Verwahrloste Katze
: Verängstigt und fast tot – Kater Tayo will wieder leben

Kater Tayo hat eine schwere Zeit hinter sich. Sein Halter starb, der Tod blieb lange unbemerkt. Tierschützer nahmen sich seiner an. Der Lebensmut ist bei der mindestens 20-jährigen Perserkatze wieder zurück.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Kater Tayo ist mindestens 20 Jahre alt. Nach einem schrecklichen Ereignis kommen seine Lebensgeister schrittweise wieder.

Abelina Müller

Katzen sind zäh. Opa Tayo ist ein Beweis dafür. Noch vor einem Vierteljahr war er dem Tod viel näher als dem Leben. Doch allein hätte es der betagte Kater wohl nicht geschafft.

Ende Februar hatte ein Feuerwehrmann aus dem Eisenhüttenstädter Archenholdring zwei stark vernachlässigte Katzen zum Tierheim in die Oderlandstraße gebracht. Der Tod des Halters war erst spät bemerkt worden. Wahrscheinlich waren die Tiere wochenlang ihrem Schicksal überlassen. Eine Katze konnte nur noch tot geborgen werden.

Die beiden anderen Geschöpfe waren verängstigt, dehydriert, unterernährt und sahen verwahrlost aus. Die schwarze Perserkatze, das ist Opa Tayo, war völlig verfilzt.

Abelina Müller nimmt den Kater als Pflegetier auf

Zwei Wochen später hatte ihn Abelina Müller als Pflegetier aufgenommen, obwohl sie bereits fünf Katzen zu Hause hat. „Ich hatte zusammen mit meiner Tochter das Tierheim besucht. Dort sind wir regelmäßig. Als wir das arme Katerchen sahen, wollten wir helfen, ihm wieder Lebensfreude einzuhauchen.“

Tierheimleiterin Ute Valentin war einverstanden, Hundefriseurin Anke Kluge im Fröbelring übernahm die Patenschaft. Als sie sein verfilztes Fell zurechtstutzte, sei laut Abelina Müller erst einmal aufgefallen, wie dünn Tayo war.

Kater Tayo ist mindestens 20 Jahre alt. So sah die Perserkatze im März aus.

Hagen Bernard

„Opa wog 1,9 Kilogramm. An dem Tag des Besuches rief eine Bewohnerin des Hauses an und erzählte, dass der schwarze Kater 20 Jahre alt sein muss. So lange kannte sie den Verstorbenen mit seinem Perserkater“, berichtet sie. „Opa hatte jegliche Lebensgeister verloren. Er wollte nicht fressen und sich nicht bewegen.“

Mit Spezialfutter mühsam aufgepäppelt

Mit energiehaltigem Spezialfutter vom Tierarzt wurde er mühsam aufgepäppelt. „Die Überlebenschancen waren nicht mehr gut, allein schon wegen des hohen Alters“, erklärt Abelina Müller.

„Aber aufgeben wollte ich nicht, obwohl ich hin- und hergerissen war. Ist es die richtige Entscheidung? Vielleicht quält er sich nur noch und will sterben.“

Dabei habe der Kater besonders zu ihrer Tochter schnell eine Bindung aufgebaut. „Ich war die Böse, die ihn zum Essen zwingt und meine Tochter die Gute mit den Leckerchen.“

Zudem wurde er täglich an jeweils einer anderen Stelle ins Haus gesetzt, um ihn zum Laufen zu animieren. „Nach und nach wurde er neugierig. Aber vier Wochen haben wir nicht gewusst, ob er überhaupt noch leben möchte.“

Schließlich setzte er sich eines Tages von allein auf das Fensterbrett. „Mittlerweile kennt er sich hier gut aus und lag auch schon auf meinem Bett und sonnte sich. Meine privaten fünf Katzen akzeptieren ihn und lassen ihn alles machen“, fährt Abelina Müller fort.

Seine Artgenossen lassen ihn gewähren

Sogar hinsichtlich des Futters oder der Schlafplätze lassen ihn seine Artgenossen gewähren. „Er ist alt und hat viele Wehwehchen. Er wird nicht mehr dick, hat trübe Augen, das Fell wächst nur sehr langsam nach und er vergisst auch manchmal, wo er ist. Natürlich auch, wo die Katzentoilette ist. Jedoch mauzt er morgens, wenn wir aufstehen und freut sich auf sein Naschi. Er läuft herum, bettelt und schnurrt. Er ist so dankbar“, sagt Abelina Müller.

Inzwischen bringt der ältere Herr 2,3 Kilo auf die Waage. „Er hat so viele motorische Fertigkeiten zurückerhalten und kann seinen letzten Lebensabschnitt nun genießen. Wenn er irgendwann nicht mehr kann, wird er uns fehlen. Für mich ist er ein Beispiel, dass Tierschutz und Liebe sich lohnen“, ist Abelina Müller über ihre Entscheidung glücklich, den Kater aufgenommen zu haben.

Schon Kleinigkeiten können dem Tierschutz helfen

Allerdings bedeute es Arbeit und Verantwortung. „Allein das Wischen ist nun täglich eine kleine, zusätzliche Aufgabe. Aber jeder, der auch nur etwas ganz Kleines für den Tierschutz tut, macht etwas Gutes. Aufmerksam sein ist manchmal schon ausschlaggebend. Zum Beispiel angefahrene Tiere melden. Würde jeder ein ganz kleines bisschen wachsamer sein und wahrnehmen, dass Tiere unglaublich gefühlvolle Lebewesen sind, wäre die Welt besser“, ist Abelina Müller überzeugt.