Fieser Betrug in Berlin
: 13.000 Euro Provision – falsche Makler bieten Wohnungen an

Wohnungsunternehmen warnen vor kriminellen Maklern, die versuchen, illegal Wohnungen in Neubauquartieren in Berlin zu vermitteln.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Kugelschreiber liegt am 18.03.2013 in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf einer Kleinanzeige des Immobilienteils einer Tageszeitung, in der das Wort Courtage eingekreist ist. Der Berliner Verbraucherschutzsenator Heilmann (CDU) forderte am 13.09.2013 in Berlin auf einer Pressekonferenz die Einführung einer Maklertaxe. Es geht um Möglichkeiten der finanziellen Entlastung von Immobilienkäufern durch die Senkung der Maklergebühren. Die Einführung der Taxe soll aber auch Verbesserungen für die Branche bringen. Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Kugelschreiber liegt auf einer Kleinanzeige des Immobilienteils einer Tageszeitung, in der das Wort Courtage eingekreist ist. Über Online-Portale und WhatsApp-Chats versuchen Kriminelle Mietinteressierte viel Geld zu betrügen. Mit Wohnungen, die sie gar nicht vermitteln können und dürfen. Was ist über die Masche bekannt?

Marijan Murat / picture alliance / dpa
  • Kriminelle Makler betrügen Mietinteressenten in Berlin, verlangen bis zu 13.000 Euro Provision.
  • Betroffen sind Neubauprojekte von degewo in Kreuzberg und Treptow-Köpenick.
  • degewo warnt: Wohnungen werden nur über offizielle Kanäle ohne Provision angeboten.
  • Betrüger nutzen WhatsApp und Fake-Anzeigen; Vorsicht bei Vorauszahlungen.
  • Verbraucherzentrale warnt vor Phishing-Mails und gefälschten Inseraten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die ersten der insgesamt 337 landeseigenen neuen Mietwohnungen des Wohnungsunternehmens degewo in Berlin-Kreuzberg sollen im Frühjahr bezugsfertig sein. Mit 6.50 Euro pro Quadratmeter sind die ein bis fünf Zimmer-Apartments mit Balkon oder Terrasse am Landwehrkanal in der Innenstadt im Verhältnis preiswert und besonders begehrt.

Das wollen sich Betrüger zu Nutze machen und versuchen derzeit, mit einem Makler-Trick Interessenten zu täuschen und um viel Geld für Nichts zu bringen. „Die unautorisierten Vermittler verlangen bis zu 13.000 Euro Provision für Wohnungen, die sie nicht anbieten können, weil sie nicht von degewo dazu beauftragt wurden“, heißt es in einer Warnung der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. „Uns sind fünf Fälle des Betrugsversuchs bekannt. In einem Fall ist eine Zahlung erfolgt“, berichtet degewo-Sprecher Stefan Weidelich.

Wohnungen in Berlin über WhatsApp angeboten

Er bittet alle Interessenten, wachsam zu sein und keine Zahlungen oder Verträge mit unautorisierten Personen abzuschließen. Weil die degewo bereits Strafanzeige erstattet habe, könne man sich zu den Geschädigten erst einmal nicht im Detail äußern, so Weidelich. Nur so viel: Die Kommunikation zwischen Tätern und Opfern habe ausschließlich über WhatsApp-Gruppen und –Chats stattgefunden.

Die Betrugsversuche betreffen neben dem Kreuzberger Bauprojekt unweit des U-Bahnhofes Möckernbrücke auch ein zweites neues Wohnquartier am Eisenhutweg 56-74 in Treptow-Köpenick. Dort entstehen 583 neue Wohnungen, ab einer Miete von 6,80 Euro pro Quadratmeter.

Doch egal in welchem Bezirk, die Neubauprojekte der degewo seien ausschließlich über die offiziellen Kanäle von degewo verfügbar und würden nie über Drittanbieter vermittelt, betont das Unternehmen.

Anzeigen gegen Fake-Makler in Berlin

Dazu seien städtische Wohnungen generell provisionsfrei zu haben. Das gilt für alle sieben landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften in Berlin. Das bestätigt auch Anja Libramm, stellvertretende Pressesprecherin der Stadt und Land Wohnungsbaugesellschaft. Auch dort sei die neue Betrugsmasche bereits bekannt.

„In einem unserer Neubauvorhaben sind wir in der Vergangenheit während der Vermietungsphase bereits auf eine ähnliche Situation gestoßen“, berichtet Libramm. Dank schneller Maßnahmen habe man das Problem aber erfolgreich beheben können. „Bei nachgewiesenen Fällen erstatten wir konsequent Anzeige wegen unerlaubter Wohnungsvermittlung ohne Auftrag“, so die Sprecherin.

Um gegen die Schwarzmaklertätigkeit vorzugehen, haben Stadt und Land sogar schon ein Hinweisgebersystem geschaltet, über das Bürger entsprechende Betrugsversuche melden können.

„Das Thema ‚Schwarzmakler‘ ist leider nicht neu“, sagt auch Birte Jessen, Sprecherin der ebenfalls kommunalen Gesobau AG. „Aufgrund der großen Nachfrage und des knappen Wohnungsangebots in Berlin versuchen Betrüger, die Situation von Wohnungssuchenden auszunutzen“, erklärt Jessen. Auch die Gesobau vermiete als landeseigene Wohnungsbaugesellschaft alle Wohnungen stets provisionsfrei und niemals über die sozialen Medien oder über Kleinanzeigen.

Vorauszahlung für Wohnungsbesichtigung

„Einige betrügerische Vermieter lassen die Vorauszahlung, die Wohnungsbesichtigung oder die Schlüsselübergabe über Plattformen wie zum Beispiel Airbnb, eBay oder booking.com abwickeln“, heißt es auch von der Verbraucherzentrale. „Diese Plattformen bieten jedoch keine Dienstleistungen zur Verwaltung und Besichtigung von Mietwohnungen an.“

Ein Alarmsignal, das auf gefälschte Inserate im Internet hinweist, sei unter anderem die Vorkasse. „Egal ob für das Zuschicken des Wohnungsschlüssels oder für eine Besichtigung: Sobald Sie aufgefordert werden, Geld im Voraus zu bezahlen, sollten Sie skeptisch werden“, warnen die Verbraucherschützer auf ihrer Internetplattform. Seriöse Makler oder Eigentümer verlangten kein Geld, bevor der Interessent die Immobilie besichtigt hat.

Und auch die Mietkaution wird normalerweise erst nach Abschluss des Mietvertrages und immer erst zu dem Zeitpunkt fällig, an dem das Mietverhältnis vereinbarungsgemäß beginnen soll.

Doch gerade in Städten wie Berlin, in denen die Wohnungsnot drastischer wird, sind Suchende froh, wenn sie überhaupt zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen werden. So verlangen einige Immobilienbetrüger bereits Geld dafür, Interessenten in die Vorauswahl für eine Fake-Wohnung aufzunehmen.

Betrüger schicken Phishing-Mails

Laut Verbraucherzentrale versenden Betrüger im Namen von Immobilienportalen aber auch immer häufiger sogenannte Phishing-Mails, um persönliche Daten der Immobilienportal-Kunden abzugreifen. In den E-Mails wird man in der Regel dazu aufgefordert, sich über einen mitgeschickten Link mit seinen Zugangsdaten des Immobilienportals einzuloggen oder einen mitgeschickten Anhang zu öffnen. Wer sich einloggt, gelangt jedoch auf eine gefälschte Log-In-Seite, über die Betrüger die Zugangsdaten abfangen können.

Einige Fake-Makler fragen auch nach einer Kopie des Personalausweises. Auch diese sollte man laut Verbraucherzentrale nicht per E-Mail zuschicken. Denn mit dem Personalausweis könnten Betrüger die Identität ihrer Opfer bei illegalen Geschäften nutzen.

Ein Indiz für Betrugsobjekte auf dem Wohnungsmarkt könnten unter anderem Sätze in schlechtem Deutsch oder eine Anhäufung von Grammatik- und Rechtschreibfehlern sein. „Häufig kopieren sich Immobilienbetrüger, die oftmals aus dem Ausland heraus agieren, auch ihre Anzeigentexte aus realen, bestehenden Immobilienanzeigen zusammen“, heißt es von der Verbraucherzentrale.

Um die Seriosität zu überprüfen, könnten Wohnungssuchende beispielsweise Teile des Textes oder die Überschrift in eine Suchmaschine eingeben. Erscheint eine sehr ähnliche Anzeige ‑ jedoch mit anderen Kontaktdaten ‑ auf weiteren Portalen, sei Vorsicht geboten.