Wohnen in Berlin
: Wohnungen im neuen Stadtquartier rund um Stasi-Krankenhaus

In Berlin-Buch wird ein Stadtquartier mit bis zu 2700 Wohnungen gebaut. Während die ehemalige Stasi-Klinik erhalten bleibt, könnte das DDR-Regierungskrankenhaus abgerissen werden.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Das Gelände der ehemaligen DDR-Krankenhäuser in Buch soll in den kommenden Jahren entwickelt werden.

Sabine Rakitin
  • In Berlin-Buch entstehen bis 2026 bis zu 2700 Wohnungen, eine Kita und eine Grundschule.
  • Das Gelände umfasst die ehemalige Stasi-Klinik und erstreckt sich über 57 Hektar.
  • Für das neue Stadtquartier sind u.a. 1100 Mietwohnungen im Bauabschnitt "Waldquartier" geplant.
  • Der Senat informierte 2024 die Öffentlichkeit über den Bebauungsplan.
  • Die Abrisskosten des DDR-Regierungskrankenhauses könnten bis zu 86 Millionen Euro betragen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bis zu 2700 neue Wohnungen könnten in den kommenden Jahren im Norden Berlins an der Stadtgrenze zu Brandenburg entstehen. Das Gebiet des geplanten Stadtquartiers „Buch – Am Sandhaus“ liegt am Rand von Pankow und umfasst unter anderem auch das ehemalige Krankenhaus der Staatssicherheit (MfS).

Die Stasi-Klinik – direkt neben dem ehemaligen Regierungskrankenhaus der DDR gelegen – in dem ab 1980 Stasi-Mitarbeiter mit höheren Dienstgraden sowie ihre Angehörigen behandelt wurden, wird dafür umgebaut. „Die Hauptgebäude sollen erhalten bleiben und einer Wohn- und gewerblichen Nutzung zugeführt werden“, erklärt Annemarie Rosenfeld, Vize-Sprecherin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Howoge. Zusätzlich seien auf dem ehemaligen Klinikgelände Neubauten in Holzhybridbauweise geplant. „Unser Fokus liegt dabei aktuell auf den Bereichen Bildung und Kultur.“

Wohnungsbau in städtischer Hand

Das Gelände des ehemaligen Stasi-Krankenhauses, das sich seit dem Jahr 2024 im Besitz der Howoge befindet, ist aber nur ein Teil des ersten Bauabschnitts unter dem Namen „Waldquartier“, bei dessen Entwicklung unter anderem rund 1100 Mietwohnungen vorgesehen sind, erklärt die Sprecherin.

Insgesamt erstreckt sich das neue Stadtquartier „Buch – Am Sandhaus“ über eine Gesamtfläche von rund 57 Hektar. Der Bereich umfasst die Grundstücke entlang der Straße Am Sandhaus, westlich der Wiltbergstraße und des S-Bahnhofs Buch, nördlich und westlich der Moorlinse, östlich der Hobrechtsfelder Chaussee sowie Teilflächen der ehemaligen Rieselfelder, des Bucher Forsts und der ehemaligen Stasi-Klinik. In diesen Abmessungen sollen ab 2026 bis zu 2700 neue Wohnungen, eine Kita und eine Grundschule entstehen.

„Das neue Stadtquartier Buch am Sandhaus ist ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Entwicklung Berlins“, sagt Berlins Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD). Im Norden der Stadt solle ein lebendiger Ort entstehen, der Wohnen, Arbeiten und Freizeit vereint und Raum schafft für soziale Angebote.

Damit das auch umgesetzt werden kann, erwarben 2024 die städtischen Wohnungsbaugesellschaften Howoge (74 Prozent) und Berlinovo (26 Prozent) die Fläche. „So können die geplanten Wohnungen vollständig durch landeseigene Unternehmen errichtet werden“, so Gaebler.

Infoabend soll Bürger informieren

Die Senatsverwaltung will nun den Bebauungsplan für das neue Stadtquartier aufstellen. Das Verfahren, das in der Regel mindestens anderthalb bis zwei Jahre in Anspruch nimmt, ist erforderlich, um städtebauliche Fehlentwicklungen zu vermeiden und Nutzerkonflikte zu mindern. Dazu gehört auch die Beteiligung der Öffentlichkeit. Eine erste Informationsveranstaltung findet am 29. Januar 2025 im Hörsaal des Max-Delbrück-Centrums in Buch statt. Neben dem Wohnungsbau werden dort die Notwendigkeit der sozialen Infrastruktur sowie Grünflächen, Verkehrswege und technische Einrichtungen erläutert.

Um Wohnungen zu bauen, hat der Senat schon 2019 den Flächennutzungsplan geändert. Vorher seien laut Senatsverwaltung verschiedene Siedlungsmodelle geprüft worden, um den Eingriff in Natur und Landschaft möglichst gering zu halten. Dabei sei insbesondere der Schutz zusammenhängender, ökologisch wertvoller Bereiche wie das Landschaftsschutzgebiet mit der Moorlinse auf den ehemaligen Rieselfeldern und wichtiger Waldbiotope berücksichtigt worden. Im Zuge dieser Prüfungen wurden die Wohnungsbaupotenziale auf das Gebiet vom S-Bahnhof, entlang der Straße Am Sandhaus, und des ehemaligen Krankenhauses der Staatssicherheit beschränkt.

Zufahrt des ehemaligen Regierungskrankenhauses der DDR in Berlin-Buch.

Zufahrt zum ehemaligen Regierungskrankenhaus der DDR in Berlin-Buch. Das Gelände gilt derzeit als „Lost Place".

Sabine Rakitin

Dadurch bleibt das ehemalige Regierungskrankenhaus der DDR derzeit außen vor. Seit seiner Schließung im Jahre 2007 ist es zu einer Ruine verfallen. Vandalismus hat dem vierstöckigen Klinikbau arg zugesetzt.

Im derzeitigen Flächennutzungsplan ist der Standort an der Hobrechtsfelder Chaussee 100/Wiltbergstraße als Gewerbefläche dargestellt. „Der Senat schätzt den Standort als nicht prioritär geeignet für die kurzfristige Entwicklung von bezahlbarem Wohnungsbau durch landeseigene Wohnungsbauunternehmen ein“, erklärte Alexander Sloty (SPD), Staatssekretär für Stadtentwicklung, im Dezember 2024 auf eine parlamentarische Anfrage von Katalin Gennburg (Linke) im Abgeordnetenhaus.

Sanierung kostet mehr als 200 Millionen Euro

Um die Potenziale des derzeitigen „Lost Place“ auszuloten, hatte die Wirtschaftsförderung Pankow schon Mitte 2023 eine Machbarkeitsuntersuchung für eine gewerbliche Nutzung in Auftrag gegeben. Dabei wurden insgesamt drei Varianten geprüft. Die erste beinhaltet die Komplettsanierung. „Dabei könnten die gesamten Bestandsflächen genutzt und die bestehende Gebäudesubstanz soweit möglich erhalten werden“, heißt es in der Studie. Die Kostenschätzung dafür liegt bei rund 211 Millionen Euro.

Eine Teilsanierung der Krankenhausruine mit Ergänzungsbauten würden rund 182 Millionen Euro kosten. Am preiswertesten wären der Komplettabriss und Neubau. Die Kosten für diese dritte Variante werden auf rund 86 Millionen geschätzt.

So könnte es sein, dass das Regierungskrankenhaus der DDR bald Geschichte ist. Dabei beleuchtet der Bau die Zwei-Klassen-Medizin im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat. Statt Werktätige aus Berliner Betrieben wurden in Buch ab 1976 ausschließlich Mitglieder der Regierung, des SED-Zentralkomitees und des Politbüros sowie Staatsgäste behandelt.

In dem streng abgeschotteten Krankenhaus, das auch über Kreißsäle verfügte, arbeiteten 58 Fachärzte und 115 Pflegekräfte. Die 85 Krankenzimmer waren unter anderem mit Fernsehern und Telefonen ausgestattet. Sie glichen in ihrem Ambiente dem eines Interhotels, beschrieb eine Reporterin des DDR-Fernsehens, die Ende 1989 erstmals für eine Stippvisite eingelassen wurde. Medizinische Geräte und besondere Medikamente, die anderswo rar waren oder gar nicht zur Verfügung standen, wurden größtenteils im Westen eingekauft.

Waffenkammer und Sonderstation

Auch das Krankenhaus der Staatssicherheit an der Hobrechtsfelder Chaussee 96 war mit modernsten Mitteln ausgestattet und verfügte über knapp 300 Betten. Die Patienten wurden dort von insgesamt 650 Mitarbeitern betreut. Alleine für diese Klinik sollen zehn Krankenwagen zur Verfügung gestanden haben.

Beide Kliniken wurden in der DDR mit großem Aufwand abgeschirmt. Auf das Gelände kam man nur mit Sonderausweis. Für die besonderen Sicherheitsvorkehrungen gab es unter anderem eine Waffenkammer und eine Sonderstation, auf der auch Stasi-Chef Erich Mielke behandelt worden sein soll.

Das 2007 stillgelegte ehemalige Regierungskrankenhaus der DDR im Berliner Bezirk Pankow ist teilweise von Wald umgeben und bis heute gut abgeschirmt.

Das im Jahr 2007 stillgelegte ehemalige Regierungskrankenhaus der DDR im Berliner Bezirk Pankow ist teilweise von Wald umgeben und bis heute gut abgeschirmt.

Sabine Rakitin

Nach der Wende übernahm ein privater Konzern beide Kliniken. Kurzzeitig entstand so das größte Krankenhaus in ganz Europa. Seit dem Jahr 2007 stehen die DDR-Bauten, die von einem zwei Meter hohen Außenzaun gesichert sind, leer.

Informationsabend in Berlin

Die Informationsveranstaltung zum neuen Quartier „Buch – Am Sandhaus" findet am 29. Januar 2025 um 18 Uhr in der Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin, im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin im Hörsaal „Axxon“ statt.