Seine ersten Songs waren auf YouTube zu hören, dann sang er sich 2012 bei The Voice of Germany in die Herzen der Zuhörer und 2018 beendete er die lange Durststrecke der Deutschen beim Eurovision Song Contest, wo er den vierten Platz belegte. Die Rede ist von Michael Schulte (32), der gar nicht mehr aus der deutschen Musikszene wegzudenken ist. Beim Stadtfest Eisenhüttenstadt ist er einer der Hauptacts. Vorab nahm er sich Zeit für ein Interview.

Michael, das Stadtfest Eisenhüttenstadt gehört zu einer Reihe von Auftritten, die bei dir aktuell anstehen. Mal Hand aufs Herz, hat dir Eisenhüttenstadt vor dem Booking irgendetwas gesagt?

Ich weiß nicht genau, warum, aber ja, ich kannte den Namen schon. Ich denke allerdings, ich habe noch nie in der Stadt gespielt. Das wird also eine Premiere sein.

Bekommt man als Künstler überhaupt etwas von den Städten mit, in denen man auftritt?

Manchmal ist es zeitlich schon sehr knapp bemessen. Es gibt es aber auch andere Tage. Ich hoffe, dass ich mir in Eisenhüttenstadt ein bisschen was anschauen kann.

Wir haben hier das größte Flächendenkmal Deutschlands mit Architektur aus der Aufbauzeit der DDR.

Ach, wirklich? Wahnsinn. Mal sehen, ob ich etwas Zeit habe, um mir das anzusehen.
Empfohlener Inhalt der Redaktion

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich diesen mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt

Sie erklären sich damit einverstanden, dass Ihnen externe Inhalte von Youtube angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Du hast aktuell gut zu tun. Wann warst du das letzte Mal daheim?

Ich versuche immer, wenn es geht, zu Hause zu sein. Und ich bin auch gar nicht so viel am Stück unterwegs. Das höchste der Gefühle sind meist zwei, drei Tage. Ich versuche, das zu steuern. Es ist dann aber eben auch fast jede Woche so. Im Sommer ist es total okay, das streckt sich von Ende Mai bis in den September. Es sind drei, vier intensivere Monate, natürlich auch für meine Frau, weil sie dann mit den Kids oft allein ist. Es gibt aber auch Tage, da spiele ich kein Konzert, sondern unternehme etwas mit der Familie.

Ist deine Familie für dich etwas, wo du Kraft und Energie tankst und wo Songs oder zumindest Ideen dafür entstehen?

Die Situation als Familienvater, die empfinde ich schon als Inspiration. Das alles hat neue Themen gebracht. Mit den Ideen gehe ich dann ins Studio, treffe mich mit meinen Kollegen und fange an zu schreiben. Ideen für Songs entstehen generell aus den Dingen, die mich bewegen, die ich erlebt habe.

Und wie lange dauert es von der Idee zum fertigen Song?

Das Ziel ist es, dass man an einem Tag einen Song fertigbekommt. Manchmal sind es auch zwei Songs. Wenn man da ein wenig routiniert ist und ein eingespieltes Team hat, geht es oft ruckzuck. Es gab auch schon Songs, die sind in zwei Stunden entstanden. Die Demos sammelt man, holt sie irgendwann aus der Schublade, entscheidet sich, welcher Song die nächste Single sein soll und dann produziert man diesen Song noch final aus, gibt ihm den Feinschliff.

Als du dich das erste Mal im Radio gehört hast, war das sicherlich total spektakulär. Wie ist das jetzt, nach so vielen Songs und Jahren im Musikgeschäft?

Schön ist es immer. Ich freue mich jedes Mal tierisch. Ich zappe auch bei der Autofahrt durch die Sender und schaue, wo ich gerade laufe. Es ist schön, aber ja, tatsächlich etwas anders. In den ersten Wochen war ich jedes Mal fast durchgedreht, wenn der eigene Song im Radio lief. Mittlerweile fängt man aber nicht mehr an zu schreien oder herumzuhüpfen.

Fängst du beim Hören und mit etwas Abstand auch manchmal an, an deinen Songs herumzumäkeln?

Nein, das mache ich tatsächlich vorher. Bis die Audiodatei in Systeme eingespielt wird, bin ich sehr kritisch. Wenn ich das Ergebnis dann später höre, ist es für meine Ohren perfekt. Dann ist es abgeschlossen. Vorher bin ich fast schon zu krass Perfektionist, da muss jedes Atmen richtig sein, da darf nichts knacksen, da bin ich schon sehr penibel, und es dauert teilweise auch lange, bis ich 100 Prozent zufrieden bin.
Empfohlener Inhalt der Redaktion

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich diesen mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt

Sie erklären sich damit einverstanden, dass Ihnen externe Inhalte von Youtube angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Deine Musik hat sich über die Jahre verändert. Muss das passieren, um erfolgreich zu sein oder erfolgreich zu bleiben?

Es muss nicht, es passiert von allein, weil einfach Einflüsse von außen hinzukommen. Und natürlich, wenn sich bei einer größeren Masse der Musikgeschmack ändert, dann wird sich auch in deinem Denken minimal irgendetwas anpassen. Vor fünf oder sechs Jahren gab es mal eine extreme Folk-Welle, da war meine Musik auch einen Tick folkiger – auch weil ich Folk sehr gern mag. Aber das war dann nach ein paar Jahren gefühlt alles weg. Es ist alles fresher, moderner, elektronischer geworden. Das probiert man auch selbst gern mal aus. Aber ich bin ja nicht von Pop zu Rock gewandert, sondern ich gehe einfach ein bisschen mit dem Sound der Zeit.

Wie viele Goldene Platten gab es schon?

Ich glaube, es sind bisher vier.

Und wo hängen die? Im Studio oder in der Wohnung?

Ich habe kein eigenes Studio, ich gehe immer ins Studio meines Produzenten in Hamburg, da hängen dann die Goldenen, die die Produzenten erhalten haben. Aber als Künstler bekommt man ja auch ein Exemplar, und die Goldenen sind bei uns zu Hause.

Eisenhüttenstadt

Ist das Publikum bei den jetzigen Konzerten anders als vor der Corona-Zwangspause?

Nein, tatsächlich nicht. Das fühlt sich ziemlich normal an. Die Menschen stehen da dicht an dicht, sind alle voller Freude. Solche Sommerkonzerte sind echt schön. Und sie sind auch so, wie sie schon vor drei Jahren waren.

Hast du jetzt mehr zu tun als vor Corona? So nach dem Motto: Jetzt muss alles nachgeholt werden?

Nein, ich denke, 2022 ist noch so ein Mischjahr, da muss noch viel nachgeholt werden, was bereits vorher hätte stattfinden sollen. Der richtige Neuanfang beginnt wahrscheinlich 2023. Da geht man dann mit neuen Konzerten in den Verkauf. Wir freuen uns, wenn wir im Herbst endlich unsere Tour spielen können, die auch schon 2020 hätte laufen sollen. Das Album habe ich vor drei Jahren veröffentlicht und wir waren damit noch nicht einmal auf Tour. Das muss jetzt endlich passieren.

Neue Songs entstehen gerade oder schreibst du immer?

Immer. Laufend. Das ist nicht mehr so wie früher. Als ich angefangen hatte, etwas professioneller Musik zu machen, da war es noch so, da fing man an zu schreiben, sammelte Songs und hatte irgendwann das Album fertig. Erst dann wurden die Songs veröffentlicht. Mittlerweile ist das ein laufender Prozess. Wenn eine Single fertig ist, bringst du die raus. Das mag ich, dass man sich keine zweijährige Pause nehmen muss, in der man das Album schreibt und alles fertig macht. Ich schreibe immer mal wieder, wie es gerade passt. Seit vier Jahren veröffentliche ich alle paar Monate einen Song.

In Eisenhüttenstadt sind alte und neue Songs zu hören?

Genau, das wird ein Mix. Die meisten werden welche sein, die nach 2018 veröffentlicht wurden. Aber eben nicht nur.

Welcher Song muss dabei sein?

Da gibt es einige: Der ESC-Song „You Let Me Walk Alone“, „For a Second, „Back to the Start“ – das sind die, die auf jeden Fall nicht fehlen dürfen.
Stadtfest Eisenhüttenstadt: Michael Schulte und Band, 27. August, 22 Uhr, Hauptbühne, Beeskower Straße. Davor ist dort die Stadtfest-Lasershow zu erleben.
Alles Wichtige zum Stadtfest Eisenhüttenstadt erfahren Sie auf unserem Liveblog.