Wohnung in Berlin: Erste Mieter im Haus der Statistik – und große Pläne

Das Haus der Statistik am Alexanderplatz in Berlin. Früher sammelte die DDR dort Daten, jetzt ist es bald fertig saniert.
PME/Frank Eckert- 2025 endet die Sanierung des Hauses der Statistik in Berlin, erste Mieter ziehen ein.
- 300 bezahlbare Wohnungen werden ab Ende 2025 auf dem Gelände gebaut.
- 60 Initiativen übernehmen Haus A für soziale und kulturelle Projekte.
- Architekturwettbewerb für das neue "Rathaus der Zukunft" läuft.
- Fertigstellung der neuen Wohnhäuser ist für Herbst 2030 geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Jahr 2025 werden im Haus der Statistik (HdS) am Alexanderplatz in Berlin endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Noch in diesem Jahr soll die Bestandssanierung abgeschlossen werden, und die ersten Mieter sollen einziehen. Zudem werden die Pläne für das „Rathaus der Zukunft“ konkret und das Haus A soll an 60 verschiedene gemeinwohlorientierte Initiativen übergeben werden.
Das Modellprojekt mit so verschiedenen Playern an dem exponierten Ort mitten in der City von Berlin gilt als bisher einzigartig. Statt weitere Hotels, Büroflächen oder elitäre Apartments soll die gigantische Immobilie mit rund 94.000 Quadratmetern Geschossfläche, in der zu DDR-Zeiten Daten für die Planwirtschaft gesammelt und verarbeitet wurden, für die Stadtgesellschaft entwickelt werden.
Berlin Alexanderplatz – 300 neue städtische Wohnungen
Doch der Platz, den Initiativen, Projekte und Institutionen schon in den vergangenen Jahren als Zwischennutzer bespielen durften, wird weniger. Für den Bau der 300 bezahlbaren Wohnungen, die die städtische Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) ab Ende 2025 auf dem Areal errichten will, muss zum Beispiel ein Flachbau im Innenhof abgerissen werden, in dem das „Haus der Materialisierung“ bis Ende 2024 seinen Standort hatte.
Das „Experiment für zirkulares Wirtschaften“ findet nun direkt an der Otto-Braun-Straße 70-72 in einem unbeheizten Containerbau statt. Der Eingang ist zwischen all den Bauzäunen schwer zu finden, und alles wirkt wenig einladend.
Aber Insider scheinen durchaus zu wissen, dass sie in dem provisorischen Materialmarkt weiterhin dienstags und mittwochs von 15 bis 19 Uhr unter anderem verbilligt recycelte Baumaterialien wie Holzpaletten kaufen können. Jan-Micha Gamer von der „Zentralstelle für Wiederverwendbare Materialien“ des Vereins Kunst-Stoffe läuft mit einem Zollstock durch die Gänge, in denen sich Stoffbahnen, Holzplatten und Farbtöpfe stapeln, und schaut je nach Anfrage immer wieder in einer Liste nach den Preisen.
Vieles ist Verhandlungsbasis. „Wie viel bist Du denn bereit zu geben?“, fragt der 30-Jährige eine Frau in Handwerkerhose. Schnell einigt man sich auf 20 Euro für drei Vintage-Schubkästen. „Bei Ikea würden sie ungefähr das Doppelte kosten, die Qualität wäre aber lange nicht so gut“, sagt Sanne, die gleich nebenan in der ReUse-Holzwerkstatt arbeitet.

Blick in den Materialmarkt auf dem Gelände am Haus der Statistik in Berlin. Dort werden gebrauchte Baumaterialien wiederverwertet und verbilligt verkauft.
Maria NeuendorffAus den erworbenen Schubläden will sie einen Unterschrank für Bohrmaschinen bauen. „Wir sind auch gerade erst umgezogen und müssen uns wieder neu einrichten, auch weil wir nur noch die Hälfte des Platzes zur Verfügung haben“, berichtet die Mitarbeiterin des Vereins Baufachfrau Berlin.
Ihr Arbeitgeber gehört ebenfalls zu den Pioniernutzern des Hauses der Statistik und bietet Hilfe bei der Wiederverwendung und Weiterverarbeitung von Gebrauchtmaterialien an.
Immobilie in Berlin – offene Werkstatt für Hobby-Tischler
In der offenen Werkstatt kann jeder vorbeikommen und sich Handmaschinen wie Exzenterschleifer oder Sägen ausleihen und unter Anleitung zum Beispiel eine Eckbank, einen Schrank oder einen Tisch anfertigen. Man kann sich aber auch einfach nur beraten oder das Material zuschneiden lassen.
Theoretisch könnten Interessenten sich so im „Haus der Materialisierung“ mithilfe der Profis eine komplette Wohnungseinrichtung zusammenzimmern. Wäre da nicht das Problem mit dem Transport. „Wir haben keine Lagermöglichkeiten, um die Sachen über Nacht bei uns zu lassen“, sagt Sanne. „Aber es ist schon verrückt, was manche Leute alles mit dem Rad transportieren können.“
Ganz kostenlos, wie auf der Internetseite suggeriert, ist die Nachbarschaftshilfe nicht immer. Ein Obolus von 5 Euro pro Stunde für die Profis ist so ein Richtwert auf Verhandlungsbasis. Das ist von Aufwand und Einkommen abhängig, erklärt Sanne.
Schließlich müssen die Initiativen, ob Pioniere oder nicht, auch schon für ihre provisorischen Werkstätten und Lager auf dem HdS-Baustellen-Gelände Miete zahlen. Diese sei zwar verhältnismäßig gering, sei aber vor kurzem erhöht worden, erzählt Sanne.
60 Initiativen wollen es „anders machen“
Trotzdem ist das Interesse groß. Knapp 60 Initiativen und Institutionen wurden Ende 2023 in einem mehrstufigen Verfahren aus über 300 Bewerbungen ausgewählt. Um sie zu bündeln, wurde die AndersMachen eG gegründet, die die selbstverwalteten Flächen für Kunst, Kultur, Soziales, zirkuläres Wirtschaften, Bildung und die Förderung von Gerechtigkeit im Quartier betreiben wird.
„Das Ziel ist es, diese Nutzungen zu leistbaren Mietkonditionen dauerhaft im Quartier zu sichern“, heißt es dazu aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Die Details der Erbbaurechtsverträge für die Experimentierhäuser würden derzeit mit dem Land Berlin abgestimmt.

Das Haus der Statistik in Berlin soll nach derzeitigen Senatsplänen zum Teil genossenschaftlich verwaltet werden.
PME/Frank EckertZudem würden 2025 auch die temporären Freiflächen vor dem Haus der Statistik sowie dem Haus des Reisens von der Initiative Stadt-Bühne bespielt, einem Zusammenschluss von mehreren Theatergruppen. Auch ein grünes Open-Air-Wohnzimmer ist geplant.
„Nach Jahren der kooperativen Entwicklung und Aushandlung freuen wir uns, dass im Jahr 2025 die vertraglichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit im Quartier langfristig sichere Wohn- sowie Gewerbeflächen für vornehmlich soziale, kulturelle, bildende und auf nachhaltiges, ressourcenschonendes Wirtschaften und Produzieren ausgelegte Nutzungen realisiert werden können“, sagt Andrea Hofmann von der Genossenschaft ZUsammenKUNFT Berlin eG. Zudem soll das Haus A fertiggestellt und für den weiteren Innenausbau an die Initiativen übergeben werden.
Dort, wo die Fassaden schon erneuert sind, soll in diesem Jahr das Finanzamt Berlin-Mitte seine neuen Räume beziehen. „Es sind moderne Büroflächen und kundenfreundliche Begegnungsstätten entstanden“, heißt es von der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, die ebenfalls einziehen will.
In den sanierten Bestandsbauten mit insgesamt 46.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche gebe es nun wetterdichte Fassaden. Auch die Fenster seien erneuert worden. Außerdem wurde der Dachaufbau zurückgebaut, um Lastreserven für die Dachbegrünung und die jüngst installierte Photovoltaik-Anlage zu schaffen.
Immobilien in Berlin – Rathaus der Zukunft
Des Weiteren soll laut Senatsverwaltung im Frühjahr der Architekturwettbewerb für den Neubau, in den das Rathaus Mitte einzieht, abgeschlossen werden. Für das „Rathaus der Zukunft“ wurden im Dezember 2024 aus 157 eingereichten Unterlagen 20 Entwürfe für die zweite Phase ausgewählt.
Der Senat setzt dabei auf einen multifunktional nutzbaren Neubau aus öffentlichen Flächen mit Foyer, Bürgeramt, Bibliothek, Kantine und flexibel nutzbaren Bereichen, zum Beispiel für Ausstellungen. Im April soll der Siegerentwurf gekürt werden. Vorab, so ist es geplant, können Bürger sich über die Entwürfe informieren und Hinweise an das Preisgericht geben.

Diese Visualisierung zeigte eine mögliche begrünte Dachlandschaft auf dem Haus der Statistik in Berlin.
Teleinternetcafe und Treibhaus„Mit dem anstehenden Abschluss des Architekturwettbewerbs und der Auswahl eines Siegerentwurfes für das Rathaus der Zukunft können sich die Berlinerinnen und Berliner endlich ein besseres Bild vom neuen und modernen Verwaltungsgebäude und dem umliegenden Außenbereich machen“, freut sich Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Mitte.
Schließlich feiere das Modellprojekt „Haus der Statistik“ im Jahr 2025 zehnjähriges Bestehen. 2008 stand der Gebäudekomplex leer. Der Bund, dem das Areal damals gehörte, wollte dieses Bauwerk der modernen DDR-Architektur abreißen. Widerstand formierte sich, Initiativen wie die „Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser“ (AbBA) setzen sich für den Erhalt sowie die gemeinwohlorientierte Nutzung ein. Die Bezirksverordneten von Mitte unterstützten sie mehrheitlich, bis der Berliner Senat das Haus der Statistik rettete, in dem er das Grundstück übernahm.
Im Herbst sollen auch die Bauanträge für die zwei Wohnhäuser mit zwölf beziehungsweise 15 Geschossen eingereicht werden. „Wir kommen ein gutes Stück voran“, freut sich Lars Dormeyer, Geschäftsführer der WBM. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich im Sommer 2027 starten, die Fertigstellung ist für Herbst 2030 geplant.
Die Neubau-Wohnungen gehen üblicherweise rund sechs Monate vor Fertigstellung in die Vermietung, heißt es von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Wartelisten führe man auf Gründen einer fairen und transparenten Vermietung nicht.



