Konzert in Eisenhüttenstadt: Forced to Mode – Liebe zu Depeche Mode führte zum Erfolg

Forced To Mode kommen Anfang August nach Eisenhüttenstadt
André Müller / instagram@and.m.photoEisenhüttenstadt ist für Forced To Mode fast schon ein Wohnzimmer. Das Trio aus Berlin hatte bereits Konzerte im Friedrich-Wolf-Theater und beim Stadtfest, noch nie aber auf der Freilichtbühne. Im Rahmen der aktuellen Europa-Tour wird sich das endlich ändern. Am 2. August ist die Band dort zu Gast. Und sie freuen sich darauf, sagt Christian Schottstädt vorab in einem Interview mit dieser Nachrichten-Plattform.
Euer Tour-Programm sieht beeindruckend aus und ihr seid gut gebucht. Woran liegt das?
Christian Schottstädt: Wenn wir alle Anfragen annehmen würden, könnten wir noch häufiger auftreten. Wir sind in der luxuriösen Lage, viele Shows ablehnen zu können, um auch mal nach Hause zu kommen. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Das hat sich über Jahre hinweg so entwickelt. Es ist ja nicht so, dass Forced To Mode erst seit gestern auf der Showfläche unterwegs ist. Wir sind jetzt im 13. Jahr und es ist harte Arbeit gewesen. Abgesehen von der Pandemie haben wir kontinuierlich mehr Konzerte gespielt. Zuletzt waren es immer zwischen 50 und 60. Dieses Jahr hatten wir mit 70 Shows einen neuen Rekord, hauptsächlich dank der „One Caress Tour“ mit 18 Terminen am Stück. Die Nachfrage ist europaweit da und es läuft einfach gut.
Stört es euch, wenn man euch als Coverband bezeichnet? Empfindet ihr das als abwertend?
Nein, wir sind eine Coverband, auch wenn wir uns lieber als Tribute-Band bezeichnen. Aber wir haben kein Problem mit dem Begriff Coverband. Wir machen ja schon viel länger Musik. Ich bin beispielsweise seit 1992 auf der Bühne.
Forced To Mode gilt als die weltbeste Depeche Mode-Coverband. Nun hat sich auch die Musik von Depeche Mode weiterentwickelt. Integriert ihr stets neue Songs in euer Programm?
Das ist ganz unterschiedlich, das hat mehr oder weniger einen Konzeptgedanken. Zum Beispiel haben wir „Ghosts Again“ vom aktuellen Album mit reingenommen, um Andy Fletcher zu ehren. (Anm. d. Red.: Fletcher war im Alter von 60 Jahren im Mai 2022 gestorben). Auch andere neue Songs haben wir schon integriert, wenn sie gut passten. Wir machen da keine großen Altersunterschiede. 2020, als das 40-jährige Jubiläum von Depeche Mode anstand, hatten wir das Konzept, von jedem Album mindestens eine Single zu spielen.

Forced To Mode spielen erstmals auf der Freilichtbühne in Eisenhüttenstadt
André Müller / instagram@and.m.photoWelche Songs kommen beim Publikum am besten an?
Das variiert. „Ghosts Again“ von 2023 kommt genauso gut an wie „Photographic“ von 1981. Es lässt sich nicht an den Zeiten festmachen, aber die älteren Songs kommen immer gut an, gerade weil Depeche Mode sie nicht mehr so oft spielt.
Macht es mehr Spaß, die alten Songs zu spielen?
Der Spaß hängt nicht vom Alter der Musik ab. Ein Song von 1998 kann genauso viel Spaß machen wie einer von 1982. Das ist eher eine musikalische oder emotionale Bindung, die zum Song da ist, die aber nicht am Alter festzumachen ist. Unsere Herzen schlagen allerdings besonders für die Songs aus den Jahren 1981 bis 1995 oder maximal 1998.
Warum?
Wir sind alle um die 50 und quasi in den 1980ern groß geworden. In den 90ern haben wir unsere richtige musikalische Sozialisation gefunden. Das heißt, als wir Depeche Mode entdeckt haben, waren wir alle im ähnlichen Alter so zwischen 12 und 14. Das ist das klassische Alter, in dem man seine Lieblingsmusik entdeckt.
Nun ist das ein Unterschied, nur die Lieblingsmusik zu entdecken oder diese dann später originalgetreu auf die Bühne zu bringen. Wann habt ihr als Musiker gemerkt, dass das mit Depeche Mode funktionieren könnte?
Ich habe schon mit 15 Jahren in einer Schülerband Depeche Mode gecovert. Später, als ich 30 war, wollte ich mir einen Traum erfüllen und das professioneller aufziehen. Als ich die Songs produziert und gesungen habe, merkte ich, dass es erstaunlich gut funktioniert. Auch das Feedback von außen war positiv. Als ich 2007 zu Forced Movement kam, bestätigten das auch Kritiker und Radiostationen. (Anm. der Red.: Forced Movement wurde 2007 gegründet und bestand aus Thomas Schernikau and Christian Schottstädt. 2011 wurde daraus das Tribute-Projekt Forced To Mode, das Matthias Kahra komplettiert.)
Passt ihr auch euer Aussehen an Depeche Mode an?
Nein, wir verkleiden uns nicht. Wir ziehen uns so an, wie wir uns wohlfühlen und wie es zur Musik passt. Es geht uns um den Sound, nicht ums Aussehen. Alles, was optisch ist, können andere Bands besser.

Forced To Mode sind europaweit unterwegs
André Müller / instagram@and.m.photoHattet ihr schon Kontakt zu Depeche Mode?
Wir haben alle Mitglieder der Band mal kurz gesehen, aber sind nie länger mit ihnen ins Gespräch gekommen. Martin Gore sagte mal, dass er Coverbands gleichermaßen befremdend und amüsierend findet. Wir wissen aber aus verschiedenen Quellen, dass Depeche Mode uns kennen. Aber direkte Rückmeldungen hatten wir noch nicht.
Von Alan Wilder, der die Band 1995 verlassen hat, würden wir wahnsinnig gerne Feedback haben, weil wir finden, dass wir seinen Geist so ein bisschen weitertragen. Wir sind Riesen-Fans seiner Arbeit, alles, was er für Depeche Mode getan hat. Offiziell war er ja immer nur Keyboarder, aber in Wirklichkeit hat er die ganzen Sounds und Arrangements in der Hand gehabt.
Spielt ihr bei euren Konzerten auch eigene Stücke oder anderes Material?
Ja, durchaus und die Songs kommen gut an. Ich glaube, so riesig sind die Unterschiede dann auch nicht mehr. Das lässt sich gut verschmelzen. Wir haben außerdem auch Cover-Stücke von Martins und Daves Solo-Alben.
Ihr seid europaweit unterwegs. Habt ihr darüber hinaus Pläne, beispielsweise für Amerika?
Bis jetzt waren wir in 16 Ländern in Europa. Dieses Jahr kommen zwei weitere Länder hinzu. Es gibt Bestrebungen für Mexiko und die USA, aber es scheitert oft an so krassen Sachen wie Arbeitserlaubnis und Visa. Das kostet wahnsinnig viel Geld, ist wahnsinnig anstrengend und wahnsinnig zeitraubend. Deswegen muss man gucken, dass man da die richtigen Partner auf seiner Seite befindet. In Europa funktioniert das wunderbar. Ich war aber im vergangenen Jahr mit DJ Paul van Dyk, der kommt ja ursprünglich aus Eisenhüttenstadt, in Los Angeles als Gastsänger bei einem großen Festival. Das war megaspannend.
Was können die Leute bei eurem Konzert in Eisenhüttenstadt erwarten?
Es wird ein klassisches Forced To Mode-Konzert mit einem Mix aus alten und neuen Depeche Mode-Songs. Dadurch, dass es eine große Open-Air-Veranstaltung ist, wird man sicherlich auch ordentlich Platz zum Feiern und zum Tanzen haben. Die letzten Open-Air-Konzerte waren alle wunderbar. Wir freuen uns auf Hüttenstadt und die Freilichtbühne.
Was wünscht ihr euch vom Publikum?
Die Leute sollen viel Freude und Energie mitbringen. Diese Energie beflügelt uns auf der Bühne und wir geben sie dann zurück ans Publikum.
Vielen Dank!
Das Programm auf der Freilichtbühne Eisenhüttenstadt 2024
- 2. August, 19.30 Uhr – Forced To Mode
- 3. August, 19 Uhr – „80er- und NDW-Party“
- 16. August, 20 Uhr – Silly & Maschine
- 17. August, 19 Uhr – Gestört aber Geil & Friends
- 3. September, 20 Uhr – The Scottish Music Parade
Tickets gibt es beim Tourismusverein in der Lindenallee in Eisenhüttenstadt oder auf der Ticketplattform Eventim.



