Urlaub in Neuzelle: Kleines Dorf an der Oder – das hat es alles zu bieten

Neuzelle ist nicht nur wegen der prächtigen Klosteranlage einen Besuch wert.
Bernd Geller- Neuzelle in Brandenburg bietet Klosteranlage, Brauerei, Barockgarten und Museen.
- Stiftskirche St. Marien gilt als „Barockwunder Brandenburgs“ – Zisterziensermönche seit 2017 aktiv.
- Barockgarten mit Spiegelteich und Orangerie zählt zu den 53 bedeutendsten Gärten Deutschlands.
- Klosterbrauerei bekannt für Fassbrause „Himmelspforte“ und Führungen mit Verkostung.
- Freibad, Restaurants und das historische Strohhaus runden das touristische Angebot ab.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Wir wohnen, wo andere Urlaub machen.“ Das hört man oft in Neuzelle, dem kleinen Ort, der zwar nur etwa 2180 Einwohner hat, aber kaum als Dorf durchgeht. Zwei Grundschulen, eine Oberschule, ein Gymnasium, zwei Kirchen, zwei Supermärkte, mehrere Museen, Restaurants und Hotels, ein Klostergarten, ein Weinberg, eine Brauerei, ein Freibad, ein Bahnhof und sogar ein Döner-Imbiss – das klingt schon fast nach Stadt.
Neuzelle ist ein anerkannter Erholungsort etwa vier Kilometer westlich von der Oder, 35 Kilometer südlich von Frankfurt (Oder), 50 Kilometer nördlich von Cottbus und 130 Kilometer südöstlich von Berlin. Wer Neuzelle noch nicht kennt, sollte es kennenlernen, schließlich steht eben dort das Barockwunder Brandenburgs.
Was das ist? Damit ist die Stiftskirche St. Marien, eine römisch-katholische Pfarrkirche des Bistums Görlitz, gemeint. Seit ein paar Jahren atmet dieses Gotteshaus tatsächlich wieder richtig, denn dort sind mehrmals täglich die Gebete und Gesänge der im Jahr 2017 zurückgekehrten Zisterziensermönche zu hören. Vier waren es damals, jetzt, in dem 2018 gegründeten Priorat der Abtei Heiligenkreuz, sind es acht.
Das Klostergelände in Neuzelle ist voller Überraschungen
Die Mönche haben bereits weltweit für Schlagzeilen gesorgt, denn sie wollen ein komplett neues Kloster erbauen, nicht weit entfernt von Neuzelle, mitten im Wald bei Treppeln, dort, wo erst eine Försterfamilie lebte und später die Staatssicherheit der DDR residierte. Das einstige Klostergelände in Neuzelle ist nämlich längst ein Touristenmagnet und damit zu laut und zu eng, um dem Glauben der Zisterzienser die Freiheit zu geben, die er braucht.
Auf dem diesem Klostergelände gibt es wahnsinnig viel zu entdecken, und zwar nicht nur die Stiftskirche St. Marien und die evangelische Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz, die viele fast noch schöner finden als die große katholische Schwester. Dann ist auch noch der Barockgarten da. Mehr als 11 Millionen Euro sind in die Wiederherstellung des Gartens nach Vorlage des historischen Stiftsatlas' geflossen. Fünf Hektar groß ist die Fläche mit Spiegelteich, Brunnen, Orangerie, Beeten für Obst und Gemüse sowie Flanierpfaden. Seit dem Jahr 2008 gehört der Barockgarten zu den 53 bedeutendsten Gartenanlagen Deutschlands.
Verantwortlich für den Garten und die gesamte Klosteranlage ist die Stiftung Stift Neuzelle, die 1996 durch das Land Brandenburg als öffentlich-rechtliche Stiftung gegründet wurde. Ihr Auftrag? Die denkmalgeschützte Klosteranlage wiederherzustellen, zu pflegen und zu erhalten, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die kulturelle Tradition und das historische Erbe des Ortes zu wahren. Der Stiftung gehören sämtliche Immobilien auf dem Areal, auch die Kirchen.
Weinberg und Orangerie im Kloster Neuzelle
Auch die Museen auf dem Gelände sind einen Besuch wert. Sie sind wunderbar kühl an heißen Sommertagen, bieten Schutz an Regentagen und erweitern den eigenen Horizont. Da ist zum einen das unterirdische Museum Himmlisches Theater mit den Passionsdarstellungen. Dieses wurde unter den Weinberg namens „Scheibe“ gebaut, auf dem die Vereinsmitglieder der Klosterwinzer den historischen Weinanbau reaktiviert haben. Anschauen und Wein kosten ist bei Führungen möglich. Und dann ist da noch das Klostermuseum im Kreuzgang, das Einblick in die Geschichte des Klosters, die Zeit nach der Säkularisierung und in der DDR bis in die Gegenwart gibt.

Im Jahr 2025 ist das Museum Himmlisches Theater in Neuzelle zehn Jahre alt geworden. Mechthild Noll-Minor, Restauratorin vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum in Wünsdorf, steht zusammen mit Norbert Kannowsky, Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle, im Kulissentheater in der Szene „Gebet auf dem Ölberg“.
Patrick Pleul/dpaWer im Sommer kommt, der darf sich im Klostergarten auf eine Stärkung und/oder Erfrischung in der Orangerie freuen. Denn die dient nur in der kalten Jahreszeit als Winterquartier für die Citrusbäumchen des Gartens, in der Sommersaison wird sie für Gastronomie und Kulturveranstaltungen genutzt.
Neuzelle bietet Klosterbrauerei und Strohhaus
Aber auch vor dem Klosterportal gibt es jede Menge zu entdecken. Die Klosterbrauerei beispielsweise. Dort wird unter anderem die berühmte rote Fassbrause „Himmelspforte“ nach einem Originalrezept aus DDR-Zeiten hergestellt, jedenfalls fast. Das vor allem von Kindern vergötterte Getränk enthält mittlerweile weniger Zucker, schmeckt aber trotzdem noch süß.
Die Himbeer-Kirsch-Fassbrause kommt ganz ohne E-Stoffe aus, erzählt der Brauereichef Stefan Fritsche. Nachdem die Klosterbrauerei Anfang der 1990er-Jahre privatisiert wurde – Stefan Fritsches Vater Helmut war bis Ende April 2024 Eigentümer und Geschäftsführer –, hatte der erste Braumeister, der aus Halle stammte, die DDR-Brauserezeptur mitgebracht. Auch die Klosterbrauerei bietet Führungen inklusive Getränk an – mit oder ohne Alkoholgehalt.
Der daneben gelegene Klosterteich lädt zu Spaziergängen ein, mittlerweile ist fast jedes Jahr ein Schwanenpärchen samt Nachwuchs zu sehen. Aber auch Reiher und Biber kann man, wenn man aufmerksam ist und zur rechten Zeit kommt, entdecken.
Essen und dann ab in den Slawengrund von Neuzelle
Wer in Neuzelle Hunger bekommt, dem muss nicht bange werden. Da gibt es direkt am Klosterportal die „Klosterklause“, am Teich befindet sich das Restaurant „Prinz Albrecht“ und ein paar Meter weiter auf der Ortsdurchfahrt in Richtung Bahnhof, auf der 1951 und 1976 übrigens die Fahrer der Internationalen Friedensfahrt entlang sausten, kommt man zur „Wilden Klosterküche“, die erst in diesem Jahr mit einem Grünen Michelin-Stern geadelt wurde. Auch das Café „Olea & Cafea“ direkt im Herzen von Neuzelle sollte niemand verpassen.
Frisch gestärkt lohnt ein gut ein Kilometer langer Fußmarsch in den Slawengrund. Dort ist unter der Hausnummer 11 das historische Strohhaus zu finden. Die Konstruktion als Holzfachwerkhaus, die ursprüngliche Raumgliederung, die Schwarze Küche, all das macht das 1780/81 erbaute Haus so erhaltenswert. Kein Wunder, dass es im Jahr 2001 offiziell als Museum eröffnet wurde. Seit 1995 kümmert sich der Verein Strohhaus Neuzelle um die der Gemeinde gehörende Immobilie.
Öffnungszeiten
Himmlisches Theater:
April bis Oktober: Di – So, 10-18 Uhr;
November bis März: Di – So, 10-16 Uhr
Kreuzgang mit Klostermuseum:
April bis Oktober: Mo – So, 10-18 Uhr;
November bis März: Mo – So, 10-16 Uhr
Sonderführungen sind online oder in der Kloster-Information im Klosterportal buchbar.
Tel. 033652 81450, service@stift-neuzelle.de
Strohhaus Neuzelle:
März bis Dezember: Mi – So, 11-16 Uhr
Januar bis Februar geschlossen. Führungen sind nur nach Voranmeldung möglich, Tel. 033652 82558.
Freibad in Neuzelle zum Abtauchen
Wer ganz spontan nach Neuzelle kommt, entweder mit dem Fahrrad über den Oder-Neiße-Radweg, mit dem Auto über die B112 oder per Regionalzug auf der Strecke Frankfurt (Oder)/Cottbus, der kann sich zunächst auch in der Besucherinformation an der Bahnhofstraße 22 informieren (Tel. 033652 6102, tourismus@neuzelle.de). Wem dann der Kopf raucht, und wer dringend eine Erfrischung braucht, der kann bei schönem Wetter im Freibad an der Kirchstraße abtauchen. Das ist im Mai in die Saison gestartet und soll bis in den September hinein geöffnet bleiben – außer bei schlechtem Wetter. Da ist geschlossen. Eine Tageskarte kostet 7 Euro, Kinder zahlen die Hälfte.

Das Freibad Neuzelle ist ein Träumchen: Hier bei der Saisoneröffnung bei 14 Grad und Regen.
Janet NeiserDie Geschichte des Freibads ist spannend. 1935 wurde es eröffnet, und zwar anderthalb Monate nach dem ersten Spatenstich. Das Bautempo ist auf die Napola zurückzuführen. Am 20. April, am Geburtstag von Adolf Hitler, im Jahr 1934 erfolgte die offizielle Eröffnung einer Nebenstelle der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola oder auch Nepa) Potsdam in Neuzelle auf dem heutigen Klostergelände. Da die Jungmannen körperlich fit sein sollten, gehörte Schwimmen zum Sportprogramm. Das heutige Freibad wurde von 1996 bis 1998 komplett neu errichtet, am Originalort, aber mit Edelstahlbecken und großer Rutsche.
Wer nach Neuzelle kommt, kann also im wahrsten Sinne des Wortes abtauchen: in die Geschichte, in Gourmettempel, in Kultur und im Freibad.














