Stau bei A113 in Waltersdorf
: Bekommt Amazon eine eigene Autobahn-Abfahrt?

Pendler in Waltersdorf stecken im Berufsverkehr viel im Stau. Könnte eine Autobahn-Abfahrt der A113 bei Amazon in Kiekebusch Entspannung auf den Straßen bringen?
Von
Jana Scholz
Waltersdorf
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Das Amazon Versandlager im Schönefelder Ortsteil Kiekebusch. Während der Hauptverkehrszeit stehen auch die 40-Tonner des Versandriesen in den umliegenden Ortschaften Waltersdorf und Schulzendorf im Stau.

Das Amazon Versandlager im Schönefelder Ortsteil Kiekebusch. Während der Hauptverkehrszeit stehen in den Ortschaften Waltersdorf und Schulzendorf regelmäßig Stau. Könnte eine zusätzliche Autobahn-Abfahrt der A13 für Entspannung sorgen?

Jana Scholz
  • Hohe Stauprobleme in Waltersdorf durch Berufsverkehr und Lieferverkehr.
  • Diskussion um neue A13-Abfahrt bei Amazon in Kiekebusch zur Entlastung.
  • Schönefeld plant neue Ortsumfahrungen für Waltersdorf und Schulzendorf.
  • Ausbau der A117 könnte Pendlern helfen.
  • Amazon begrüßt den Bau einer neuen Abfahrt, ist aber nicht beteiligt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer in den frühen Morgenstunden oder in der Feierabendzeit durch den Schönefelder Ortsteil Waltersdorf muss, darf es nicht eilig haben. Täglich grüßt im Bereich der großen Ampelkreuzung Berliner Straße/Ecke Grünauer Straße, wo es wahlweise zur A13, A113 und A117 geht, das Stau-Murmeltier. In den Hauptverkehrszeiten kann, oder besser sollte man als Autofahrer gut und gerne 20 Minuten an zusätzlicher Zeit einplanen.

Die Verkehrssituation rund um Waltersdorf, wo auch die Möbel-Riesen Ikea und Höffner ihr Zuhause haben, hat sich in den letzten Monaten sogar noch zugespitzt. Selbst in der Nachbargemeinde Schulzendorf kommt es in den Stoßzeiten immer wieder zu Rückstaus, weil die große Ampelkreuzung Richtung A117, A113 und Gewerbepark so viel Verkehr nicht verkraftet. Die Frage ist: Wie und was könnte den Verkehrsknoten entlasten?

Viele Autos in der BER-Region rund um den Flughafen

Grundsätzlich ist die Verkehrszunahme nicht überraschend. Durch den Bau weiterer Wohnquartiere und dem damit verbundenen Zuzug in der BER-Region, wurden es bereits in der Vergangenheit auch immer mehr Autos, die nun täglich über Waltersdorf von und nach Berlin pendeln. Hinzu kommen die Flughafen-Mitarbeiter.

Aber nicht nur Berufspendler lahmen den Verkehr, sondern auch die Gewerbeansiedlungen in Schönefeld und den umliegenden Gemeinden, für die die Ortsstraßen schon lange nicht mehr ausreichen. Die Folge: dauerhafte Staufallen.

Amazon in Kiekebusch wird über Waltersdorf beliefert

Der Onlineversandhändler Amazon hat sich im Jahr 2020 im Schönefelder Ortsteil Kiekebusch mit einem Sortierzentrum niedergelassen. Täglich nutzen unzählige 40-Tonner die angrenzende Autobahn-Abfahrt in Waltersdorf, um zum Logistikzentrum zu kommen. Neben Amazon sollen sich zukünftig noch weitere Logistiker auf dem einstigen Feld in Kiekebusch, das direkt an der A13 liegt,  niederlassen, heißt es aus Gemeinde-Kreisen. Könnte da nicht eine eigene Autobahn-Abfahrt für den Logistik-Standort Sinn ergeben? Und somit den Verkehr in Waltersdorf entlasten?

Schönefelds Gemeindesprecherin Solveig Schuster sagt, dass man mit den verantwortlichen Straßenbaulastträgern bereits im Gespräch sei. Nach einem beauftragten Dialogforum, in dem eine Verkehrs- und Engpassanalyse erstellt wurde, „wird die Anschlussstelle Kiekebusch zur Entlastung der Kommunen östlich der A13, beziehungsweise der A113, empfohlen“, so Schuster.

Amazon-Sprecher: „Können uns ohne Kenntnis nicht äußern.“

Auf Nachfrage bei Amazon Deutschland teilt ein Unternehmenssprecher mit, dass man keine Kenntnis von Plänen für einen Autobahnanschluss habe und man auch nicht in entsprechende Planungen oder Diskussionen eingebunden sei. „Ohne Kenntnis von Details können wir uns zu den Plänen auch nicht äußern“, heißt es seitens des Onlinehändlers. Die Entscheidung für den Standort in Kiekebusch wäre damals mit den vorhandenen Verkehrsanbindungen erfolgt.

Das Amazon Logistikzentrum im Schönefelder Ortsteil Kiekebusch ist unmittelbar an der Autobahn A113 gelegen. Unzählige LkW sind 24 Stunden am Tag im Einsatz und nutzen unter anderem die Ortsdurchfahrten Waltersdorf und das Alt-Dorf Schulzendorf, um das Depot zu erreichen.

Das Amazon Logistikzentrum im Schönefelder Ortsteil Kiekebusch ist unmittelbar an der Autobahn A13 gelegen. Unzählige Lkw sind 24 Stunden am Tag im Einsatz und nutzen unter anderem die Ortsdurchfahrten Waltersdorf und Alt-Schulzendorf, um das Depot zu erreichen.

Chris Heinig

Entschieden ist in Sachen A113 also noch lange nichts. Seitens des Schönefelder Rathauses heißt es, dass eine Autobahn-Anschlussstelle Kiekebusch dem Zweck der Verkehrsberuhigung dienen solle und keineswegs explizit für den Logistiker Amazon gebaut würde. Sie sei vielmehr ein Baustein im Gesamtkonzept. Derzeit befasse sich zudem ein Dialogforum der IHK mit dem Thema, letztendlich sei jedoch der Bund der Entscheidungsträger. Empfehlungen gäbe es aber allemal.

Ortsumfahrungen für Schulzendorf und Waltersdorf?

Fragt sich, welche Ideen es zur Verkehrsentlastung im Bereich Waltersdorf noch gibt? Die Antwort: mindestens eine: „Schon seit einigen Jahren wird über den Bau von einer Ortsumfahrung diskutiert, sowohl für Waltersdorf als auch für Schulzendorf“, teilt das Schönefelder Rathaus auf Anfrage mit. In der Vergangenheit habe man dazu verschiedene Varianten untersucht und geschaut, wie sich die Verkehrsflüsse dadurch verändern.

Für die Ortsumfahrung Waltersdorf gäbe es inzwischen eine vom Entwicklungsausschuss präferierte Trasse, die an die Zeppelinstraße im Gewerbegebiet „Lilienthalpark“ anbinden würde. Für den Bau der Ortsumfahrung seien bereits entsprechende Mittel in den 2025er-Haushalt eingestellt. „Für die Umleitung des Verkehrs sind aber auch im Gewerbepark selbst Anpassungen vonnöten, etwa am Knotenpunkt Grünauer Straße/Am Rondell. Hier ist die Gemeinde mit den Flächeneigentümern und Straßenbaulastträgern im Gespräch“, sagt Pressesprecherin Solveig Schuster.

Die rot eingezeichneten Linie dienen als Veranschaulichung der möglichen Umfahrungen. Sowohl für das Schulzendorfer Altdorf mit der Verbindung zwischen der Ernst-Thälmann-Straße in Schulzendorf sowie der L400, die durch den Ort Waltersdorf führt. In Waltersdorf selbst will man die Ampelkreuzung über das Gewerbegebiet „Lilienthalpark“ umfahren.

Die rot eingezeichneten Linie dienen als Veranschaulichung der möglichen Umfahrungen. Sowohl für das Schulzendorfer Altdorf mit der Verbindung zwischen der Ernst-Thälmann-Straße und der L400, die durch den Ort Waltersdorf führt. In Waltersdorf selbst will man die Ampelkreuzung über das Gewerbegebiet „Lilienthalpark“ umfahren. Der grüne Punkt zeigt den Stauknoten: die Ampelkreuzung Berliner Straße, Ecke Grünauer Straße.

Screenshot GoogleMaps/Skizze Jana Scholz

Auch für die Nachbargemeinde Schulzendorf gibt es Optionen für eine Ortsumfahrung. Bürgermeister Markus Mücke sagt: „Das Alt-Dorf soll umfahren werden. Dazu gibt es die Idee, in Schulzendorf die Ernst-Thälmann-Straße nach Westen zu verlängern und an die L400 anzubinden.“ Dieser Vorschlag sei jedoch nicht einfach zu realisieren, denn: „Eine Umfahrung des Alt-Dorfes müsste vor der Anbindung an die L400 ein Naturschutzgebiet durchqueren. Das stellt einen Konflikt dar, der bis heute noch nicht gelöst wurde. Nach meinen Informationen wird an dem Projekt zurzeit nicht weiter gearbeitet“, so Mücke weiter. Zudem würde es sich bei der L400, die durch Waltersdorf führt, um eine Landesstraße handeln. Hier sei folglich das Land zuständig.

Hinzu kommt: Durch eine Ortsumfahrung könnte zwar der Verkehr in Alt-Schulzendorf minimiert werden. Doch in Waltersdorf würden sich die Autos dann immer noch mitten durch den Ort in Richtung A113-Kreuzung quetschen.

Ausbau der A117 könnte Entlastung für Berlin-Pendler sein

In Schönefeld konzentriert man sich aktuell zunächst auf die Fertigstellung der neuen A117-Anschlussstelle mit dem Namen „Hubertus“. Sie soll ab Ende Juni dieses Jahres fertiggestellt sein. Die 4,8 Kilometer lange Autobahn führt vom Waltersdorfer Dreieck auf das Berliner Adlergestell nach Treptow-Köpenick. Die Fertigstellung dieser Trasse könnte Berlin-Pendlern gut zupassekommen, die derzeit den Umweg über die A113, beziehungsweise über Berlin-Grünau nehmen müssen.

Allerdings wird auch diese Abfahrt nicht helfen, den dicken Verkehrsknoten an der Kreuzung Berliner Straße, Ecke Grünauer Straße in Waltersdorf zu lösen. Denn ob man will oder nicht, wird man dort vorerst weiterhin einige Zeit im Stau verbringen.

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