Recyclinghof Niederlehme
: Nach Brand – warum die Schadenssumme weiterhin offen ist

Im Sommer 2024 brannte es gleich zweimal in der Recyclinganlage der ZAB in Niederlehme. Bis heute kann die Schadenshöhe nicht beziffert werden. Die Gründe.
Von
Jana Scholz
Niederlehme
Jetzt in der App anhören
Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Großbrand auf dem Gelände der ZAB in Niederlehme sind die Spuren des Feuers deutlich erkennbar. Es gibt Gründe dafür.

Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Großbrand auf dem Gelände der ZAB in Niederlehme sind die Spuren des Feuers deutlich erkennbar. Es gibt Gründe dafür.

Jana Scholz
  • Im Sommer 2024 brannte es zweimal in der Recyclinganlage ZAB in Niederlehme.
  • Der Schaden ist noch unklar, Gutachten liegen vor, nächste Schritte werden abgestimmt.
  • Am 5. September 2024 brach erneut ein Feuer aus, es gab keinen größeren Schaden.
  • Der Abfall enthält zunehmend gefährliche Li-Ionen-Akkus, was Brände verursacht.
  • Verbraucher sollen Elektrogeräte und Akkus korrekt entsorgen, um Brände zu vermeiden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als am 14. August des vergangenen Jahres ein Feuer im Flachbunker der Recyclinganlage des Zweckverbandes Abfallbehandlung Nuthe-Spree (kurz ZAB) in Niederlehme ausbrach, entwickelte sich das Szenario schnell zu einem Großbrand. Mehr als einhundert Rettungskräfte der umliegenden Feuerwehren versuchten das Feuer unter Kontrolle zu bekommen und löschten mehrere Stunden unter schwersten Bedingungen. Da die Halle einzustürzen drohte, konnte nur von außen gelöscht werden.

Das Feuer der Recyclinganlage, die sich direkt an der Autobahn A10 bei Königs Wusterhausen befindet, dehnte sich glücklicherweise nicht auf den Betriebshof der örtlichen Müllabfuhr aus, sodass die Abholung des Hausmülls nicht gefährdet wurde. Dennoch sind heute, ein halbes Jahr später, die Spuren des verheerenden Brandes weiterhin sichtbar. Denn die Halle auf dem Hof in der Robert-Gutmann-Straße wurde bisher nicht abgerissen.

ZAB-Verbandsvorsteher: Gutachten liegen vor

Mario Kirsch, Verbandsvorsteher des ZAB, sagt: „Verschiedene Gutachten und Untersuchungen wurden beauftragt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Zwischen allen beteiligten Fachleuten müssen jetzt die nächsten Schritte abgestimmt und festgelegt werden.“

Der Rauch des Großbrandes auf dem Recyclinghof in Niederlehme ist so dicht, dass die Kameraden der Feuerwehr nicht mal die eigene Hand vor Augen sehen. Das Szenario gleicht einem Katastrophenfilm.

Die Löscharbeiten des Brandes auf der Recyclinganlage des ZAB Mitte August liefen unter schwersten Bedingungen. Über Stunden standen die Rettungskräfte in dichtem Rauch und versuchten zu retten, was zu retten ginge.

Jana Scholz

Er persönlich geht davon aus, dass dies bis Ende des Monats erfolgen werde. Derzeit stünde aber auch noch nicht fest, welche Gebäudeteile zurückgebaut werden müssten.

Weiterer Brand im Tiefbunker verursachte keinen Schaden

Gar kein Thema hingegen ist beim ZBA der Brand, der drei Wochen später in einem Tiefbunker ausbrach. Kirsch sagt: „Es befand sich nur sehr wenig Abfall darin, sodass durch den Einsatz der installierten Löschanlage und der Feuerwehr Schlimmeres verhindert werden konnte. Der Brand am 5. September führte zu keinem Schaden.“

Gut drei Wochen nach dem verheerenden Großbrand ist am Donnerstagabend in der Recyclinganlage in Niederlehme erneut ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr war mit mehreren Löschzügen im Einsatz.

Gut drei Wochen nach dem verheerenden Großbrand war am 5. September 2024 erneut ein Feuer in der Recyclinganlage in Niederlehme  ausgebrochen. Die Feuerwehr war an diesem Tag gleich mit mehreren Löschzügen im Einsatz.

Jana Scholz

Doch auch wenn das zweite Feuer ohne große Folgen geblieben ist, wird der Großbrand vom August noch weitere Kreise ziehen. Wie geht es jetzt für die Verwertungsanlage weiter? „Sobald zwischen allen Beteiligten der Umfang von Rückbaumaßnahmen festgelegt wurde, wird ein Rückbaukonzept erstellt, um die angrenzende Halle nicht zu beschädigen. Es wird die Lösung die beste sein, die technisch machbar, möglichst schnell und dabei kostengünstig ist“, sagt der Verbandsvorsteher.

Anschließend soll ein Ersatzbau her. Doch das Ganze ist ein langwieriger Prozess, er beinhaltet Konzepte, Planungen, Bauanträge, Ausschreibungen und vieles mehr. „Wie lange es dauern wird, bis alle Arbeiten abgeschlossen sind, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht sagen“, so Kirsch.

Die genaue Schadenssumme ist bis heute nicht erfasst

Der Gesamtschaden des Brandes dürfte sich im Millionenbereich bewegen. Allerdings kann Kirsch auch ein halbes Jahr später noch keine genauen Zahlen nennen: „Eine konkrete Schadensbilanz gibt es noch nicht“, sagt er auf Nachfrage.

Errechnet wird diese aus dem gesamten Sachschaden (Maschinen, Gebäude usw.) und dem Betriebsunterbrechungsschaden (Mehrkosten durch Verarbeitung in anderen Anlagen). Allerdings hingen die Mehrkosten für die Verarbeitung in anderen Anlagen laut Kirsch von vielen verschiedenen Faktoren ab, die jeden Monat anders seien. „Der Zeitfaktor ist dabei der entscheidende“, sagt er.

Abfall war nie so gefährlich wie heutzutage

Seit 18 Jahren wird die Abfallanlage in Niederlehme bei Königs Wusterhausen inzwischen betrieben. Doch die Arbeit mit Abfällen sei in der gesamten Zeit nie so gefährlich gewesen, wie aktuell. Mario Kirsch sagt: „Es kommen immer mehr kleine Elektrogeräte mit Li-Ionen-Akkus, die zum großen Teil fest eingebaut sind, auf den Markt und landen irgendwann auch im Abfall – nur leider oft an der falschen Stelle.“

Damit solche Fehlwürfe, wie sie in der Fachsprache heißen, in Zukunft keine Brände verursachen, appelliert der Recyclingspezialist an das Bewusstsein der Verbraucher. „Elektrogeräte und auch einzelne Akkus können auf den Recyclinghöfen und weiteren anderen Annahmestellen kostenlos abgegeben werden. Werden sie über den Hausmüll entsorgt, können sie leicht zu Brandsätzen und schnell zu einer Gefahr werden.“

Aber nicht nur Elektroschrott, Batterien und Akkus gehören keinesfalls in den Hausmüll. „Auch Sprayflaschen und sonstige Behälter mit Gasen oder Flüssigkeiten sollten immer bei Schadstoffannahmestellen abgegeben werden. So wird eine fachgerechte Entsorgung ermöglicht und man minimiert das Risiko eines Brandbeschleunigers im Hausmüll“, betont Verbandsvorsteher  Mario Kirsch.