Musik in Frankfurt (Oder): In der Kuma steigt das erste Festival des Jahres

„Folk my Life“ gehören zu den angesagtesten Künstlern der deutschen Folkszene – am Sonnabend (27.1.) treten sie beim Festival Folk im Fluss in Frankfurt (Oder) auf.
Christian DabringhausSeit vielen Jahren ist Thomas Strauch in der Folkszene in Deutschland unterwegs. Der Musiker aus Frankfurt (Oder) ist Mitglied im Vorstand von Profolk, dem Verband für Lied, Folk und Weltmusik. Doch in zwei, drei Sätzen zu erklären, was Folkmusik ist, das fällt auch ihm nicht leicht. „Die Frage zu beantworten, ist uns bisher nicht gelungen. Eine verbindliche Definition wird es wohl nie geben...“
Folk sei für ihn selbst „Musik, die akustisch und intuitiv funktioniert, Musik, die aus dem Leben der Menschen kommt“, beschreibt er. Folkmusik greife zum Teil jahrhundertalte musikalische Traditionen auf und transportiere sie ins Heute. Dabei gehe zwar immer auch etwas verloren – zugleich entstehe aus den Ursprüngen jedoch viel Neues. Folk sei eben immer im Fluss, so Strauch.
Entsprechend vielfältig sind auch die Abzweigungen, Subgenres und Abgrenzungen. Von Irish und Scottisch Folk über Balkan bis Folkrock und Indie Folk. „Du hast ein musikalisches Thema und Du hast Spaß damit“, bringt es der Festivalmacher dann doch auf den Punkt.
Eines der ersten Musikfestivals im Jahr in Deutschland
Die Vielfalt der Folkmusik zu zeigen, den Austausch zu pflegen und Neues zu arrangieren, das seien bis heute auch die Kernanliegen von Folk im Fluss, dem Festival für akustische und traditionelle Musik, das vom 25.1. bis 27.1. stattfindet. Die drei Tage Ende Januar in Frankfurt (Oder) gehören jedes Jahr zu den ersten Festivals im Festivalkalender in Deutschland überhaupt. Wie es dazu kam? „Das war Strategie“, blickt Thomas Strauch auf die Anfänge vor 20 Jahren zurück.
Damals arbeitete er noch im Oderspeicher, organisierte dort regelmäßig Konzerte. Der Folkmusik hatte er sich da bereits seit längerem verschrieben, war Mitglied der Band „Drei Liter Landwein“ und später „La Marche“, fuhr regelmäßig mit Freunden zu Sessions und Festivals. „Irgendwann haben wir gesagt: Das wollen wir auch bei uns haben“, sagt er. Statt für einen Termin im Sommer hätten sie sich für das letzte Wochenende im Januar entschieden – in der Hoffnung, dass bekannte und befreundete Folkmusiker dann einfach mehr Zeit haben.
Viele Highlights in 20 Jahren Folk im Fluss
Die Rechnung ging und geht bis heute auf. Auch wenn Folk in Brandenburg eher ein Nischendasein fristet, kämen Januar für Januar jeweils mehreren Hundert Besucher zu den Konzerten und Workshops, erzählt Thomas Strauch.
Am Konzept habe sich dabei im Lauf der Jahre nicht viel geändert. Das Festival startet mit einem eintrittsfreien Donnerstag als Einstieg auch für Interessierte, es folgen zwei Tage mit Workshops und Konzerten. Eingeladen werden dabei nur Bands und Musiker, „die ich kenne und live gesehen habe, und bei denen ich weiß: Das wird super“, so Thomas Strauch.
20. Festival Folk im Fluss – 25.1. bis 27.1.
■ Donnerstag (25.1.) / Darstellbar
20.00 Uhr: JubiläumsFOLKester
21.00 Uhr: Open Stage
■ Freitag (26.1.) / Kulturmanufaktur Gerstenberg
19.30 Uhr: Rosaro & Peppler
21.00 Uhr: JANNA – Irish & Scottish Folk
22.30 Uhr: Folksession
■ Sonnabend (27.1.) / Kulturmanufaktur Gerstenberg
19.30 Uhr: Folk My Life
21.00 Uhr: Familie Gerstenberg
22.30 Uhr: Folksession
Der Festivalmacher blickt stolz auf 20 Jahre (trotz Corona ununterbrochene) Festivalgeschichte und viele Highlights zurück. Das bis heute bestbesuchte Konzert fand 2010 in einem krachend vollen Flur der Uni Viadrina statt, als dort der schottische Gitarrist Ian Melrose und die norwegisch-deutsche Sängerin Kerstin Blodig auftraten. Herausragend sei auch das Gastspiel von Gilles Chabenat im vergangenen Jahr gewesen – der Franzose ist mit seiner elektroakustischen Drehleier stilprägend für sein Genre.
Singer-Songwriter und Irish Folk am Freitag in der Kuma
Und zur Jubiläumsauflage? Startet das Festival am Donnerstag (25.1.), 20 Uhr, mit einer Party und dem eigens von Thomas Strauch zusammengestellten „JubiläumsFOLKester“ in der Darstellbar im Kleist Forum. Zusammen mit musikalischen Freunden spielt er Lieblingsstücke im Duo, Trio und in größerer Runde. Bei der Open Stage ist die Bühne anschließend ab 21 Uhr wieder offen für allen. Der Eintritt ist frei.
Am Freitagnachmittag (16 bis 18 Uhr) lädt Folkmusikerin und Dichterin Peggy Luck bei einem Workshop in der Kulturmanufaktur Gerstenberg (Kuma) dazu ein, Volkslieder zu zerlegen und anschließend so wieder zusammenzusetzen, dass sie wieder stimmen. Ab 19.30 Uhr sorgen die Singer-Songwriter von „Rosaro & Peppler“ mit ihrem Magic Folk in der Kuma für den ersten musikalischen Höhepunkt des Abends. Ab 21 Uhr folgt der zweite: Sehr launiger Irish & Scottish Folk mit „JANNA“. Die Band hat vor allem in ihrer Heimat Thüringen eine große Fangemeinde, wie Thomas Strauch erzählt.
Wie es am Samstag weitergeht und was Tickets kosten
Der Festival-Samstag beginnt traditionell mit einem Folkstanz-Workshop, „für alle, die glauben, sie können gar nicht tanzen – und dann gar nicht mehr damit aufhören können“, wie der Musiker mit einem Lachen erklärt. „Folk my Life“ heißt die Band, die dann ab 19.30 Uhr in der Kuma wohl für ordentlich Stimmung sorgen wird. „Sie mixen traditionelle Tanzmusik aus dem deutschsprachigen Raum und Schweden, eine extrem moderne Mischung voller Energie, die einfach Lust darauf macht, sich zu bewegen“, verspricht Strauch – der im Anschluss, ab 21 Uhr, mit seiner Band „Familie Gerstenberg“ ebenfalls noch auf der Bühne in der Kuma stehen wird.

„Familie Gerstenberg“ in der Kulturmanufaktur in Frankfurt (Oder) mit Musiker und Festival-Organisator Thomas Strauch (l.)
Niels WawarekTickets gibt es ausschließlich an der Abendkasse, sie kosten am Freitag und Sonnabend jeweils 20 Euro (ermäßigt 15 Euro, Studierende 10 Euro) bzw. 50 Zloty für polnische Gäste. Den Festivalpass für alle Tage gibt es für 40 Euro. Die Teilnahmegebühr für den Tanzworkshop beträgt 8 Euro.
Die Finanzierung des Festivals stehe anders als vor 20 Jahren heute auf mehreren Füßen, berichtet Strauch. Neben den Eintrittsgeldern machen auch Fördergelder – die aus Mitteln für die freie Szene stammen und vom Kulturbüro der Stadt Frankfurt verwaltet werden – die Durchführung überhaupt erst möglich. Thomas Strauch kooperiert dafür unter anderem mit den Vereinen Kunstgriff und Profolk.


