Bei Paris, London oder Madrid, da klingt schon der Name, da schwingt Sehnsucht mit. Eisenhüttenstadt passt da irgendwie nicht rein, oder doch? Ein renommiertes Reisemagazin findet, die Stadt im äußersten Osten Brandenburgs gehört zu 23 Städten für das Jahr 2023. Nein, das ist kein Aprilscherz, sondern ernst gemeint. Als sie das entdeckte, war selbst Kathrin Schilling vom Tourismusverein Oder-Region (TOR) in der Lindenallee baff.
„Das ist tolle Werbung für die Stadt“, betont die Chefin des Tourismusvereins. In der Januarausgabe des Magazins für 2023 wird nicht nur an den Besuch von Hollywood-Star Tom Hanks erinnert, sondern es werden vor allem das Museum Utopie und Alltag, also das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, sowie die Stadtführungen hervorgehoben.

„Geo Saison“ empfiehlt einen Besuch in Eisenhüttenstadt

Die Publikation, um die es sich handelt, ist das monatliche Reisemagazin „Geo Saison“ des Hamburger Verlags Gruner + Jahr.
Kathrin Schilling vom Tourismusverein Oder-Region in Eisenhüttenstadt hat sich eine Geo Saison-Ausgabe für Januar 2023 besorgen lassen. Und sie findet es fantastisch, dass Eisenhüttenstadt darin auftaucht.
Kathrin Schilling vom Tourismusverein Oder-Region in Eisenhüttenstadt hat sich eine Geo Saison-Ausgabe für Januar 2023 besorgen lassen. Und sie findet es fantastisch, dass Eisenhüttenstadt darin auftaucht.
© Foto: Janet Neiser
„Mitbekommen habe ich davon, weil Bekannte das Titelblatt in ihrem WhatsApp-Status hatten“, erzählt Kathrin Schilling. Und dann dämmerte es ihr. Im Sommer 2022 seien zwei Frauen bei ihr gewesen, die unbedingt eine Stadtführung machen wollten. Das klappt zum Glück auch gleich. Und als die Besucherinnen zurückkamen, da seien sie ganz angetan gewesen. Sie hätten erzählt, dass sie auch im Museum Utopie und Alltag gewesen seien. „Die haben richtig geschwärmt.“ Damals habe ihr eine der Frauen gesagt, Eisenhüttenstadt werde Anfang des kommenden Jahres in einem Reisemagazin erscheinen, als Empfehlung. Sie steckte ihr eine Visitenkarte zu. Das war’s.
Bis Dezember 2022. Da gehörte Eisenhüttenstadt dann wirklich zu den 23 Städten, die im Jahr 2023 für eine Reise empfohlen werden.

Tourismus-Chefin freut sich auf das Jahr 2023

„Unsere 23 Städte für 2023, die viel Neues in Sachen Kunst, Kultur und Küche bieten“, heißt es da. Natürlich wird in der „Geo Saison“ die sozialistische Architektur hervorgehoben, für die sich 2011 auch Tom Hanks begeisterte, und zwar so sehr, dass er sogar ein zweites Mal auftauchte und einen Trabi mitnahm, der ihm vom damaligen MOZ-Chefredakteur übergeben worden war.
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In dem Magazin stehen Eisenhüttenstadt und Hamburg auf einer Seite gleichberechtigt nebeneinander, auch das dürfte, wie damals der Tom-Hanks-Besuch, so manchem Einheimischen die Seele streicheln. „Hütte hat was“ setzt Kathrin Schilling unter den Facebook-Post zu der Empfehlung. Dieser Marketing-Slogan, der in der Stadt meist belächelt wird, scheint die zwei Besucherinnen von der Geo durchaus überzeugt zu haben.
„Wir freuen uns auf die bevorstehende touristische Saison 2023 und auch auf viele neue Gäste und Touristen, denen wir unsere ‚besondere‘ Stadt nahebringen können“, schreibt Kathrin Schilling. Und im Gespräch mit der MOZ berichtet sie, dass Stadtführungen noch immer sehr gefragt seien.

Architekt Martin Maleschka wirbt überregional für Eisenhüttenstadt

Mittlerweile hat sie zehn Stadtführer, die Einheimische und Besucher durch das Flächendenkmal führen und auf Wunsch auch in andere Teile der Planstadt, die seit den 1950ern mit dem Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) – heute ArcelorMittal Eisenhüttenstadt – gewachsen war. Auch der Architekt und Fotograf Martin Maleschka hat sich bereits als Stadtführer verdient gemacht. Und er hat einen viel gelobten Architekturführer geschrieben, der sicherlich auch viele Besucher in die Stahlstadt gelockt hat.
Er lässt keine Gelegenheit aus, die Besonderheiten seiner Heimatstadt anzupreisen.
Manch architektonisch herausragendes Gebäude ist in den vergangenen Jahren durch eine Sanierung und Neunutzung vorm Zerfall gerettet worden. Man denke nur an die einstige Großgaststätte „Aktivist“, die heute Geschäftssitz der Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft ist. Aber auch die historischen Wohnblöcke im größten Flächendenkmal Deutschlands sind allesamt saniert. Und zwar so eindrucksvoll, dass die Filmindustrie sie als Kulisse für Kinostreifen wie „Das schweigende Klassenzimmer“ und „Und der Zukunft zugewandt“ haben wollte.