Manfred Höppner ist tot
: Doping-Mediziner der DDR in Grünheide verstorben

Der Chefinitiator des DDR-Staatsdopings Manfred Höppner alias IM „Technik“ ist tot. Er verstarb in Grünheide im Alter von 89 Jahren.
Von
Janine Richter
Grünheide
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Der frühere DDR-Sportmediziner Manfred Höppner ist tot. Er verstarb in Grünheide. Das Foto entstand im Mai 2000 im Gerichtsgebäude in Berlin-Moabit, wo der Chef-Doper verurteilt wurde.

Peer Grimm/dpa

Wie erst jetzt durch Medienberichte bekannt wurde, ist der langjährige Chefinitiator des DDR-Staatsdopings Dr. Manfred Höppner am 20. Oktober 2023 in Grünheide verstorben. Er wurde 89 Jahre alt und auf einem örtlichen Friedhof beerdigt.

Höppner wurde laut dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“ im April 1934 in Weinböhla bei Meißen in Sachsen geboren. Er hatte nach dem Abi­tur von 1953 bis 1958 an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Medizin studiert und promoviert. Fortan war er Facharzt für Sportmedizin und Sozialhygiene. Von 1964 bis 1978 war er Verbandsarzt des Leichtathletikverbandes (DVfL) der DDR und Leiter der Arbeitsgruppe „Unterstützende Mittel“. Anschließend war er bis 1990 Mitglied des DVfL-Präsidiums. Von 1970 bis 1991 wirkte er auch als Mitglied des Medizinischen Komitees des Welt-Leichtathletikverbandes und half mit, Doping-Tests zu umgehen oder zu fälschen.

Höppner gilt als Architekt des DDR-Doping-Systems

Höppner gilt als Architekt des flächendeckenden Doping-Systems der DDR. Er war mit dafür verantwortlich, dass Kinder und Jugendliche im Leistungssport gedopt wurden – mit teils schweren gesundheitlichen Folgen oder Todesfällen. Das geheime Doping-System lief von 1974 bis 1989 unter dem Titel „Staatsplanthema 14.25“ und betraf mindestens 13.000 Athleten.

Bei all dem, so ist es überliefert, saß der Mediziner in einem kleinen Zimmer in einer Mietskaserne im Berliner Prenzlauer Berg und entschied, wer mit welchen Substanzen gedopt wurde. Der Leistungssport diente zu DDR-Zeiten der Propaganda, sollte Aushängeschild des Sozialismus sein und brachte viele Medaillen und Prestige ein.

18 Monate Bewährung im Doping-Prozess

Nach der Wende musste sich der damals 66-Jährige im Jahr 2000 zusammen mit dem ehemaligen DDR-Sportchef Manfred Ewald wegen systematischen Dopings in der DDR vor dem Berliner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf den beiden Angeklagten Körperverletzung durch Vergabe von Hormonpräparaten an minderjährige Sportlerinnen vor. Er wurde letztlich wegen Beihilfe zur Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Das gegen ihn ergangene Urteil bezeichnete Höppner als „Siegerjustiz“, entschuldigte sich aber bei den Doping-Opfern. Diese nahmen sie nicht an.

Das Archivbild zeigt den ehemaligen DDR-Sportchef Manfred Ewald im Mai 2000 im Gerichtsgebäude Berlin-Moabit. Der damals 74-Jährige wurde wegen des DDR-Dopings zu 22 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt.

Wolfgang Kumm/dpa

Höppner war auch IM „Technik“ der Stasi

Bekannt ist, dass Höppner auch Inoffizieller Mitarbeiter (IM), Deckname „Technik“, des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) war und der Stasi detailliert über Konzeption und Vergabe von Dopingmitteln im DDR-Sport berichtete.

Nach der Wende galt er als „Verräter“, weil er mit Ermittlungsbehörden und Medien kooperierte. Schon 1990 verkaufte er streng geheime Doping-Dokumente an das Magazin „Stern“. Im Gegensatz zu vielen anderen IM half der Chef-Doper auch der Kriminalpolizei, nämlich der Zentralen Erfassungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV).

Nach der Wende half er Kripo bei Ermittlungen

Höppner räumte nicht nur umfassend seine eigene Schuld ein, sondern wurde auch zum wichtigsten Informanten über das Doping-Programm der DDR. Er berichtete auch über das berüchtigte Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) in Leipzig, das intensiv die optimale Anwendung von Dopingpillen ermittelte. Er redete auch über den FKS-Professor Winfried Schäker und seine Menschenversuche. Dieser setzte eine Kombination aus Anabolika und Neuropeptiden bei Leistungssportlern ein.

Vom Chef-Doper zum Natur- und Tierschützer

Die meisten Anklageschriften gegen Ärzte und Trainer gingen auf Höppners Aussagen zurück. Während Manfred Höppner als Rentner in Grünheide lebte, engagierte er sich laut unserem Zeitungsarchiv für die Landschaftspflege im Löcknitztal und bei den Grünheider Krötenschützern. Eine Traueranzeige zu seinem Tod erschien in der Märkischen Oderzeitung.

Auch Militärstaatsanwalt Günter Sarge starb in Grünheide

In Grünheide war Höppner in guter Gesellschaft. Laut Historiker Müller-Enbergs waren Ende der 1980er-Jahre in der Gemeinde 31 IM tätig. Damit sei dort eine „deutlich überdurchschnittliche Dichte“ im DDR-Vergleich bezogen auf die Einwohnerzahl zu verzeichnen gewesen.

Auch der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtes der DDR, Günter Sarge, lebte bis zu seinem Tod im Grünheider Ortsteil Kagel. Er war damals mit dem Aufbau militärischer Ermittlungsgruppen und der Militärstaatsanwaltschaft befasst.

Am 18. Januar 1990 kam Sarge der Einleitung eines Disziplinarverfahrens durch die Volkskammer mit dem Rücktritt von seinem Amt zuvor. Ihm wurde Verfahrensverschleppung bei der Rehabilitierung von in den 1950er und 1960er Jahren zu Unrecht Verurteilten vorgeworfen. Auch sollte er Ermittlungen gegen frühere Funktionäre von Partei und Staat wegen Korruption und Amtsmissbrauch erschwert haben. Nach der Wende war Sarge noch als Rechtsanwalt in Berlin tätig.

Im Jahr 1993 gehörte er zu den Mitbegründern des Vereins Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung. Hierbei soll es sich um eine Lobbyorganisation von ehemaligen DDR-Ministern, Stasi-Offizieren und DDR-Grenzsoldaten handeln, die Opfer der Diktatur verhöhnten und denen „Geschichtsrevisionismus“ vorgeworfen wird.

Er verstarb am 5. März 2019 im Alter von 88 Jahren. Der Ortsverband der Grünheider Linken gedachte ihm mit einer Traueranzeige.

Gutachten zur Stasi-Vergangenheit Christianis erwartet

Aktuell arbeitet Stasi-Experte Müller-Enbergs die Vergangenheit des amtierenden Grünheider Bürgermeisters Arne Christiani (parteilos) auf. Laut Aktenlage soll er als IM „Peter Förster“ für das MfS über 27 Personen berichtet haben und aus einer „Stasi-Dynastie“ stammen. Dazu veröffentlichte der Historiker bereits ein erstes Gutachten. Weitere Teile sollen in ein paar Wochen folgen.