus dem Lunik in sechs Güterwaggons verlagert, die dann auf Reisen durch drei Bundesländer gehen, wo dann in ausgewählten Städten die Möglichkeit besteht, Geschichten vom Lunik zu erleben.
Wobei Andrea Wieloch sagt, dass es vom Lunik selbst im Museum gar nicht so viele Zeugnisse gibt. „Das passt in eine mittelgroße Vitrine. Wir haben Zündholzschachteln, Servietten, Menükarten und Geschirr“, sagt die Leiterin.
Karten für die Vorstellung im Hotel Lunik
Karten für die Vorstellungen, die vom 23. April bis 12. Mai ab 19 Uhr stattfinden (außer montags) gibt es ab sofort in der Tourismusinformation in der Lindenallee oder unter www.das–letzte–kleinod.de. Die Vorstellungen sind nicht barrierefrei.
Wer mitwirken möchte, kann sich bei Kerstin Wulfsohn unter Tel.: 0176 41729298 oder info@das-letzte-kleinod.de melden.




