Tesla Grünheide: Vulkangruppe entschuldigt sich bei Einwohnern für Stromausfall

Ein Strommast mit Brandspuren steht auf einem Feld nahe Steinfurt (Gemeinde Gosen-Neu Zittau). Er versorgt unter anderem die sogenannte Gigafactory von Tesla mit Strom. Zur Brandstiftung bekannte sich die linkradikale „Vulkangruppe“.
Christophe Gateau/dpaDie als linksextremistisch eingestufte „Vulkangruppe Tesla abschalten!“ hat sich erneut auf dem Internetportal Indymedia.org zum Anschlag auf die Stromzufuhr der Gigafactory von Tesla geäußert. Die Gruppe wandte sich in einem Offenen Brief sowohl an die Bürgerinitiative in Grünheide, das Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ und die Baumbesetzer, als auch an tausende Einwohner, die vom Stromausfall betroffen waren. Während sie Erstere kritisierten, entschuldigten sie sich bei Letzteren.
Man erkenne die „Verunsicherung“ und den „großen Druck“ an, der nach dem Anschlag auf den Baumbesetzern im Tesla–Wald, dem Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“, den Umweltverbänden und der Bürgerinitiative Grünheide vor Ort laste sowie die Sorge darum, dass die lokale Bevölkerung sich von ihnen abwende. Die „Vulkangruppe“ spreche jedoch nur für sich und eine Distanzierung voneinander bezeichnen sie als „nicht sehr hilfreich“. „Es gibt keinen Grund, sich von unserer Aktion zu distanzieren, die Ihr nicht zu verantworten habt“, schreiben sie an die Aktivisten vor Ort.
Der „größte Druck“ läge indes auf der Vulkangruppe, die von den Ermittlungsbehörden verfolgt würden. Sie bezeichnen ihr Vorgehen an dem Strommast als „Recht auf Widerstand“. Zudem sei es eine „erfolgreiche Brandstiftung“ gewesen, sodass dieser Widerstand gegen Tesla und gegen das „Gesellschaftsmodell des ,zerstörerischen Fortschritts’“ nun international beachtet würde. „Der Totalausfall eines scheinbar unangreifbaren Giganten, sollte uns allen jenseits des Drucks, der auf uns lastet, Freudentränen in die Augen treiben und Mut machen“, schreibt die Gruppe.
Aufruf: Tesla–Gegner sollen zusammenhalten
Die Vulkangruppe sei „wichtiger Teil des Widerstandes“ und sie seien „keine Terroristen“, betonen die Linksradikalen. Das alles seien nur Stigmatisierungen der Politik, Wirtschaft und Polizei. Man denke auch nicht, dass die Vulkangruppe mit ihrem Anschlag der Sache an sich geschadet habe. „Wir haben die Gefährdung von Menschenleben ausgeschlossen. Die Aktion wäre niemals durchgeführt worden, wenn wir nur den leisesten Zweifel daran gehabt hätten“, schreibt die Vulkangruppe.
Die Linksradikalen beschwören, dass alle Tesla–Gegner zusammenhalten müssten. „Wir wollen nicht nur etwas verhindern. Wir alle sind zusammen in der Lage einen Richtungswechsel auf den Weg zu bringen. (...) Tesla stoppen geht nur gemeinsam“, heißt es. Gewaltfrei und militant sei für die Gruppe kein Widerspruch.
Bis hierhin ist der Brief eine Reaktion darauf, dass sich sowohl die Baumbesetzer–Initiative „Tesla stoppen“, als auch das Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ und die Bürgerinitiative Grünheide von dem Brandanschlag distanziert hatten.
Vulkangruppe entschuldigt sich bei Anwohnern
Am Ende des Briefes entschuldigt sich die Vulkangruppe dann bei den vom Stromausfall betroffenen Einwohnern und Kleinbetrieben. „Es gibt nur eine Sache, für die wir uns ausdrücklich entschuldigen möchten“, schreiben sie. „Wir haben keine Möglichkeit gesehen, die Aktion durchzuführen, ohne dass an die 5000 Haushalte und Kleinbetriebe fünf Stunden ohne Strom waren.“ Man habe vor der Aktion nicht überprüfen können, ob nur Tesla an dem Hochspannungsmast hing oder auch private Haushalte. „Es ging um Tesla, nicht um unsere Privathaushalte, in denen wir leben. Wir bitten alle Betroffenen um Entschuldigung.“
Am vergangenen Dienstag, 5. März, war ein Hochspannungsmast zwischen Steinfurt und Hartmannsdorf (Gemeinde Gosen–Neu Zittau) in Brand gesetzt worden, woraufhin die Stromversorgung bei Tesla ausfiel. Auch das Logistikzentrum von Edeka in Freienbrink und tausende Einwohner in den umliegenden Gemeinden, darunter Erkner, Schöneiche und Neuenhagen, waren vom Stromausfall betroffen. Zu dem Anschlag hatte sich die als linksextremistisch eingestufte Vulkangruppe bekannt und detailliert beschrieben, wie sie die Kabel des Mastes angriffen und das Feuer mit Autoreifen vergrößerten. Der Generalbundesanwalt ermittelt unter anderem wegen des Anfangsverdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.



