Rechte Hetze in Eisenhüttenstadt
: Entsetzen nach Morddrohung gegen Jugendliche

Update (19.25 Uhr) In Eisenhüttenstadt ermittelt die Polizei wegen Morddrohungen gegen eine 16-Jährige. Die Graffiti waren verbunden mit rechtsextremer Hetze. Nun gibt es ein Angebot an die Verursacher.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Graffiti mit rechtsradikaler Hetze in Eisenhüttenstadt.

Janet Neiser

Das Entsetzen nach den Morddrohungen gegen eine Jugendliche in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) ist groß. Unbekannte hatten rechte Hetze und konkrete Drohungen an verschiedene Fassaden auf dem Platz der Jugend gesprüht. „Nazi Kiez“ ist da seit Tagen zu lesen, „Tod für Links“ und „Haut ab sonst Tod“. Auch eine konkrete Drohung gegenüber einer Jugendlichen wird ausgesprochen. Nach deren Namen heißt es „wir kriegen dich“. An anderer Stelle stand das Wort „Tod“ über ihrem Namen, neben „Free Hitler“.

Etliche Hakenkreuze waren zu sehen, ebenso die Buchstaben SS. Ein Teil dieser rechten Schmierereien ist mittlerweile übersprüht worden. Unter anderem mit „Schöner leben ohne Nazis“. Etliche Spuren aber bleiben, genau wie Angst und Entsetzen – vor allem bei der betroffenen 16-Jährigen aus Eisenhüttenstadt.

Stadt und Jugendliche haben Anzeige erstattet

Nun ermittelt die Polizei wegen der Bedrohung der 16-Jährigen und wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole, bestätigte ein Sprecher am Samstag. Die MOZ berichtete bereits über die Vorfälle auf dem Platz der Jugend. Die Linksjugend Brandenburg hatte den Fall am 2. September auf der Online-Plattform X (ehemals Twitter) publik gemacht.

Zum Stand der Ermittlungen konnte der Polizeisprecher zunächst nichts sagen. Unter anderem die Stadt und die Jugendliche hätten in der vergangenen Woche Anzeige erstattet.

Die 16-jährige Schülerin der 11. Klasse setzt sich in Eisenhüttenstadt für die Vertretung von Jugendinteressen in der Lokalpolitik ein, hat schon wiederholt der dortigen Stadtverordnetenversammlung Fragen gestellt und auf Probleme aufmerksam gemacht und engagiert sich zudem ehrenamtlich in Projekten.

Das sagt Martin Maleschka

Eines dieser Projekte, gefördert durch das Kulturland Brandenburg, war die Wiederbelebung des Platzes der Jugend in Eisenhüttenstadt und dem Motto „Auf den Platz, fertig, los“. Etwa 50 Workshops und zahlreiche Kunstaktionen waren dort in den vergangenen Monaten organisiert worden. Mehrere Vereine, Schulen und das Museum Utopie und Alltag waren involviert.

Die nun bedrohte Jugendliche P. sagte damals: „Martin hat uns mit reingeholt ins Projekt Platz der Jugend. Hier wird endlich mal was für die Jugend gemacht. [...] In der Stadt wird viel zu wenig für die Jugendlichen gemacht und an die Jugend gedacht. Die Stadt schläft ein.“

Auch Graffiti gegen rechte Gesinnung gibt es am Platz der Jugend in Eisenhüttenstadt.

Janet Neiser

„Dass sich P. in der Jugendarbeit in der Stadt schon in so jungem Alter engagiert, ist nicht nur wichtig, sondern auch richtig“, betont Martin Maleschka, der in Eisenhüttenstadt geboren und aufgewachsen ist und mittlerweile über die Grenzen bekannt ist als Fotograf, Dokumentarist und Chronist von DDR-Architektur.

Bei Maleschka und seinem Team liefen die Fäden für „Auf den Platz, fertig, los“ zusammen. Er ist schockiert über die Schmierereien. „Verfassungsfeindliche Symbole, personifizierte Morddrohungen und hetzende Sprüche – gegen wen auch immer – sind absolut nicht tolerierbar und völlig inakzeptabel“, erklärt er gegenüber moz.de.

Maleschka spricht Verursacher direkt an

Er hatte über verschiedene soziale Medien von den „miesen Nachrichten“ erfahren, war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Stadt und sei selbst wie vor den Kopf gestoßen gewesen, nachdem das baukulturelle Festival „Auf den Platz, fertig, los!“ so erfolgreich verlaufen war. „Ich war völlig konsterniert.“ Das alles greife zudem indirekt auch seine Arbeit am Platz der Jugend an, sagt er. Dort ging es immer um Weltoffenheit und Toleranz.

Aufgrund der Graffititechnik denkt Maleschka, der früher selbst aktiv gesprüht hat, dass die Täter eher jung waren. „Ich verurteile Aktionen wie diese aufs Schärfste und würde die Verursacher gern zu einer Talkrunde am 29.9. bei einem geplanten vorerst letzten Event in diesem Jahr am Platz der Jugend einladen.“ Prävention sei einmal mehr das Gebot der Stunde, der Tage, der Wochen, der kommenden Jahre. „Das Strafrechtliche muss die Polizei regeln“, sagt er.

Auch im Museum Utopie und Alltag war man entsetzt, nachdem man die Schmierereien auf dem Platz Ende August gesehen hatte. Schon jetzt wird überlegt, was und wie man dem deutlich erkennbaren Hass etwas entgegensetzen kann.

Nach Einschätzung von Anton Wiezorek, Landessprecher der Linksjugend Brandenburg, setzten sich immer weniger junge Menschen politisch für ihre Interessen ein. „Wenn politisch aktive Jugendliche fürchten müssen, von Neonazis umgebracht zu werden, ist das eine Gefahr für unsere Demokratie.“