Der Beginn der denkmalgerechten Sanierungsarbeiten des Strandbades Müggelsee in Berlin-Köpenick wurde am Mittwochnachmittag mit einer Baustellenbesichtigung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) gefeiert.
Derzeit wird das beliebte Bad im Osten Berlins mit Bundes- und Landesmitteln im laufenden Betrieb bis voraussichtlich bis 2024 saniert. Insgesamt kostet die Baumaßnahme rund 14 Millionen Euro. Das Land Berlin hat 10,5 Millionen Euro für die Sanierung des Strandbades freigegeben. Aus dem Denkmalpflegeprogramm der Bundesregierung stammen vier Millionen Euro.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel auf der Treppe des Strandbades Müggelsee.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel auf der Treppe des Strandbades Müggelsee.
© Foto: Janine Richter
„Das ist mir natürlich sehr gerne einen Ausflug an den Müggelsee wert. Wir geben selten so viel Geld für eine Baumaßnahme“, betonte Kulturstaatsministerin Grütters und verwies sogar auf Zeilen von Theodor Fontane, der einst den „eignen Zauber“ des Müggelsees beschrieb.
Sie selbst war nach eigenen Angaben noch nie Gast des Strandbades und zeigte sich bei einem Rundgang sichtlich erschrocken über den maroden Zustand des Gebäude-Ensembles.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Oliver Igel (SPD) beim Rundgang im Strandbad Müggelsee mit der Sanierungsexpertin des bezirklichen Hochbauamtes.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Oliver Igel (SPD) beim Rundgang im Strandbad Müggelsee mit der Sanierungsexpertin des bezirklichen Hochbauamtes.
© Foto: Janine Richter

Strandbad Müggelsee ist nationales Kulturdenkmal

Die „Riviera des Ostens Berlins“ sei für den Bund erhaltenswert, weil es „als Zeuge seiner Zeit exemplarisch für den Stil der neuen Sachlichkeit“ stehe, begründete Grütters die Bundesfinanzspritze. Das Strandbad reihe sich damit in die Liste national bedeutender Kulturdenkmäler ein und sei deshalb für künftige Generationen als Erholungs- und Erlebnisort zu erhalten.
Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel im Strandbad Müggelsee bei seiner Rede zur Sanierung des Strandbades.
Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel im Strandbad Müggelsee bei seiner Rede zur Sanierung des Strandbades.
© Foto: Janine Richter
Bezirksbürgermeister Oliver Igel betonte, dass die Planung der denkmalgerechten Sanierung des Strandbades Müggelsee und die Beantragung von Finanzmitteln eine große Herausforderung gewesen sei. Dem Bezirk sei es wichtig gewesen, den Strandbetrieb auch während der Baumaßnahmen aufrecht zu erhalten. Im Geiste des einstigen Stadtbaurates Martin Wagner (Anmerk. Er hatte 1930 das Bad eröffnet.) sollen Menschen, die sich keine weite Badereisen leisten können, hier dennoch Erholung finden. „Für viele Familien, die es nicht so dicke haben, ist das die Möglichkeit zu sagen, Müggelsee statt Mallorca“, sagte Igel. Deshalb soll auch nach der Sanierung ein Strandbadbesuch „möglichst ohne große Kosten“ möglich sein.

Risse, Feuchtigkeit und Schäden am Denkmal

Das Denkmalensemble umfasst das Funktions- und Eingangsgebäude sowie das Mehrzweckgebäude. Nach Angaben des Bezirks sind viele Fußböden, Giebelwände, Sockelbereiche und Decken teilweise durchfeuchtet und salzbelastet. Zudem durchziehen Risse weite Gebäudeteile und auch die Deckenkonstruktionen sowie das Stahlbeton-Rahmentragwerk sind stark geschädigt. Im Bereich der ehemaligen Kegelbahn wurde erheblicher Schimmelpilzbefall festgestellt. Zudem sind alle Objekte ungedämmt.

Sanierung des Strandbades dauert bis 2024

Das Hauptgebäude soll nach historischem Vorbild wieder hergestellt werden. Die bauvorbereitende Maßnahmen wie Baumfällungen und Rodungen wurden bereits im Februar 2021 ausgeführt. Die Bauarbeiten an sich begannen bereits Ende Mai mit der Einrichtung der Baustelle und Sicherung des künftigen Baufeldes. Im Juli dieses Jahres wurde mit der Freilegung der historischen Gebäude begonnen.
Total entkernt liegt bereits der Arkadengang des Strandbades Müggelsee da. Bald wird sicher auch der Schriftzug "und niemals vergessen ....Eisern Union" weichen.
Total entkernt liegt bereits der Arkadengang des Strandbades Müggelsee da. Bald wird sicher auch der Schriftzug „und niemals vergessen ....Eisern Union“ weichen.
© Foto: Janine Richter
Anschließend werden die Tragkonstruktionen bereichsweise erneuert und bestehende Bauteile umfassend instand gesetzt. Die Häuser werden abgedichtet und die Raumstrukturen den künftigen Nutzungen entsprechend rekonstruiert und erweitert. Die Gebäude werden modern ausgebaut und für eine ganzjährige Nutzung vorbereitet, heißt es von Seiten des Bezirks. In diesem Zusammenhang wird die technische Infrastruktur in Gänze erneuert und zudem auch ein behindertengerechter Aufzug errichtet. Auch die Außenanlagen werden nach der Sanierung der Objekte neu gestaltet. Voraussichtlich bis 2024 sollen die Baumaßnahmen abgeschossen sein.

Wie das Strandbad Müggelsee nach 2024 aussehen soll

„Ein ambitionierter Zeitplan, fast schon verwegen“, sagte Kulturstaatsministerin Grütters und merkte an, dass beim Sanieren in Denkmal einige Unwägbarkeiten lauern können. Oliver Igel sowie anwesende Planer und Vertreter von Bürgerinitiativen zeigte sich aber sicher, rechtzeitig fertig zu werden.
So soll das Strandbad Müggelsee im Jahr 2024 nach Abschluss der Sanierung aussehen.
So soll das Strandbad Müggelsee im Jahr 2024 nach Abschluss der Sanierung aussehen.
© Foto: Bezirksamt Köpenick
Was genau wie saniert wird, lesen Sie hier:

Badestelle Müggelsee und Imbiss weiter geöffnet

Trotz der Baumaßnahmen geht die Badesaison am Strandbad Müggelsee weiter. Die Badestelle und die Erholungsfläche am Müggelsee ist täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet. Die maximale Besucherzahl wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf 2000 Besucher gleichzeitig beschränkt. Dies führt vor allem an heißen Sommertagen zu langen Schlangen am einzigen Badestellen-Zugang nahe des kleinen Parkplatzes.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters enthüllt mit Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel das Bauschild mit der ersten Visualisierung des Strandbades Müggelsees.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters enthüllt mit Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel das Bauschild mit der ersten Visualisierung des Strandbades Müggelsees.
© Foto: Janine Richter
Vor Beginn der Sanierungsmaßnahme mussten die derzeitigen Pächter des Strandbasars und des Imbisses das zu sanierende Gebäude räumen. Die Mieter werden während der Bauarbeiten in temporären Containern untergebracht. Der Verkauf von Speisen und Getränken kann somit auch während der Bauphase weitergehen.