Tesla Grünheide: Über 1000 Menschen bei Demo gegen Gigafactory-Erweiterung

Demo gegen Tesla in Grünheide: Über 1.000 Menschen haben sich am Bahnhof Fangschleuse versammelt.
Cornelius PapeDas Umweltbündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ hat am Sonntagnachmittag (10. März) in Grünheide gegen die geplante Erweiterung von Teslas Gigafactory demonstriert. Unter dem Motto „Tesla, nein danke!“ versammelten sich laut der Veranstalter über 1.000 Menschen vor dem Bahnhof Fangschleuse. Die Polizei vor Ort wollte diese Zahl auf Nachfrage nicht bestätigen.
Zu Beginn der Demonstration um 14 Uhr gab es zunächst zahlreiche Redebeiträge, in denen unter anderem die Grünheider Gemeindevertretung dazu aufgefordert wurde, das Votum der Bürger zu akzeptieren und umzusetzen. Mit 62,1 Prozent stimmte erst kürzlich eine klare Mehrheit gegen die Erweiterungspläne von Tesla. Zudem wurde sich mit der sogenannten Wasserbesetzung „Tesla stoppen“ solidarisiert. Die Initiative besetzt derzeit auf dem möglichen Erweiterungsgelände ein Waldgebiet.
Demo gegen Gigafactory-Erweiterung – scharfe Kritik an Tesla
„Mir macht es Mut, dass wir heute mit so vielen Menschen aus Berlin und Brandenburg gegen die Erweiterung demonstrieren. Es ist wichtig, dass sich so viele mit uns Menschen in Grünheide und mit der Wasserbesetzung solidarisieren“, sagte Manu Hoyer von der Bürgerinitiative Grünheide. Ein jüngerer Demonstrant kritisierte am Rande der Veranstaltung, dass hinter dem Ausbau der Gigafactory nicht die Bevölkerung mit ihren Wünschen stehe, sondern nur der Wille von Tesla-Chef Elon Musk. Eine ältere Demonstrantin hob hingegen den Wassermangel in der Region hervor. Die Gigafactory würde mit ihrem Verbrauch das schon bestehende Problem verschärfen.
Im weiteren Verlauf setzte sich der Protestzug kurz vor 15 Uhr in Bewegung. Ziel war das Rathaus in Grünheide. Mit dabei waren neben Grünheidern zahlreiche Personen aus anderen Teilen Brandenburgs und Berlins. Auch etwa 150 Menschen, die zuvor an einer Fahrrad-Demo von Erkner bis Fangschleuse teilgenommen hatten, schlossen sich dem Zug an. Auf den Schildern und Plakaten der Demonstranten stand unter anderem „Tesla, Golfplätzen und wasserintensiver Industrie den Hahn abdrehen“, „Kein CARpitalismus“ und „Die grüne Lüge stinkt zum Himmel, soziale Revolte statt Verkehrswende“.
Umweltaktivisten bemängeln „Verschwendung“ des Grundwassers
Vor der Demo fand im Camp der Waldbesetzer eine gemeinsame Pressekonferenz diverser Umweltaktivisten statt. Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative Grünheide distanzierte sich dabei unter anderem von dem wohl von Linksextremen verübten Brandanschlag auf einen Strommast, der zu einem Stromausfall auch in der Tesla-Fabrik führte. Seither ruht die Auto-Produktion. Gleichzeitig bemängelte er, dass der US-Konzern nicht in der Lage sei, einen Stromausfall zu kompensieren. „Die Gigafactory darf erst wieder in Betrieb gehen, wenn ein funktionierendes Störfallkonzept installiert wurde. Bis dahin ist die Betriebsgenehmigung auszusetzen“, so Schorcht weiter.
Eine Vertreterin der Initiative „Tesla stoppen“, die seit Ende Februar ein Waldstück östlich der Fabrik besetzt, betonte bei der Pressekonferenz, dass man sich der „weiteren Verschwendung und Verschmutzung des Grundwassers“ entgegenstelle. Sie kritisierte außerdem die Arbeitsbedingungen im Grünheider Tesla-Werk und in anderen Ländern, die nicht saubere E-Autos, sondern Leid erzeugen würden.
Waldbesetzer wollen Camp nicht räumen
Eine Waldbesetzerin sagte im Nachgang zu MOZ.de, dass man das Camp so lange aufrechterhalten werde, bis klar sei, dass die Gigafactory nicht weiter ausgebaut wird. Gleichzeitig betonte sie, dass die Besetzer nichts mit dem Anschlag auf den Strommast zu tun hätten. Politik und Medien würden jedoch Gegenteiliges suggerieren. Das sorge bei den Aktivisten im Camp auch für Angst. Sie rechne jedoch nicht damit, dass es zu einer Räumung durch die Polizei kommt.
Neben dem ganzen Protest gegen Tesla und die Gigafactory fand am Sonntagnachmittag aber auch eine Demonstration für den US-Konzern statt. Unter dem Motto „Gestalten statt verhindern“ versammelten sich mehr als 100 Menschen im Bürgerpark Grünheide. Mit der Veranstaltung wollten die Organisatoren ein Zeichen für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und Tesla setzen. Tesla sei mittlerweile ein integraler Bestandteil von Grünheide und ein Motor für Wohlstand.


