BER in Schönefeld
: Gemeinden wehren sich gegen Verschiebung der Hoffmann-Kurve

Die Flugsicherung stellt den BER auf Satellitennavigation um. Die Gemeinden Zeuthen, Eichwalde und Wildau wollen gemeinsam dagegen vorgehen. So ist der Stand.
Von
Jana Scholz
Schönefeld
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Die um 2 km nach Osten verschobene Kurve ist schwarz eingezeichnet. Rot das Toleranzgebiet, über das Flugzeuge ohne Konsequenzen fliegen dürfen, bis zum Eisenbahnstrang in Eichwalde und Zeuthen und dort fast bis an den Zeuthener See.

Die um über zwei Kilometer nach Osten verschobene Hoffmann-Kurve ist schwarz eingezeichnet. Rot das Toleranzgebiet markiert, über das Flugzeuge ohne Konsequenzen fliegen dürfen. Das reicht bis zum Eisenbahnstrang in Eichwalde und Zeuthen und dort fast bis an den Zeuthener See.

Screenshot aus der Präsentation der DFS vom 15.10.2024/Jana Scholz
  • Gemeinden um den Flughafen BER protestieren gegen die geplante Verschiebung der Hoffmann-Kurve.
  • Ab Oktober 2025 soll satellitengestützte Navigation eingeführt werden; Fluglärm-Belastung befürchtet.
  • Bürgermeister von Zeuthen, Eichwalde und Wildau fordern alternative Lösungen.
  • Das PBN-Verfahren soll effizienter und umweltfreundlicher sein; EU-Richtlinie ab 2030.
  • Schulzendorf und Schönefeld äußern ebenfalls Bedenken.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ab Oktober 2025, so plant es die Deutsche Flugsicherung (kurz DFS), soll am Flughafen BER in Schönefeld die satellitengestützte Navigation zum Starten und Landen der Flugzeuge eingeführt werden. Für die Anwohner in den umliegenden Gemeinden in Zeuthen, Eichwalde, Schulzendorf und Schönefeld sowie den Städten Wildau und Königs Wusterhausen kann die Umstellung auf das sogenannte PBN-Verfahren zu einer erneuten Belastungsprobe in Sachen Fluglärm werden.

Denn mit der Einführung soll die nicht ganz unumstrittene Hoffmann-Kurve um mehr als zwei Kilometer Richtung Osten verschoben werden. Es wird befürchtet, dass der sowieso schon vorhandene Fluglärm dann auch über den umliegenden Wohngebieten stärker zu hören sein wird.

Bekannt wurden die Umrüstungspläne bereits während der 110. Sitzung der Fluglärmkommission (kurz FLK). Den Teilnehmenden wurde in einer Präsentation das neue Verfahren, welches einer EU-Richtlinie entspricht, präsentiert, dass bereits im Oktober 2025 in Schönefeld praktiziert werden soll. Die Bürgermeister der Orte in der Flughafenregion positionieren sich gegen die Umstellung.

Bürgermeister von Zeuthen befürchtet schlechtere Lebensbedingungen

Gegenüber unserem Medienhaus sagt Zeuthens Bürgermeister Phillip Martens: „Ein computergestütztes System darf nicht zu mehr Lärmbelastung und damit zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen in unserer Gemeinde führen.“ Denn genau diese Verschlechterung sieht er für Zeuthen, wenn die DFS im Oktober dieses Jahres das neue Flugverfahren bereitstellt und die Hoffmann-Kurve um über zwei Kilometer in Richtung Osten verlegt. Die Toleranzgrenze würde sich bis an die Gewässerkante des Zeuthener Sees ziehen, die unzählige Flugzeuge ungeahndet nutzen dürften.

Martens bestätigt, dass es in der letzten Sitzung der FLK im Dezember 2024 bereits konstruktive Vorschläge zum Verfahren diskutiert wurden und ein gemeinsamer Antrag der Gemeinden eingebracht worden wäre. Er sagt: „Dieser Antrag orientiert sich an dem am Flughafen Frankfurt/Main bereits erprobten und erfolgreich etablierten Abflugverfahren.“

Eichwalde und Wildau gehen mit Zeuthen einher

Sowohl die Stadt Wildau als die Gemeinde Eichwalde gehen bei der Entscheidung Zeuthens mit und appellieren gemeinsam an die DFS, die zuständigen Ministerien sowie alle politischen Vertreter, die Vorschläge der FLK nicht zu ignorieren. Auch solle man die Zeit bis zum Fristende im Sommer des Jahres 2030 nutzen, um eine für alle verträgliche Lösung für die umliegenden Gemeinden zu finden. Denn erst dann gilt es, die EU-Verordnung zur Implementierung der PBN-Verfahren auch am BER in Schönefeld umzusetzen.

Was ist überhaupt das PBN-Verfahren?

Das PBN-Verfahren steht für „Point Merge System“ (zu dt. Punktzusammenführungssystem) und ist ein Verfahren zur Anflugsteuerung in der Luftfahrt. Dabei werden Flugzeuge auf vorgegebenen Routen in einem bestimmten Muster geführt, bevor sie an einem definierten Punkt, dem „Merge Point“, zusammengeführt werden.

Dies ermöglicht eine gleichmäßige und geordnete Reihenfolge der Flugzeuge, die zum Landeanflug übergehen, ohne dass zusätzliche Warteschleifen notwendig sind. Dadurch sollen sich Anflüge auf Flughäfen effizienter und umweltfreundlicher gestalten. Zusätzlich soll das Verfahren dazu beitragen, den Treibstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen zu reduzieren. Außerdem soll das PBN-Verfahren die Kapazität und Sicherheit im Luftraum rund um Flughäfen verbessern.

Das PBN-Verfahren entspricht einer neuen EU-Richtlinie, die erst im Sommer 2030 in Kraft tritt. Entwickelt wurde es von der zwischenstaatlichen Organisation Eurocontrol, die für die Koordination der Luftverkehrskontrolle in Europa zuständig ist.

Schulzendorf sieht Probleme außerhalb der Hoffmann-Kurve

Die Gemeinde Schulzendorf kennt das Problem mit dem Fluglärm schon weit vor der Einführung des PBN-Verfahrens. Schulzensdorfs Bürgermeister Markus Mücke erklärt, dass man die Umstellung der Satellitennavigation hinnehmen müsse, da es technisch anders nicht machbar sei. Dennoch gäbe es für ihn etwas Besorgniserregendes: „Der Raum, der für Flugbewegungen vorgesehen ist und einen zunehmenden Flugverkehr über Schulzendorf vermuten lässt.“ Er wird konkreter: „Die südliche Startbahn müsste im Osten um 400 Meter gekürzt werden und/oder die Aufrollwege sollten gesperrt werden, damit keine Intersection-Take-Offs mehr möglich sind. Dadurch würden die Fluggeräte früher abheben und in der Hoffmann-Kurve nicht mehr Schulzendorf überfliegen.“

Schönefelds Ortsteile am stärksten betroffen

Seitens der Gemeinde Schönefeld gab es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verwaltungsinterne Abstimmung und abschließendes Meinungsbildung zum Thema. Das Rathaus ließ jedoch mitteilen, dass man sich gegen die Implementierung des PBN-Verfahrens bis Sommer 2030 am BER sicher nicht verwehren könne. Dennoch sei es grundsätzlich aber so, dass die Kommune im Flughafenumfeld auch außerhalb der offiziellen Festsetzungen unterschiedlich und in Abhängigkeit von den Flugkünsten, Wetterverhältnissen und anderen Einflüssen vom Fluglärm betroffen seien.

„Die Gemeinde Schönefeld wird vor allem durch Abflüge von der Südbahn belastet. Wird die Hoffmann-Kurve exakt geflogen, sind die Anwohnenden in den Ortsteilen Waltersdorf und Kiekebusch die Leidtragenden, gibt es Abweichungen, die Nachbarkommunen. Wie das mit dem neuen PBN-Verfahren aussehen wird, kann heute nur spekulativ beantwortet werden“, heißt es weiter.