Tesla Gigafactory Grünheide: Erste Wald-Rodungen für Bahnhof Fangschleuse gestartet

Die Rodungen für den neuen Bahnhof Fangschleuse und die Güterverkehrsgleise in Grünheide haben begonnen.
Janine RichterErste Bäume, wie Kiefern, Birken und viele 150 Jahre alte Eichen, werden seit Beginn der Woche für den Bau des neuen Bahnhofes Fangschleuse gerodet. Das hat das Gespräch mit Arbeitern an der RE1-Bahnstrecke Berlin-Frankfurt (Oder) nahe der Tesla-Gigafactory ergeben. Die Rodung, einschließlich des Abtransportes, soll bis Weihnachten beendet sein, heißt es. Die Wurzeln bleiben erst einmal im Boden. Die Arbeiter hätten keinen Auftrag, Bäume auf der Tesla-Seite von der Autobahn bis zum alten Bahnhof Fangschleuse zu fällen, war zu erfahren.
Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bestätigt am Mittwoch durch einen Sprecher, dass es für das Vorhaben „Bahnhof Fangschleuse, Verkehrsstation Fangschleuse“ „eine vorläufige Anordnung“ für Baumfällungen, Rodungen und Artenschutzmaßnahmen am 19. Oktober erteilt hat. Die DB Netz AG sei Bauherr der Maßnahme und habe dies zuvor beantragt. Sie koordiniert und terminiert auch das Projekt.

Nahe der Bahnbrücke über der A10 haben in Grünheide die ersten Rodungen für den neuen Bahnhof Fangschleuse begonnen - und zwar auf vorläufige Anordnung.
Janine RichterDer neue Bahnhof Fangschleuse und sein Bahnhofsumfeld sollen am Tesla-Gelände eineinhalb Kilometer weiter westlich des alten Bahnhofes Fangschleuse entstehen. Die Tätigkeiten im Vorfeld für das spätere Baufeld seien durch die Gemeinde Grünheide und dem Landesforstbetrieb gestattet worden, sagt der EBA-Sprecher.
Überraschender Start von Rodungen und Artenschutzmaßnahmen
Dass es im Oktober mit den ersten Artenschutzmaßnahmen und den Baumfällungen losgehen könnte, war schon als Zeitrahmen in den Antragsunterlagen des Eisenbahn-Bundesamtes angesetzt worden. Dass die Umsetzung aber durch eine „vorläufige Anordnung“ wirklich erfolgt, ist eine Überraschung, da vor Ort in Grünheide umfangreiche Einwände, vor allem durch den Ortsbeirat Grünheide, gegen das Bahn-Projekt erhoben worden waren. Sie hatten gefordert, den Bahnhofsneubau zu stoppen und stattdessen die Bahnsteige des alten Bahnhofes zu verlängern.
Die Gemeindeverwaltung Grünheide hatte dem Bau nur zugestimmt, wenn die alten Bahnhofsgebäude erhalten und versetzt werden. Am 25. September soll sie aber der Gesamtmaßnahme insgesamt zugestimmt haben, war zu erfahren.
Vor Genehmigung durch vorläufige Anordnung gerodet
Die Sprecherin der Bürgerinitiative Grünheide, Manu Hoyer, die selbst in Grünheide wohnt, zeigt sich entsetzt: „Ich habe selber eine Einwendung geschrieben. Eine Antwort habe ich nie erhalten. Für mich ist völlig unklar, wer denn das alles genehmigt hat“, sagt sie. Auch die Umweltverbände sollen nach Informationen unseres Mediums neben dem Ortsbeirat Einwände gegen das Projekt erhoben haben.
Laut des Sprechers des Eisenbahn-Bundesamtes sei das Planfeststellungsverfahren für den neuen Bahnhof Fangschleuse in Grünheide „noch nicht abgeschlossen“. „Es befindet sich weiterhin im Stadium des Anhörungsverfahrens“, sagt er. Aber es gebe ein Gesetz zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich vom 28. November 2018. Dieses biete die Möglichkeit, vorbereitende Maßnahmen zum eigentlichen Bauprojekt bereits vor Erlass des Planfeststellungsbeschlusses in Angriff zu nehmen, heißt es.

Eine der alten Eichen, die durch das Projekt der DB Netz AG gerodet wird.
Janine RichterFakt ist aber nach MOZ-Recherchen auch eines, nämlich, dass die „vorläufige Anordnung“ für die bauvorbereitenden Maßnahmen nur so lange Gültigkeit behält, bis das Gesamtvorhaben genehmigt wird. Wird nämlich die Maßnahme teilweise oder insgesamt durch die Planfeststellung für unzulässig erklärt, muss der Ausgangszustand wieder hergestellt werden oder Entschädigungszahlungen fließen.
Landschaftsschutzgebiet soll ausgegliedert werden
Nach MOZ-Informationen sollen die Rodungen rund 7,7 Hektar Wald betreffen. Das entspricht rund 11 Fußballfeldern. 4 Fußballfelder, also circa 4 Hektar davon, sollen nur „temporär“ gerodet werden, heißt es. 8,2 Hektar Wald müssen für diese Maßnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet „Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet“ ausgegliedert werden.
Dies wird aus einer Bekanntmachung zur Ausgliederung von Flächen gemäß Paragraf 10 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes (BbgNat) auf der Internetseite der Gemeinde deutlich. Dagegen können Einwendungen erhoben werden (siehe Infokasten).
Reptilien und Ameisen werden vergrämt und umgesetzt
Laut vorläufiger Anordnung des Eisenbahn-Bundesamtes sollen auch Reptilien wie Schlingnattern und Zauneidechsen, die im Gebiet leben, mittels Fallen und Zäunen eingefangen und in Ersatzquartiere umgesetzt werden. Und auch die Nester der Waldameisen werden umgesiedelt.
Wie berichtet soll der Bahnhof Fangschleuse nach dem Willen der Landesregierung und Deutschen Bahn nach Westen um 1,5 Kilometer verlegt und neu gebaut werden. So können zukünftig zehntausende Tesla-Mitarbeiter in Grünheide zu Fuß zur Arbeit in die Gigafactory gehen und einem höheren Reiseaufkommen könne Rechnung getragen werden.

Blick von der RE1-Strecke: Es werden Kiefern, Birken und kleine Eichen für den Neubau des Bahnhofes Fangschleuse und die Güterverkehrsgleise von Tesla gerodet.
Janine RichterFür Tesla muss es besonders schnell gehen
Zudem werden mehrere Gleise für den Güterverkehr errichtet, um den künftigen Werkbahnhof Teslas und das GVZ Berlin Ost Freienbrink anzuschließen. Der neue Bahnhof und seine Gleise sollen laut Sprecher der Deutschen Bahn 2026 fertig sein. Ende 2024 wird der Planfeststellungsbeschluss erwartet. Anfang 2025 sollen dann die Baustellenflächen und Baustraßen eingerichtet werden. „Die Einhaltung dieses Terminplans ist erforderlich, damit der durch den Industriestandort entstehende Güterverkehr zu möglichst hohen Anteilen und so früh wie möglich von der Straße auf die Schiene verlagert werden kann und gleichzeitig für die deutlich angewachsenen Verkehrsströme des Personenverkehrs attraktive Verbindungen angeboten werden können“, schreibt die Bahn.
Land übernimmt nicht alle Kosten
Das Land rechnet für den Bau des Personenbahnhofs Fangschleuse derzeit mit Investitionen von knapp 60 Millionen Euro, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Geplant sei, diese Kosten zu einem wesentlichen Teil über Bundesmittel zu refinanzieren. Der Bereich Güterverkehr werde nicht über das Land finanziert. Die Bahn sprach einst von Gesamtkosten von 200 Millionen Euro.
Einwände gegen Ausgliederung
Die Unterlagen zur Änderungsverordnung sind seit dem 23. Oktober bis einschließlich 22. November 2023 im Internet unter www.gruenheide-mark.de/seite/333342/bauleitplanung-beteiligung.html einsehbar. Darüber hinaus liegen sie im Rathaus der Gemeinde Grünheide, Am Marktplatz 1, 2. Obergeschoss, während der Dauer der Veröffentlichungsfrist aus und können dort zu folgenden Zeiten eingesehen werden:
Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie montags, mittwochs und donnerstags von 13 bis 15 Uhr und dienstags von 13 bis 18 Uhr.
Stellungnahmen können während der Dauer der Veröffentlichungsfrist abgegeben werden. Entweder per Mail an info@gemeinde-gruenheide.de oder schriftlich an Gemeinde Grünheide (Mark) Am Marktplatz 1 15537 Grünheide (Mark).



