Eisenhüttenstadt hatte in dieser Woche zur besten Sendezeit im ZDF einen Auftritt. Wobei, wer die markante Architektur nicht kannte und nicht einen der mehr als 300 Komparsen, der wusste nicht, dass die Stahlstadt Kulisse für den Film „Das schweigende Klassenzimmer“ ist.
Besuchergruppen weise man immer mal wieder darauf hin, dass in der ehemaligen Wochenkrippe in der Erich-Weinert-Allee Schulszenen gedreht wurden und auch das Glasfenster von Walter Womacka im Treppenaufgang in einem Ausschnitt zu sehen ist. „Viele erinnern sich dann“, sagt Florentine Nadolni, Leiterin des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR.

„Das Schweigende Klassenzimmer“ als Art Initialzündung

Auch wenn Eisenhüttenstadt immer wieder Filmkulisse war, wie die Reihe „Eisenhüttenstadt im Film“ im Friedrich-Wolf-Theater eindrücklich beweist, so war doch die Produktion des „Schweigenden Klassenzimmer“ in der Regie von Lars Kraume eine Art Initialzündung.
Im Februar 2018 war Eisenhüttenstadt erneut Schauplatz von Dreharbeiten, diesmal für den Streifen „Und der Zukunft zugewandt“ unter anderem mit der Schauspielerin Alexandra Maria Lara. Die Planstadt war nicht nur gleichsam Darstellerin in den Film, sondern bot auch die Bühne für die Deutschland-Premiere im September des vergangenen Jahres.

Mehrere Anfragen zu möglichen Drehorten

Dieser zweite umfangreiche Film innerhalb kurzer Zeit habe „super Referenzen für weitere Projekte“ ergeben, heißt es von Seiten des Medienboards Brandenburg. Martina Harz, Leiterin des Fachbereiches Bürgerservice, die Ansprechpartnerin für Filmprojekte in der Stadtverwaltung ist, bestätigt das. „Wir hatten seit Ende des vergangenen beziehungsweise Anfang dieses Jahres mehrere Anfragen zum Thema Film beziehungsweise möglichen Drehorte.“ Corona-bedingt konnten oder können einige Projekte gegenwärtig noch nicht weiterverfolgt werden“, erklärt Martina Harz.
Aktuell befinde sich ein Projekt aber in konkreter Vorbereitung. Bevor nähere Informationen gegeben werden, will Martina Harz aber erst die endgültige Entscheidung abwarten. „Die aktuelle Zusammenarbeit betrifft Anfragen, Vorschläge und Besichtigungen mehrerer für die Produktion gegebenenfalls infrage kommender Drehorte in der Stadt.“

Einzigartiger Fundus an DDR-Objekten

Aber Eisenhüttenstadt ist bei Filmschaffenden nicht nur wegen der Architektur eine gefragte Adresse, sondern weil sich in der Stadt darüber hinaus ein fast einzigartiger Fundus an DDR-Gegenständen befindet, die immer wieder für Produktionen angefragt werden.
Die Sammlung mit rund 170.000 Objekten des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR, die in Depots lagert, umfasst Alltagsgegenstände. Der ein oder andere Gegenstand war schon in der Serie Weißensee zu sehen, auch in den beiden Filmen, die jüngst in Eisenhüttenstadt entstanden sind. Von Vorteil ist ist da, was in der Vergangenheit immer mal wieder als Nachteil gesehen wurde: dass in dem Depot manche Gegenstände mehrfach vorhanden sind. Florentine Nadolni drückt es so aus: „Wir können zum Beispiel ganz Klassensätze zur Verfügung stellen, wie 20 Ranzen und 20 Stühle.“ Auch müsste nicht befürchtet werden, dass wenn ein Gegenstand kaputt oder verloren geht, dass es dann eine Lücke in der Sammlung gibt.

Filmproduktionen achten auf Qualität

Wobei Florentine Nadolni betont: Die Filmproduktionen achten auf Qualität und dass nichts beschädigt wird. „Es ist ein sehr gutes Zusammenarbeiten.“ Mitarbeiter von Produktionen kommen nach Eisenhüttenstadt und verbringen mitunter einen Tag im Depot, um geeignete Requisiten zu finden. Die Leiterin des Dokumentationszentrums spricht von einer steigenden Nachfrage. „Wir haben uns da in dem Segment inzwischen richtig etabliert.“ Das gilt übrigens nicht nur für große Spielfilme. Momentan wurden Ausstattungsgegenstände für einen Werbefilm ausgeliehen.