Tesla Grünheide: Neue Pläne für Erweiterung ausgelegt – Gleise kreisen Wald ein

Blick am frühen Morgen auf die sogenannte Gigafactory von Tesla in Grünheide: Das US-Unternehmen möchte seine Fläche noch einmal erweitern, doch die Einwohner stemmten sich dagegen. Nun liegt der neue Entwurf des B-Planes 60 aus.
Jörg Carstensen/dpaGrünheide hat die veränderten Pläne für die geplante Erweiterung des Werksgeländes von Tesla nach Osten vorgelegt. Dazu hatte sich die Gemeinde in Abstimmung mit dem US-Elektroautobauer entschlossen, nachdem sich im Februar mehr als 62 Prozent der Bürger in einer Einwohnerbefragung gegen die Ursprungsideen ausgesprochen hatten. Seit Donnerstag (21. März) sind die Unterlagen zur Gigafactory nun auf der Internetseite der Gemeinde unter „Bauleitplanung“ abrufbar.
Bürger, aber auch Behörden haben jetzt zwei Wochen Zeit, den neuen B-Plan 60 „Service- und Logistikzentrum Freienbrink Nord“ nebst Umweltbericht und Fachgutachten zu studieren und ihre Meinung bis zum 4. April im Rathaus einzureichen. Eine weitere Einwohnerbefragung dazu ist bisher nicht vorgesehen. Jedoch wird es eine außerordentliche Gemeindevertretersitzung am 23. April geben. Dort werden die Pläne erstmals diskutiert.
Mehr Wald soll erhalten werden
Teslas Werksgelände ist aktuell rund 280 Hektar groß und liegt östlich der Autobahn 10, zwischen der Landesstraße L38 im Süden und der Bahnstrecke Berlin – Frankfurt (Oder) im Norden. Der veränderte B-Plan 60, so wird aus der Begründung mit Umweltbericht deutlich, umfasst ein 99 Hektar großes Gebiet in Richtung Osten bis an die L23. Das entspricht rund 139 Fußballfeldern. Auf der Erweiterungsfläche sollen nun zwischen 31 bis 42 Prozent mehr Wald erhalten bleiben. Insgesamt umfasst der B-Plan rund 169 Hektar (237 Fußballfelder), da er auch 70 Hektar des aktuellen B-Planes 13 (1. Änderung) überplant.

Die Grafik zeigt, wie der veränderte B-Plan 60 „Service- und Logistikzentrum Freienbrink Nord“ im März 2023 angepasst wurde. Es bleiben mehr Waldflächen erhalten (grün), das Industriegebiet ist kleiner (grau) und das Gewerbegebiet ist ganz weggefallen. Der Bahnhofsvorplatz (gelb gestrichelt) wurde zudem erweitert und die Straßenführung von L386 und L23 (gelb) angepasst. Zudem kamen eine Gemeindestraße (gelb) als Anschluss an die L386 sowie eine Logistikzufahrt für Tesla (gelb) hinzu. Im grauen eingeschränkten Industriegebiet (GIe) ist der Bau des Güterbahnhofes vorgesehen. Er würde somit im Wasserschutzgebiet liegen.
Screenshot/Ankündigungs-Unterlagen, B-Plan 60„Service- und Logistikzentrum Freienbrink Nord“/Janine RichterDas ausgewiesene Industriegebiet für die Lager- und Logistikflächen von Tesla ist laut den Unterlagen deutlich kleiner dimensioniert. Hier sollen keine Produktionsanlagen entstehen, so die Papiere. Das Gewerbegebiet, wo einst mitarbeiterrelevante Einrichtungen, wie eine Betriebskita und ein Reparatur-, Wartungs- und Service-Zentrum vorgesehen waren, ist ganz weggefallen. Doch ein Satz lässt aufhorchen, nämlich, dass dafür „andere geeignete Standorte“ in der Nähe des Werksgeländes gefunden werden müssten.
Bahnhofsvorplatz bei Tesla wird vergrößert
Die Infrastruktur im direkten Umfeld des neu geplanten Bahnhofes Fangschleuse am Tesla-Werk wird im Vergleich zum aktuell gültigen B-Plan angepasst und optimiert. So wurde auch der Bahnhofsvorplatz um rund 1,9 Hektar vergrößert. Der Verlauf der neu zu bauenden L386 hat sich verändert. Von dort ist auch eine neue Logistikzufahrt aufs Werksgelände geplant sowie der Bau einer Gemeindestraße als Anbindung des Bahnhofsvorplatzes an die L386.
Güterbahnhof und drei Gleise vorgesehen
Auch die L23 soll aufgrund eines Versickerungsbeckens angepasst werden, heißt es. Der Güterbahnhof und die Werksgleise, die an den geplanten Übergabebahnhof der Deutschen Bahn andocken sollen, ist textlich im Bebauungsplan berücksichtigt, aber nicht konkret in den Karten verortet. Dazu wird es ein extra Planfeststellungsverfahren nach Eisenbahngesetz geben. Dennoch sind die Flächen für die Schienen nahe der L23 freigehalten. Die Gleisanlagen führen um den Wald herum, an der RE1-Strecke entlang zur L23 und wieder zurück. Im grauen eingeschränkten Industriegebiet (GIe) ist der Bau des Güterbahnhofes vorgesehen, um circa 75 Prozent des Gütertransportvolumens von Tesla über die Schiene abwickeln zu können.
„Die Lage des geplanten Übergabebahnhofs sowie die technischen Anforderungen an die Trasse der werkseigenen Anschlussbahn und einen unternehmenseigenen Güterbahnhof führen dazu, dass das geplante öffentliche Gleis weiter in Richtung Osten an die Grenze des Plangebiets verschoben werden muss“, steht in der Begründung.
Verband äußert Bedenken wegen Trinkwasserschutzgebiet
Zur Hälfte (93 ha, also 130 Fußballfelder) liegt der neue B-Plan noch immer im Landschaftsschutzgebiet „Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet“ und müsste bei Umsetzung der Pläne daraus ausgegliedert werden. Die Gemeinde hat dies bereits beantragt.
Der südliche Teil, nämlich 37,4 ha (entspricht 52 Fußballfelder) liegt nach wie vor im Trinkwasserschutzgebiet für das Wasserwerk Erkner, also die Wasserfassung Neu-Zittauer und Hohenbinder Straße. Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) hatte dazu bereits seine Bedenken in einer Stellungnahme formuliert, nämlich dass Schadstoffe aus dem Industriegebiet in den Boden und damit ins Grundwasser gelangen könnten.

So verläuft das Trinkwasserschutzgebiet unter dem Gigafactory-Gelände von Tesla. Der WSE zieht daraus das Trinkwasser für 170.000 Menschen in der Region. Es macht mehr als 22 Prozent des neuen B-Planes 60 aus.
Screenshot/Begründung B-Plan 60/Janine RichterDer Verband sieht durch die Tesla-Pläne das Trinkwasser für seine 170.000 Kunden im Verbandsgebiet in Gefahr. Zudem könne der WSE kein weiteres Trinkwasser für die Fabrik bereitstellen oder Abwasser entsorgen, hieß es, weil die Kontingente erschöpft seien. Diese Stellungnahme ist nicht in den Unterlagen zu finden.
Im veränderten B-Plan 60 heißt es dazu, dass „ohnehin nur ein geringer Wasserbedarf“ auf der Erweiterungsfläche zu erwarten sei, weil Tesla seine Abwässer aufbereite und wiederverwende. „Der Ausbau der Anlagen im Plangebiet wird schrittweise erfolgen und ist u.a. an den entsprechenden Ausbau der wassertechnischen Infrastruktur gekoppelt“, steht an anderer Stelle.
Hoffnungen würden auf laufenden regionalen und überregionalen Erkundungsinitiativen ruhen und dass es durch diese zu „einer Erhöhung der zur Verfügung stehenden Wassermengen“ käme. Man stütze sich dabei auf die vielversprechenden Grundwasservorräte bei Hangelsberg und Braunsdorf sowie auf eine Wasserfassung in Gusow. Noch immer stehe auch der Bau eines nahen Klärwerkes Umland im Raum. Dies werde in der AG „Wasserperspektiven östliches Berliner Umland“ des Umweltministeriums diskutiert, heißt es.
Stromversorgung für die Gigafactory soll erweitert werden
Interessant ist auch, dass die 5 ha große Fläche für das Edis-Umspannwerk erweitert und mit einem weiteren Zugang über die Gleise erschlossen werden soll. „Für die Sicherstellung einer ausreichenden Energielieferung sind Netzerweiterungen erforderlich“, steht geschrieben. Im Norden solle das Gelände um 10 Meter und im Westen um 33,5 Meter erweitert werden. Der einwöchige Stromausfall bei Tesla nach einem Brandschlag Anfang März dürfte diese Priorität noch einmal verdeutlicht haben. Näheres wird zur Stromversorgung in der Begründung nicht ausgeführt.

Das Umspannwerk in Freienbrink, welches Tesla und die Gemeinden versorgt, soll ebenfalls erweitert werden. Die Polizei sichert seit dem Brandanschlag das Gelände ab.
Janine RichterBei den neuen Unterlagen handelt es sich wieder um einen angebotsbezogenen Bebauungsplan – es ist kein klar definierter, vorhabenbezogener Bebauungsplan. Der Blick in Teslas Ansiedlungs-Vergangenheit zeigt, dass dies beispielsweise möglich macht, per Genehmigung aus einer Lagerhalle eine Batteriefabrik werden zu lassen. In der Begründung ist dies auch konkret dargelegt: „Die konkrete Nutzung bzw. Aufteilung der Flächen wird durch den Elektroautomobilhersteller erst im Rahmen der weiteren Standortplanung definiert werden können“, heißt es dazu an einer Stelle.





