Weihnachten 2024 in KW
: Deshalb sind Hunde und Katzen keine Weihnachtsgeschenke

Wie niedlich sind Hundewelpen und Katzenbabys? Dennoch sind Tiere als Geschenk zu Weihnachten ein absolutes No-Go, sagt die Tiernothilfe KW - aus gutem Grund.
Von
Jana Scholz
Königs Wusterhausen
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Meistens ein fataler Fehler: Der Weihnachtsmann bringt statt Spielzeug einen Hundewelpen zum Fest. (Symbolfoto)

Tiere sind als Geschenk zu Weihnachten meistens ein fataler Fehler: Der Weihnachtsmann sollte zum Fest keinesfalls Hund, Katze oder Nager bringen. Auch 2024 nicht. (Symbolfoto)

Axel Heimken/dpa
  • Tiere als Weihnachtsgeschenke sind problematisch, warnt Tiernothilfe Königs Wusterhausen.
  • Sandra Perlet berichtet von ausgesetzten Tieren und überfüllten Tierheimen nach Weihnachten.
  • Tiere erfordern Zeit, Geld und Verantwortung; unüberlegte Anschaffungen führen oft zu Problemen.
  • Tierhilfe KW hilft bei vermissten und toten Tieren und bietet Trauerbewältigung an.
  • Experten raten zu Kuscheltieren statt echten Tieren als Geschenke.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Jedes Jahr werden immer wieder Tiere als Weihnachtsgeschenk unter den Weihnachtsbaum gesetzt. Ein kleiner Hundewelpe hier, ein süßes Kätzchen da. Oft lautet die Antwortet auf die Frage nach dem Warum, dass die Kinder sich soooooo sehr ein Haustier gewünscht hätten.

Allerdings ist die Anschaffung eine langfristige Entscheidung, die gut überlegt sein muss. Tiere sind Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, die Zeit, Geld und Verantwortung kosten. Und genau diese Dinge können viele nicht in ihre tägliche Routine integrieren. Meistens zum Leidwesen des neuen tierischen Familienmitglieds.

Hunde werden rund um KW ausgesetzt

Eine Situation, die Sandra Perlet aus Königs Wusterhausen zur Weißglut bringt. Als erfahrenes Mitglied der Tierrettung hat sie in den vergangenen Jahren immer wieder mit den Auswirkungen des Tierschenkens nach dem Weihnachtsfest oder spätestens vor den Sommerferien zu tun gehabt.

Da gebe es Hunde, die an Straßenlaternen angebunden werden oder Katzen, die in einem Karton mutterseelenallein im Wald abgestellt würden. „Bei uns startet jetzt die Hochzeit“, sagt die 36-jährige Ehrenamtlerin.

Die Liebe zum Tier kommt bei Sandra Perlet nicht von ungefähr. Schon als Kind wuchs sie mit Tieren und dem nötigen Respekt dafür auf. „Viele vergessen, dass ein Tier regelmäßig Futter, Streicheleinheiten und auch eine gewisse Erziehung braucht.“ Denn genau das ist der Punkt, warum es im Alltag für Menschen plötzlich unbequem wird mit dem neuen Haustier.

„Bei Hunden muss man vor der Arbeit am frühen Morgen eine Gassi-Runde einplanen, dann ist das Wetter nicht gerade gut und ein Welpe muss erstmal in das neue Zuhause eingewöhnt werden und pieselt aus Versehen auf den Teppich“, erzählt Sandra Perlet. Sie selbst hat eine Hündin namens Taya aus der Tierrettung adoptiert und weiß zu gut, wovon sie spricht.

So arbeitet das Tierhilfe-Team KW und Umgebung

„Wir werden meistens auf Facebook angeschrieben oder es gibt eine Meldung in einer unserer Whatsapp-Gruppen, dass ein Tier vermisst wird oder aufgefunden wurde. Dann gilt es, zu handeln. Wer gerade Zeit hat, düst los“, erzählt die Mutter von zwei Kindern. „Wenn wir lebende Fundtiere haben, schauen wir, dass wir den Chip auslesen können und über das Tierregistrierungsportal ‚Tasso‘ den Besitzer informieren können. Wenn aber erkenntlich ist, dass das Tier keinen Chip hat, geht die Reise ins nächstgelegene Tierheim.“

Gerade zum Jahresende seien viele Tierheime in der Region überfüllt. Was Sandra Perlet aber daran schätze, ist, dass zum Beispiel das Tierheim in Märkisch Buchholz von Mitte Dezember bis in den Januar einen Vermittlungsstopp hat. Das heißt, dass in dieser Zeit keine Tiere vermittelt werden, um unüberlegten Geschenken zu Weihnachten aus dem Weg zu gehen und die Tiere im Nachhinein entweder ausgesetzt oder zurückgebracht werden.

Sandra Perlet ist mehrmals die Woche für die Tierhilfe unterwegs. Häufig kümmert sie sich um tote Tiere. „Überfahrene Katzen gibt es häufig. Wenn dann eine Meldung kommt, gilt es hinzufahren und das Tier wenigstens nach einem Chip abzusuchen, damit der Besitzer informiert werden und gegebenenfalls Abschied nehmen kann.“ In den meisten Fällen werden die verunfallten Tiere dankbar Zuhause empfangen und bekommen ein Begräbnis.

Ist die Tierhilfe mal nicht zur Stelle, sei das Ordnungsamt für die Entsorgung zuständig sei. Und genau das, was man sich unter dem Wort Entsorgung vorstellen darf, passiere dann auch – das Tier werde entsorgt. Für Sandra Perlet und ihre ehrenamtlichen Helferinnen kommt das nicht infrage. Auf eigene Kosten fahren sie deshalb kilometerweit über die Grenzen von Königs Wusterhausen hinaus, um den Tieren nach Möglichkeit ein gutes, letztes Geleit zu ermöglichen.

Tierhilfe KW berät und hilft auch in der Trauerbewältigung

Auch Trauerbewältigung spielt bei Totfunden eine große Rolle. Das geliebte Haustier ist ein Familienmitglied. Es gehört zum Rudel dazu und genauso groß ist dann auch die Trauer, wenn der Fellnase etwas zustößt. Im Team der Tierhilfe ist Stine dafür verantwortlich, Menschen bei der Trauerbewältigung eine Hilfestellung zu geben. Den Kontakt zur Tierhilfe gibt es auf der Facebook-Seite.

Sandra Perlet und ihre Helferinnen engagieren sich alle ehrenamtlich in der Tierhilfe Königs Wusterhausen. Da sie selbst keine Spenden annehmen dürfen, erledigen die etwa 10 Mitglieder alle Fahrten und Arztbesuche auf eigene Kosten.

Sandra Perlet (2.v.l.) und ihre Helferinnen (Nicole, Andrea, Uschi, Corinna und Susan) engagieren sich alle ehrenamtlich in der Tierhilfe Königs Wusterhausen. Da sie selbst keine Spenden annehmen dürfen, erledigen die etwa 10 Mitglieder alle Fahrten und Arztbesuche auf eigene Kosten.

Sandra Perlet

Und auch dort werden in den kommenden Wochen wieder vermehrt Nachrichten eingehen, dass Tiere irgendwo angebunden sitzen. „Es ist tausendmal ratsamer, zu Weihnachten ein Kuscheltier zu verschenken und damit die Vorfreude zu steigern und dann gemeinsam das neue Familienmitglied auszusuchen“, rät die Expertin. „Denn bei aller festlicher Aufregung der Weihnachtszeit können Entscheidungen impulsiv getroffen werden. Ein Haustier sollte jedoch niemals eine spontane Anschaffung sein, sondern das Ergebnis sorgfältiger Überlegungen und Vorbereitungen.“