Probefahrt im Tesla
: Mit 300 PS eine Stunde kostenlos rund um die Gigafactory

Eine Stunde kann man kostenfrei das Model Y von Tesla testen. Das Auto lässt sich einfach per App vor der Gigafactory freischalten. Und die Probefahrt gibt es (fast) ohne lästiges Verkaufsgespräch.
Von
Till Eichenauer
Grünheide
Tesla Testfahrt an der Gigafactory in Grünheide

Die Testfahrzeuge von Tesla sind direkt vor der Besucher-Lobby der Gigafactory in Grünheide. Wer ein Model Y für die Self-Serve-Probefahrt ausleiht, muss nach spätestens einer Stunde wieder dort sein und den Wagen per Kabel an die Ladesäule anschließen.

Till Eichenauer
  • Tesla bietet kostenlose 60‑Minuten‑Testfahrten im Model Y in Brandenburg an.
  • Abholung per App: Entriegeln am BER, in Teltow oder vor der Gigafactory in Grünheide.
  • Anmeldung läuft digital mit Führerscheinfotos, vor Ort zeigt die App den Wagenstandort.
  • Fahren ohne Begleitung, aber Anruf vom Vertrieb folgt oft am nächsten Tag.
  • Display zeigt Umgebung in Echtzeit, Assistenz-Extras sind in der Testfahrt deaktiviert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Heckantrieb mit 299 PS des Tesla Model Y drückt mich auf der A10 kräftig in den Sitz. Rechts an mir rauscht die Gigafactory vorbei. Die Beschleunigung kommt so überraschend, dass ich nach einer Sekunde schon wieder erschrocken vom Gaspedal gehe. Aber das Auto piept schon, weil ich schneller bin als die erlaubten 120 Kilometer in der Stunde.

Die Hürden, bis ich im nagelneuen Elektroauto saß und vom Parkplatz der Fabrik auf die Autobahn eingebogen bin, waren erstaunlich niedrig. Unter einer Probefahrt habe ich mir immer vorgestellt, dass mir ein wachsamer Händler auf dem Hof eines Autohauses erst mal aufwendig einen Neuwagen erklärt. Und mir danach beim Losfahren misstrauisch nachschaut und überlegt, ob ich mir den Neuwagen überhaupt leisten kann.

Bei Tesla ist das anders. Über die App des Herstellers kann man an einem von drei Standorten in Brandenburg einen Wunschtag auswählen und los geht es. Neben der Gigafactory in Grünheide stehen die Autos auch noch am Flughafen BER und in Teltow bereit.

Tesla Model Y an der Gigafactory mit dem Handy entriegeln

Bei der Reservierung soll man noch mit der Handykamera zwei Fotos des Führerscheins machen und schon ist die Bestätigung da. Meist sind am Vormittag sogar noch Plätze für den Nachmittag frei. Vor Ort geht alles schnell. Auf einer Karte im Handy wird einem der Weg zum Testfahrzeug angezeigt. Per Knopfdruck in der App entriegelt sich das Auto. Dann muss man nur noch dahinterkommen, wie die eingelassenen Türgriffe funktionieren.

Tesla

Die Tesla Gigafactory Berlin (Giga Berlin / Gigafactory 4) in Grünheide (Oder-Spree) des US-Autobauers Tesla ist eine der größten Elektroauto-Fabriken in Deutschland. Baustart war Anfang 2020, die ersten Autos wurden im März 2022 an Kunden übergeben. Was gibt es Neues um die Fabrik?

Drinnen muss ich erst einmal ein wenig auf dem fernsehgroßen Display herumtippen, bis sich das Auto bewegt. Wer will, bekommt hier Videoanleitungen in der Tesla-App zur Verfügung gestellt. Und wer die vollen 60 Minuten Testzeit auskosten will, sollte sich bereits vorher anschauen, um vor dem Losfahren keine Zeit zu verlieren.

Während der Fahrt zeigt der Bildschirm die Umgebung in Echtzeit an, mit Ampeln, Autos und Fußgängern – wie in einem Computerspiel. Welchen Vorteil, das beim Fahren hat, bleibt mir zunächst unersichtlich. Die Funktion lenkt eher ab, als dass sie hilft. Möglicherweise zeigt Tesla damit, welche Daten das Fahrzeug im Hintergrund für das autonome Fahren aufnimmt und verarbeitet.

Rechts das Testfahrzeug vor der Gigafactory. Kunden können die neue Version des Model Y kostenlos testen.

Rechts das Testfahrzeug vor der Gigafactory. Kunden können die neue Version des Model Y mit Heckantrieb kostenlos testen.

Till Eichenauer

Die „Full Self-Driving“-Funktionen wie automatischer Spurwechsel und Einparken werden bei der Testfahrt jedoch nicht aktiviert. Und auch wenn man sich einen Tesla kauft, muss man die Extras für 99 Euro pro Monat dazubuchen. Andere Qualitäten sind aber frei verfügbar: So zeigt beim Abbiegen und Einparken der Bildschirm alle Blickwinkel der neun Kameras, die im Tesla verbaut sind. Das könnte im Alltag ein Mehrwert sein.

39.999 Euro kostet das Model Y von Tesla

Nach einer Stunde rund um die Tesla-Fabrik ist die Zeit auch wieder abgelaufen. Von den vielen elektrischen Spielereien im Auto habe ich da sicherlich noch nicht alle ausprobiert. Vom Fahrgefühl habe ich da aber schon einen einigermaßen guten Eindruck, was man für die 39.999 Euro Neupreis bekommt. Das Auto fährt sich gut, die Beschleunigung ist wie in vielen E-Autos beeindruckend.

Was passiert, wenn man es nicht rechtzeitig nach 60 Minuten Probefahrt zurück zum Parkplatz der Gigafactory schafft, bleibt laut Tesla-Website vage. Dort heißt es nur: „Falls Sie das Fahrzeug bis zum Ende der Fahrt nicht zurückgeben, kann dies zum Verweigern zukünftiger Probefahrten oder zum Eingreifen der Polizei führen.“

Andere Händler wie der schwedische E-Auto-Bauer Polestar bieten ebenfalls unkomplizierte Probefahrten, per Online-Formular an. Jedoch muss man dafür zunächst nach Berlin fahren. Auch alle anderen Marken, wie VW, Mercedes oder der chinesische Hersteller BYD, die elektrische Autos anbieten, kann man probefahren. Hier läuft der Weg aber meist über Autohäuser und Händler. Die reinen Self-Serve-Probefahrten gibt es derzeit wohl nur bei Tesla.

Aber ganz ohne Verkaufsgespräch läuft auch die Probefahrt bei Tesla nicht ab. Man sollte nicht erschrecken, wenn am Tag nach der Fahrt das Handy mit einer unbekannten Nummer auf der Anzeige klingelt. Ein Tesla-Mitarbeiter ruft dann an und erkundigt sich, ob noch Fragen offen sind und ob man nun den Wunsch hat, eins der Autos auch wirklich zu kaufen.

Vielleicht hat diese niedrigschwellige Möglichkeit, einen Tesla zu testen, in jüngster Zeit tatsächlich den ein oder anderen Kunden überzeugt. Die Verkaufszahlen des amerikanischen Autobauers sind nach der Einführung des überarbeiteten Model Y in Europa in jüngster Zeit wieder nach oben gegangen. Auch ein Ausbau der Fabrik in Grünheide wurde angekündigt.