Reh in Eisenhüttenstadt: Mann trägt junges Bambi durch Marktkauf

Bekommen die Flasche: Alle vier Stunden füttert Jana Feister die beiden Rehkitze. Anfangs bekamen die kleinen Rehe jede zweite Stunde die Flasche.
Jana Feister- Tierheimleiterin Jana Feister zieht in Eisenhüttenstadt zwei Rehkitze groß.
- Auslöser waren zwei Vorfälle mit Passanten: ein Mann trug ein Kitz im Einkaufszentrum.
- Ein zweites Kitz nahm eine Frau in ihren Rollator und legte es später auf ihre Couch.
- Die Kitze brauchen regelmäßig Milch – anfangs alle zwei Stunden, später alle vier.
- Feister warnt: Wildtierkinder nicht anfassen, sonst droht Verstoßung durch die Mutter.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit einigen Wochen findet Jana Feister kaum noch Schlaf. Die Leiterin des Tierheims am See in Eisenhüttenstadt, das als gemeinnützige Unternehmergesellschaft (gUG) geführt wird, zieht seit vier Wochen zwei Rehkitze groß.
„Es ist Wahnsinn, wie viele Tauben und Wildtiere bei uns abgegeben werden. Leider gibt es in der Nähe keine Wildtierstationen, die nächsten sind in Berlin und Cottbus“, sagt die 34-Jährige. Gerade in den ersten beiden Lebenswochen brauche ein Rehkitz etwa alle zwei Stunden Milch, später reiche es alle vier Stunden. Anfangs habe es sogar eine ganze Stunde gedauert, bis die beiden Kitze eine Flasche leergetrunken hatten. Vier Wochen später sei eine Flasche in Sekundenschnelle leer.
„Die Ziegen- oder Lämmermilch mögen sie zunächst nicht. Außerdem fehlen ihnen die Zitze und das Fell, an das sie gewöhnt sind. Man muss aufpassen, dass sie sich nicht verschlucken. Dazu sind sie sehr empfindlich, was ihre Umgebung betrifft. Nur ich kann ihnen die Milch geben. Ich habe es mit zwei Mitarbeitern versucht, aber bedauerlicherweise haben die Rehe die Nahrung verweigert“, erzählt Jana Feister.
Rehkitz in Eisenhüttenstadt: Seltsamer Anblick im Marktkauf
Dass sie nach sieben Jahren wieder ein Rehkitz aufzieht – und diesmal gleich zwei –, hat mit zwei ungewöhnlichen Vorfällen in Eisenhüttenstadt zu tun.
Das erste Rehkitz entdeckte eine Tierfreundin im SB-Warenhaus Marktkauf. Ein Mann soll dort mit dem Tier unter dem Arm herumgelaufen sein, während das Kitz schrie. Zwar hätten viele Passanten die Szene gesehen, aber niemand reagiert.
„Ich war gerade in der Lotto-Annahmestelle und habe einen Schein ausgefüllt. Als ich ihn sah, dachte ich erst, er trage einen seltsamen Hund. Als er noch einmal vorbeikam, erkannte ich das Kitz. Dann bin ich ihm gemeinsam mit einer anderen Frau hinterhergelaufen. Ich habe geschrien und ihm gedroht, die Polizei zu holen“, sagt die Tierschützerin, die ungenannt bleiben möchte.
Rehkitz gerettet: Tierheim am See nimmt Jungtier auf
Schließlich sei der Mann in Höhe der Waldsiedlung stehen geblieben und habe die Frauen aggressiv auf Englisch beschimpft. Am Ende setzte er das Kitz ab und ging in Richtung Zentrale Ausländerbehörde (ZABH) weiter. Das Tier versteckte sich zwischen Bäumen und Sträuchern.
„Wegen der Tarnfarbe war es für uns sehr schwer, das Kitz im Blick zu behalten. Die Polizei, die wir gerufen hatten, kam nicht. Deshalb habe ich sie wieder abbestellt und Jana Feister angerufen. Sie war sofort da. Wir kennen uns aus dem Tierschutz.“
In Absprache mit dem Jagdpächter und der Rehkitzrettung nahm Jana Feister das Tier zu sich. Das Muttertier konnte nicht gefunden werden, zudem wäre es wahrscheinlich gewesen, dass es sein Junges nach dem Vorfall verstoßen hätte. Das Kitz war vermutlich erst ein oder zwei Tage alt.
Zweites Rehkitz in Eisenhüttenstadt: Tierheim hilft erneut
Kurz darauf kam bereits das zweite Rehkitz zu Jana Feister. Eine ältere Frau hatte es bei einem Spaziergang in ihren Rollator gelegt und mit nach Hause genommen. Dort bemerkten Nachbarn das Tier und verständigten den Tierschutz. Das Rehkitz lag zu diesem Zeitpunkt auf der Couch der Frau. Sie selbst konnte sich später nicht mehr daran erinnern, wo sie das Tier gefunden hatte.
Auch dieses Kitz nahm Jana Feister nach Rücksprache mit dem Jagdpächter bei sich auf. Da sie ohnehin bereits ein Jungtier versorgte und das Muttertier auf der vermuteten Wiese nicht gefunden werden konnte, blieb auch dieses Rehkitz bei ihr.
Rehkitze im Tierheim: Jana Feister sagt Reise ab
Wegen der beiden Tiere musste Jana Feister sogar eine geplante Reise zu Tierschutzprojekten in Albanien, Serbien, Montenegro und Bosnien absagen. Den beiden Rehkitzen gehe es inzwischen aber gut. Allerdings seien sie extrem scheu. Jana Feister sei ihr einziger menschlicher Bezugspunkt.
„Eigentlich ist bekannt, dass man Tierkinder nicht anfassen sollte. Rehe und Hasen sind zum Beispiel Nestflüchter. Wir hatten schon Hasen, die immer wieder in einem Hausflur gefunden wurden. Solange sie nicht verletzt sind oder von Krähen attackiert werden, sollte man sie in Ruhe lassen. In der Regel holt die Mutter sie wieder“, erklärt die Tierheimleiterin.
Sobald die Jungtiere jedoch angefasst werden, sei die Gefahr groß, dass die Mutter sie verstößt. „Für uns als Tierheim ist die Betreuung von Wildtieren eine freiwillige Aufgabe. Wer ein junges Wildtier findet, sollte am besten eine Wildtierstation anrufen. Mit vielen Rettungsstellen kann man sich auch per WhatsApp verständigen. Für uns bedeutet die Aufnahme eines Wildtieres einen immensen Zeitaufwand, der nicht bezahlt wird. Dazu stoßen wir platz- und zeittechnisch an unsere Grenzen“, sagt Jana Feister.


