Bundestagswahl 2025
: Rechtsruck, Scholz, Bürgergeld — das sagen Schüler aus KW dazu

An der FAWZ-Gesamtschule in Königs Wusterhausen (OT Niederlehme) debattieren Schüler mit MOZ.de zur Bundestagswahl 2025. Was sie fordern und was sie wählen.
Von
Kerstin Ewald,
Victoria Schloder
Königs Wusterhausen
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Schul-Debatte zur Bundestagswahl: Elftklässler der FAWZ-Gesamtschule Niederlehme diskutierten mit MOZ-Reporterinnen über aktuelle Themen.

Schul-Debatte zur Bundestagswahl 2025: Elftklässler der FAWZ-Gesamtschule in Niederlehme diskutierten mit Reporterinnen über aktuelle Themen. Gewählt wurde auch.

MOZ
  • Schüler der FAWZ-Gesamtschule in Königs Wusterhausen diskutieren über die Bundestagswahl 2025.
  • Wahl-O-Mat und Youtube-Kanal "MrWissen2go" sind wichtige Informationsquellen.
  • Kritik an der aktuellen Ampel-Regierung, Forderungen nach mehr Investitionen ins Stromnetz.
  • Schüler wünschen sich Änderungen beim Bürgergeld und mehr Energiespeicher.
  • SPD gewinnt Probe-Wahl in der Schule, AfD gewinnt U18-Wahl in der Region.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wie würdet ihr euch auf eine Wahl vorbereiten? Was erwartet ihr von der kommenden Regierung? Und: Blickt ihr optimistisch in die Zukunft?“ Diese und andere Fragen haben wir im Rahmen unseres Schul-Workshops „News Academy“ zur Medienbildung Jugendlichen aus Königs Wusterhausen gestellt.

Anlass für die Debatte ist die bevorstehende Bundestagswahl, die natürlich auch unter jungen Menschen Thema ist. Wir waren dazu zu Gast an der Gesamtschule der FAWZ in Niederlehme, einem Ortsteil von KW. Genauer: in einer 11. Klasse. Die Schüler und Schülerinnen sind um die 17 Jahre alt. Die meisten konnten als 16-Jährige bereits bei der Europa- und der Kommunalwahl mitwählen. Bei der diesjährigen Bundestagswahl sind sie allerdings noch Zaungäste, nur wenige aus der Klasse dürfen am 23. Februar zur Wahlurne schreiten.

Bundestagswahl 2025: Wie auf eine Wahl vorbereiten?

Bereits im Vorfeld der freiwilligen Debatte wollten einige Schüler den Wahl-O-Mat ausprobieren. Dieser war zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht online, weshalb ein Schüler improvisierte: „Dann mache ich eben den von der Europawahl noch mal“, sagte Jan* und las für alle Umstehenden hörbar die Fragen und seine Antworten vor, was andere Mitschüler wiederum zum Diskutieren anregte.

Später erzählt eine andere Elftklässlerin: „Ich mache den Wahl-O-Mat und lese die Programme durch. Es ist gut, auch die Programme von Parteien durchzulesen, die man vielleicht nicht wählen würde, einfach, um sich generell ein bisschen zu informieren“, erklärt sie. Verlassen auf das Ergebnis des Wahl-O-Maten solle man sich aber nicht, so die Schülerin weiter. Schließlich könnte als Ergebnis eine Partei angezeigt werden, die auch Punkte vertritt, bei denen man keinesfalls mitgehen würde.

Bundestagswahl: Schülerin der Gesamtschule FAWZ Königs Wusterhausen (Niederlehme) in der "Wahlkabine" bei einem Medienworkshop.

Bundestagswahl: Schülerin der Gesamtschule FAWZ Königs Wusterhausen (Niederlehme) in der „Wahlkabine“ beim Medienworkshop „News Academy“.

Kerstin Ewald

Eine andere Informationsquelle sei für die Schüler zum Beispiel „MrWissen2go“. Gemeint ist damit    der Youtube-Kanal des Journalisten Mirko Drotschmann. Drotschmann moderierte beim ZDF die Kindernachrichten „Logo“ und ist im Moderatoren-Team der Sendung Terra X.

Die dutzende Seiten langen Wahlprogramme der einzelnen Parteien liest kaum einer, wie die Jugendlichen erzählen. Maria* findet aber, man müsse sich die Mühe machen, zumindest die Überschriften der Originalparteiprogramme zu lesen, da die Zusammenfassungen möglicherweise beschönigend seien oder Dinge wegließen. Auf die Frage hin, ob sie ihre Wahlentscheidung auch anhand der Wahlplakate fällen würden, antwortet Aurora*: „Ich würde nicht einfach nach Plakaten wählen.“ Auf jeden Fall müsse man sich darüber hinaus informieren und Dinge hinterfragen.

Wahl-Debatte: Wie war die Ampel-Regierung?

Die aktuelle „Ampel-Regierung“ aus SPD, Grünen und FDP kommt bei manchen Schülern nicht allzu gut weg: „Sie hat gar nichts gemacht, ich fand sie nicht so gut“, sagt ein junger Mann. Seine Mitschülerin hält dagegen:  „Olaf Scholz hat zwar viel Konter bekommen, aber ich finde, er wird auch ein bisschen dafür verantwortlich gemacht, was Angela Merkel davor gemacht hat, und sie war 16 Jahre da.“ So könne man nicht alles auf Scholz schieben.

Die Schülerin führt weiter aus: „Er muss alles neu aufbauen oder umstellen und er hatte jetzt nicht mal vier Jahre.“ Überhaupt fände sie es besser, wenn die Amtszeit auch in Deutschland — wie zum Beispiel in den USA — auf zwei Legislaturperioden reduziert würde. „Ich finde 16 Jahre zu lang“.

Bürgergeld und Investitionen

Von der kommenden Regierung erwartet Piet* unter anderem mehr Investitionen ins eigene Land. „Zum Beispiel einen stärkeren Ausbau vom Stromnetz.“ Romy* wünscht sich das gleiche: „Ich finde es ein bisschen schade, weil ich das Gefühl habe, dass unsere Steuern nicht immer in unser Land beziehungsweise teilweise in die falschen Sachen investiert werden.“

Auch am Konzept des Bürgergeldes solle man arbeiten, findet eine Mitschülerin. Sie fände es grundsätzlich gut, dass man zu jeder Zeit abgesichert sei, egal was passiere. „Aber ich finde es falsch, dass es Leute gibt, die sich darauf ausruhen und wir die bezahlen.“

Wer Strom will, muss auch Windräder wollen!

Zur Energiepolitik haben die Parteien unterschiedliche Positionen. Während die Grünen zum Beispiel den Ausbau der erneuerbaren Energien voranbringen wollen und am Aus des Verbrennungsmotors festhalten, hält die CDU/CSU weiter dagegen. Und die AfD möchte sogar zur Atomkraft zurückkehren. Auch unter den Schülern ist die Energiepolitik Thema.

Eine Schülerin kritisiert: „Die Leute wollen Strom aus der Steckdose haben, aber nicht, dass ein Windrad hinten bei ihnen auf dem Feld steht.“ Denn dann sehe es ja nicht mehr so schön aus. Dieselbe Schülerin meint, in den Städten müsse man dafür sorgen, dass auf alle Häuser Photovoltaik kommt. „Ich finde schon, dass man in die Erneuerbaren investieren sollte, aber dass man nicht die Energiespeicher vergessen darf“, sagt sie.

Probe-Wahl in der Schule: Im Workshop News Academy wurde schon gewähl.t Ein Schüler bereitet Ergebnisse in der Wahlgrafik auf.

Probe-Wahl in der Schule: Im Workshop „News Academy“ wurde schon gewählt. Ein Schüler bereitet die Ergebnisse in der Wahlgrafik auf.

Kerstin Ewald

Auch für Mitschülerin Romy wurde das Thema Energie noch nicht zu Ende gedacht. Das grundsätzliche Problem sei, dass es zu wenige Energiespeicher gebe und diese dringend ausgebaut werden müssten. „Ich bin natürlich für erneuerbare Energien. Aber ich finde generell, was das Thema Umwelt angeht, wird ein bisschen falsch angesetzt, wie mit den E-Autos oder so.“

„Wer von uns könnte abgeschoben werden?“

Auf die Frage hin, ob die Schüler optimistisch in die Zukunft blicken würden oder eher besorgt, antwortete Romy: „Ich finde, was die rechte Politik angeht, artet es zurzeit ein bisschen aus“. Was manchmal von einigen Politikern geäußert werde, bereite ihr Sorgen, erzählt auch Maria*. „Wenn man an das Geheimtreffen in Potsdam denkt, das ja das Correctiv aufgedeckt hat, und welche Aussagen dort getroffen wurden, macht das schon in einer gewissen Weise Angst.“ Unter ihren Mitschülern entspinnt sich ein Nebengespräch darüber, wer von der Gruppe in Gefahr wäre, abgeschoben zu werden.

Romy ergänzt: „Gerade mit der deutschen Geschichte hat man schon ein Déjà-vu, finde ich.“ Und weiter: „Ich bin nicht gegen alles, was die sagen, aber ich finde, man sollte sich hier zurücknehmen, weil wir eben so eine Geschichte haben und weil wir das ja eigentlich alles schon einmal durch haben.“

Wahlergebnis in Königs Wusterhausen und Niederlehme

Würde die 11. Klasse der FAWZ-Gesamtschule in Niederlehme den Wahlausgang bestimmen, ginge die SPD als Siegerin hervor, gefolgt von der Partei Die Linke. CDU, AfD und die Satirepartei Die Partei bildeten gleichauf das Schlusslicht.

Die Zahlen unserer Probe-Wahl decken sich nur zum Teil mit der U18-Wahl, die traditionell vor Bundestagswahlen landesweit durchgeführt wird – auch wieder in Brandenburg. Eine davon wurde vom Stadtjugendring Königs Wusterhausen (SJR) organisiert, mit Wahllokalen in Senzig, Zernsdorf und der Stadt KW. Zusätzlich war ein mobiles Wahllokal unterwegs.

Von den 501 KWer Jugendlichen, die sich an der U18-Wahl des Stadtjugendrings beteiligten, stimmten demnach 30,7 Prozent für die AfD, 16,4 für die SPD und 12,8 für die Linke. Die CDU, deutschlandweit in Umfragen aktuell stärkste Kraft, kam beim U18-Voting in KW dagegen nur auf Rang vier mit 12,2 Prozent. Die Grünen landeten bei 7,8, die BSW bei 6,0. Alle anderen Parteien, darunter die FDP, kamen nicht über die Fünf-Prozent-Hürde.

* Die Namen wurden geändert, sie sind der Redaktion bekannt.