Tesla Grünheide
: Vulkangruppe bekennt sich zum Anschlag auf Strommast

UPDATE 15:17: Die „Vulkangruppe Tesla abschalten“ hat sich zum Anschlag auf einen Strommast nahe der Tesla Gigafactory bekannt. Die Baumbesetzer und andere Initiativen grenzen sich ab.
Von
Janine Richter,
Kerstin Ewald
Grünheide
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Zwischen Steinfurt und Hermannsdorf (Gemeinde Gosen-Neu Zittau) hat es einen Brandanschlag auf einen Strommast gegeben. Nun ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht.

Sebastian Gollnow/dpa
  • Tesla Gigafactory in Grünheide Ziel eines Anschlags auf Strommast.
  • Gruppe "Vulkangruppe Tesla abschalten" bekennt sich dazu.
  • Blogeintrag beschreibt genaue Vorgehensweise des Brandanschlags.
  • Ziel: Maximale Störung und Zerstörung der Gigafactory.
  • Kritik an Tesla: Ausbeutung und Umweltverschmutzung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer war es? Diese Frage beschäftigt gerade die Strafverfolgungsbehörden. Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf die Stromversorgung zwischen Steinfurt und Hartmannsdorf (Gemeinde Gosen–Neu Zittau) nahe der Gigafactory von Tesla in Grünheide prüft die Polizei ein Bekennerschreiben. Am Dienstagmittag ist es auf der als linksextremistisch eingestuften Website Indymedia.org aufgetaucht. Ein Link führte dort zum Blogeintrag von „Água de Pau“ (Name eines Vulkans auf der Azoren–Insel São Miguel) auf der Website „kontrapolis.info“.

„Wir haben heute Tesla sabotiert. Denn Tesla in Grünau frisst Erde, Ressourcen, Menschen, Arbeitskraft und spuckt dafür 6000 SUVs, Killermaschinen und Monstertrucks pro Woche aus“, heißt es dort von der als linksextremistisch eingestuftem „Vulkangruppe Tesla abschalten“. „Wir haben uns mit unserer Sabotage den größtmöglichen Blackout der Gigafactory zum Ziel gesetzt. Die Gefährdung unseres und das Leben anderer Menschen haben wir ausgeschlossen.“

Vulkangruppe beschreibt genaues Vorgehen bei Anschlag

Die Vulkangruppe, die sich als „verdeckte Sabotagegruppe“ bezeichnet, beschreibt im Internet genauestens, wie sie beim Brandanschlag vorgegangen ist. „Wir wollten die Freileitung eines Hochspannungsmastes in der Verbindung zu den Erdkabeln an den wasserdichten Kabelmuffen treffen und die sechs 110 kV Kabel darin kurzschließen“, so die Ausführungen. Man habe den Schacht zu den Kabelmuffen geöffnet, herausschauende Starkstromleitungen „flambiert“ und in Kombination mit Wasser „einen Kurzschluss fabriziert“.

„Gleichzeitig haben wir das Feuer groß und hoch, mit vielen Autoreifen angelegt, um die Stahlkonstruktion zu schwächen und eine Instabilität des Masts herbeizuführen“, heißt es. Es sei die Absicht gewesen, dass der Mast knickt, verdreht oder durchbricht, denn Reparaturarbeiten dieser Art seien langwierig.

Das Ziel: „die komplette Zerstörung der Gigafactory“

Der Brandschlag und die Abschaltung Teslas sei ein „Geschenk zum 8. März“. „Denn die komplette Zerstörung der Gigafactory und mit ihr das Absägen von „Technofaschisten“ wie „Elend Musk“ seien ein Schritt auf dem Weg der „Befreiung vom Patriarchat“, schreiben die Linksradikalen. Gemeinsam wolle man Tesla in die Knie zwingen.

In dem mehrseitigen Schreiben warf die Gruppe dem Unternehmen unter anderem „extreme Ausbeutungsbedingungen“ und eine Verseuchung des knappen Grundwassers der Region vor. Tesla–Chef Elon Musk sei ein „neuer Typus eines neoliberalen und patriarchalen, neokolonialen Raubtierkapitalisten dieses Jahrhunderts“ und wird als rassistisch, menschenverachtend und machtgierig beschrieben. „Die Kritiker:innen in den Wasserwerken, die Anwohner:innen, die Ökoaktivist:innen werden mundtot gemacht“, heißt es weiter. „Kein Tesla auf der Welt soll mehr sicher sein vor unserer flammenden Wut“, wird gedroht.

Sicherlich wird der Verfasser statt „Grünau“ Grünheide meinen und es sich bei „Elend Musk“ um Tesla-Chef Elon Musk handeln.

Laut der Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Potsdam, Pilz, ist dieses Bekennerschreiben bekannt. „Uns liegt ein Bekennerschreiben vor, das aktuell auf Echtheit geprüft wird“, sagte sie MOZ.de.

Baumbesetzer–Initiative „Tesla stoppen“ grenzt sich ab

Ein Besuch unseres Medienhauses im Camp der Baumbesetzer der Initiative „Tesla stoppen“ nahe des Bahnhofes Fangschleuse offenbart, dass man auch vor Ort von den Nachrichten überrascht wurde. „Wir hier haben aus dem Internet, aus den Medien, von dem Stromausfall heute Morgen erfahren“, sagt Pressesprecherin Lotta Nyman. Aktuell wisse man genau so viel wie alle anderen auch. Man habe sich im Camp besprochen und gemeinsam entschieden, nichts dazu zu sagen, bevor man nicht etwas Fundiertes wisse. Ihnen sei ja klar, dass jetzt ihre Haltung viele interessieren werde. „Deswegen haben wir die PM herausgeschickt, bevor man uns die Bude einrennt“, sagt sie. „Wir verfolgen alles in der Presse und leben weiter unseren Alltag.“

Mit der Polizei ist man weiter im Dialog, wie vorher auch. Das Besondere sei jedoch: Zwei Polizeiautos stünden an der Landstraße.

Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ will nicht spekulieren

Auch das Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ äußerte sich in einer Pressemitteilung, wollen sich aber nicht an Spekulationen beteiligen. Sie hätten vom Stromausfall in der Region Erkner aus den Medien erfahren. „Zu den Ursachen liegen dem Bündnis bislang keine Informationen vor und es äußert sich deshalb nicht zu Spekulationen“, heißt es. „Die Ansiedlung von Tesla verursacht viele Probleme und Konflikte, die von Anfang an nicht im Dialog mit den Bürger*innen gelöst wurden. Die Spannungen nahmen dadurch zu. Die jetzige Situation ist ein Ergebnis der Kommunikation und Politik der Landesregierung und von Tesla.“

Das Bündnis trete weltweit für Wasserschutz und eine Mobilitätswende ein und bestehe aus vielfältigen, unterschiedlichen Gruppen, „die mit diversen und kreativen Formen des Protests die Umwelt– und Klimaprobleme in Verbindung mit Tesla aufzeigen“ wollen würden. Im September 2023 sei das Bündnis gegründet worden und auch lokale Gruppen wie die Bürgerinitiative Grünheide oder die Wassertafel Berlin–Brandenburg seien darin vertreten. Als nächste Aktion seien ihrerseits sei eine große Demonstration am Sonntag, 10. März um 14 Uhr am Bahnhof Fangschleuse geplant.

Vulkangruppe für mehrere Anschläge verantwortlich

Tesla in Grünheide ist nicht zum ersten Mal das Ziel von linksextremen Aktivisten. Unbekannte Täter hatten bereits Ende Mai 2021 die Stromzufuhr zur Baustelle der Tesla–Fabrik gekappt. Nach dem Brand wurde ebenfalls auf Indymedia ein Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“ als Urheber des Feuers veröffentlicht. „Wir haben in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 2021 die Stromversorgung der Baustelle der Tesla–Giga–Fabrik in Grünheide bei Berlin gekappt, indem wir an sechs überirdisch verlegten Hochspannungskabeln Brand gelegt haben“, hieß es damals. Tesla sei weder grün, ökologisch noch sozial, lautete der Vorwurf. Das Feuer solle „die Lüge vom grünen Automobil“ aufdecken.

Der Berliner Verfassungsschutz rechnet die „Vulkangruppe“ dem linksextremen, autonomen Spektrum zu. „Wie das Ausbrechen eines Vulkans zielten die Taten jeweils darauf ab, alltägliche Funktionsabläufe stören zu wollen“, heißt es im Verfassungsschutzbericht dazu.

Aufruf Tesla anzuzünden verbreitet

Zum Produktionsstart von Tesla am 22. März 2022 gab es einen Kabelbrand an Bahnanlagen in Berlin–Wuhlheide. Der Zugverkehr musste zunächst komplett unterbrochen werden. Der RE1 wurde umgeleitet. Auch dazu gab es ein Bekennerschreiben. Am 7. Februar wurden zwei Teslas in Rummelsburg und am 8. Februar zwei Tesla–Ladestationen in der Vulkanstraße angezündet. Dazu hieß es ebenfalls von Linksextremen auf Indymedia: „Wir denken, dass Tesla ein ideales Ziel für unsere Angriffe ist.“

Tesla

Die Tesla Gigafactory Berlin (Giga Berlin / Gigafactory 4) in Grünheide (Oder-Spree) des US-Autobauers Tesla ist eine der größten Elektroauto-Fabriken in Deutschland. Baustart war Anfang 2020, die ersten Autos wurden im März 2022 an Kunden übergeben. Was gibt es Neues um die Fabrik?