Tierheim Eisenhüttenstadt
: Hunde-Schicksal – Rottweiler in Rumänien als Kampfhunde missbraucht

Die siebenjährigen Rottweiler Ramses und Luna sollten in Rumänien als Kampfhunde Geld einspielen. Doch als sie auf ihren Halter losgingen, war ihr Schicksal besiegelt. Ein Tierfreund aus Ziltendorf rettete sie.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Ute Valentin mit den beiden Rottweilern Ramses (links) und Luna

Hagen Bernard

Normalerweise ist ein Tierheim für einen Hund nur eine Durchgangs-Station. Doch es gibt dort auch Vierbeiner, die nur sehr geringe Chancen auf eine Vermittlung haben. Dazu gehören auch die beiden siebenjährigen Rottweiler Ramses und Luna an der Oderlandstraße 3b in Eisenhüttenstadt.

Wenn es um Vermittlungshunde geht, hat die Leiterin Ute Valentin in der Regel keine Bedenken, sie vorzuführen. Doch bei diesen beiden Rottweilern ist es anders. Sie schlagen umgehend heftig am Zaun an. Zwar kann sich Ute Valentin ihnen ohne Einschränkung nähern, doch Fremde haben keine guten Karten.

Rottweiler ist sehr charakterstark

Das hatte bereits vor fünf Jahren Stephanie Winter aus Groß Rietz erfahren, die regelmäßig bei diesem Tierheim vorbeischaut. „Ich hätte mir gern einen Rottweiler geholt. Ich mag diese Bollerköpfe, ich finde es schön, wenn von einem Hund etwas mehr da ist. Der Rottweiler ist ein sehr charakterfester Hund. Doch bei ihrer Vorgeschichte war mir das Risiko zu hoch. Wenn ein 45 Kilo schweres Tier an der Leine zieht, kann ich es nicht mehr halten.“

So hatte sich Stephanie Winter zusammen mit ihrem Mann in diesem Tierheim nach einem anderen Hund umgeschaut und war damals gleich mit zwei Exemplaren glücklich geworden. Doch sogar nach fünf Jahren glaubt sie nicht, dass Ramses und Luna jemals wieder dieses Tierheim verlassen.

Rottweiler in der Jugend falsch geprägt

„Dafür sind sie mal falsch geprägt worden und jetzt zu lange im Tierheim. Ihnen geht es hier ja sehr gut. Sie haben ihren Auslauf, ihre Aufgabe und ihre Freiheiten. Aber sie sind auf einzelne Personen fest fixiert. Jetzt daran etwas zu ändern, ist ganz schwer.“

Wahrscheinlich möchte das Ute Valentin auch nicht mehr. Schließlich mag sie diese Rasse und mit den Jahren hat sie Ramses und Luna sehr lieb gewonnen. Der Rottweiler gehört zu den 13 Rassen im Land Brandenburg, die als widerlegbar gefährlich eingestuft sind. Ihre Nichtgefährlichkeit muss per Gutachten nachgewiesen werden.

Diese Hunde sind erlaubnispflichtig und müssen vor der Anschaffung gemeldet sein. Der Halter muss volljährig sein, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, einen Sachkunde-Nachweis und eine Haftpflichtversicherung vorlegen.

Vor der Todesspritze gerettet

Die beiden kastrierten Rottweiler würden längst nicht mehr leben, hätte der Ziltendorfer Immobilienkaufmann Jens Herrmann die beiden nicht unter hohem persönlichen Einsatz im rumänischen Bucov vor der Todesspritze bewahrt.

Ihr alter Besitzer hatte aus ihnen Kampfhunde machen wollen und sie dabei so scharf gemacht, dass sie sogar auf ihn losgingen. Jens Herrmann hatte dann einige Tage lang vor ihrer Behausung Kontakt mit ihnen aufgenommen und sie dann nach dem Motto hopp oder top mitgenommen.

Zwar konnte er ihr Vertrauen gewinnen, doch im Wesentlichen blieb er ihre einzige Bezugsperson. Als sie auf seinem Hof ein anderes Tier töteten, zog Jens Herrmann schweren Herzens die Reißleine, da er sich ja nicht immer zu Hause aufhält. Dabei war Ute Valentin laut Jörg Herrmann die einzige in Deutschland, die bereit war, sich um diese beiden Rottweiler zu kümmern.

Zwar kommt Ute Valentin mit dem 45 Kilogramm schweren Ramses und der etwa 35 Kilogramm schweren Luna recht gut zurecht, doch nicht so wie Jörg Herrmann. „Als ich mit Ramses zum Tierarzt musste, sollte er mitkommen. Allein mit solch einem Hund war es mir zu riskant.“

Sachkunde-Nachweis anstatt Verbot

Unisono wie Jörg Herrmann und Ute Valentin ist auch Stephanie Winter der Ansicht, dass zwar die einzelnen Tiere sich vom Wesen her unterscheiden, doch eine Rasse nicht von vornherein als gefährlich eingestuft werden kann. So begrüßt sie es generell, wenn für das Halten bestimmter Tiere ein Befähigungsnachweis zu erbringen ist.

„Eine Rasse zu verbieten, ist überflüssig. Wichtig ist ein Sachkunde-Nachweis. Es gibt Rassen, bei denen man intensiv mit dem Hund arbeiten muss. Nicht jeder ist für jede Rasse geeignet. Doch ausbaden müssen solche Fehler meistens die Tierheime.“

So wie Ute Valentin mit den beiden Rottweilern. Immerhin haben Ramses und Luna dort eine Aufgabe. Wahrscheinlich noch für die nächsten fünf Jahre, da Ute Valentin ihre Lebenserwartung auf etwa zwölf Jahre schätzt. „Sie sind von ihrem Wesen und Charakter sehr menschenbezogen und auch recht lieb. Leider ist früher mit ihnen sehr schlecht umgegangen worden.“