Nach der brutalen Tötung einer 80 Jahre alten Frau in Schöneiche bei Berlin (Oder-Spree) kurz vor Weihnachten ist an Heiligabend Haftbefehl gegen den 37-jährigen Enkel erlassen worden.
„Wir haben Haftantrag bei zuständigen Ermittlungsrichter wegen des dringenden Tatverdachts der Tötung gestellt“, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) am Dienstag auf Nachfrage mit. „Der Haftrichter hat den Haftbefehl erlassen.“ Die Festnahme des Tatverdächtigen stellt sich scheinbar brenzliger dar, als zunächst angenommen.
Der deutsche Mann sei dringend tatverdächtig, wird bestätigt, seine Großmutter, eine in der Gemeinde bekannte Hobby-Friseurin, getötet zu haben. Bereits am Samstag stand der Sprecherin zufolge das Ergebnis der Obduktion des Opfers fest. „Todesursächlich war massive Gewalteinwirkung.“ Weitere Einzelheiten wurden mit Verweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht benannt.
Nach MOZ-Informationen ist die alte Dame mit massiven Stichverletzungen in einem Häuschen ihres Grundstückes an der Watenstädter Straße aufgefunden worden, wo der Enkel gewohnt haben soll.

Sicherheitsdienst Bürgel-Grundschule nach mehreren Vorfällen

Ein älterer Mann, der bei der Seniorin einen Friseurtermin gemacht hatte, hatte am Freitagmittag (23. Dezember) die leblose Frau in Schöneiche entdeckt und die Rettungskräfte alarmiert. Bei dem Tatverdächtigen soll es sich um Stephan D. handeln, der wie seine Großmutter nahe der Bruno-Hans-Bürgel-Grundschule wohnte.
Er war nach MOZ-Informationen zuvor bereits mit Angriffen mit einer Axt auf Autos, auf Kinder-Fahrräder sowie durch eine Attacke auf eine Mutter mit Kinderwagen in der Watenstädter Straße aufgefallen. In diesem Zeitraum hatte es auch eine Explosion an der Grundschule gegeben, die nach ersten Polizeiangaben nur auf einen technischen Defekt zurückzuführen gewesen sein soll.
Wegen all dieser Vorfälle hatte die Gemeinde zuletzt einen Sicherheitsdienst beauftragt. Dieser war nach Auskunft von Schöneiches Bürgermeisters Ralf Steinbrück (SPD) zunächst bis zum 22. Dezember 2022 im Einsatz sowie wieder ab dem 4. Januar 2023, also zum Schulbeginn nach den Ferien, eingeplant. Ob der Dienst dann tatsächlich noch erforderlich sei, hänge von den weiteren Entscheidungen der Ermittlungsbehörden beziehungsweise der Gerichte zum Tatverdächtigen ab.

Enkel soll nicht Sozialarbeiter an Schule gewesen sein

„Es ist sehr traurig und bedrückend, dass es zu dieser Gewalttat gekommen ist. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen, die um das Opfer trauern. Die Serie der Ereignisse ist erschreckend, allerdings bleibt es den Ermittlungen vorbehalten, ob tatsächlich ein Verdächtiger für alles verantwortlich ist“, stellt Steinbrück klar. Aussagen von Nachbarn, nach denen Stephan D. an der Bruno-Hans-Bürgel-Grundschule gearbeitet haben soll, bestätigt er nicht. „Zu Personalangelegenheiten kann ich keine Auskunft geben. Allerdings möchte ich klarstellen, dass der Verdächtige nicht als Sozialarbeiter an der Bürgelschule gearbeitet hat“, sagt der Bürgermeister.
Laut Staatsanwaltschaft hat sich der Enkel bisher noch nicht zur Tat geäußert (Stand: 27. Dezember 12 Uhr). „Er macht von seinem Schweigerecht Gebrauch.“

Tatverdächtiger versucht, Waffe einer Polizistin zu entreißen

Bei der Festnahme des Mannes auf der B1 in Vogelsdorf war es nach Augenzeugen zu einer Schussabgabe gekommen. Dramatische Szenen wurden beobachtet: Die Polizei habe am Freitag aufgrund von Hinweisen von Nachbarn sofort die Fahndung nach einem blauen BMW mit MOL-Kennzeichen eingeleitet, da dieser am Tattag nahe dem Grundstück gesehen wurde. „Auf der B1 nahe Vogelsdorf stoppten Polizisten diesen Mann, nachdem sie fahndeten, der vermutlich in Zusammenhang mit diesem Tötungsdelikt steht“, sagt die Sprecherin. Die Polizisten hätten den Mann angesprochen und ihn aufgefordert, sich mit ausgestreckten Armen und Beinen auf den Boden zu legen, um ihn gefahrlos überprüfen zu können.
„Der 37-Jährige befolgte die polizeilichen Anweisungen nicht, näherte sich einer Beamtin und versuchte ihr die Dienstwaffe zu entreißen. In dieser Situation löste sich ein Schuss aus der Waffe, durch den der 37-Jährige an Hand und Oberschenkel getroffen wurde“, erläutert die Staatsanwaltschaft. Die Polizeibeamten leisteten daraufhin bis zum Eintreffen der Rettungskräfte Erste Hilfe. „Während dieses Festnahmegeschehens verletzten sich auch zwei Polizisten.“ Niemand der Beteiligten sei in Lebensgefahr, sagt die Staatsanwaltschaft. Nach MOZ-Informationen erlitt die Polizeibeamtin einen Schock.

Tatverdächtiger befindet sich im Haftkrankenhaus

Da der 37-Jährige verletzt ist, befindet er sich der Sprecherin der Staatsanwaltschaft zufolge derzeit im Haftkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt Brandenburg an der Havel.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun in diesem Fall wegen des dringenden Tatverdachts der Tötung sowie wegen des versuchten Raubes der Dienstwaffe, wegen des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, tätlichen Angriffs und Körperverletzung. Die kriminaltechnischen Untersuchungen würden laufen und Zeugen befragt.
Bezüglich der zahlreichen Vorkommnisse im Vorfeld des Tötungsdeliktes durch den 37-Jährigen wartet die Staatsanwaltschaft derzeit noch auf Auskünfte der Polizei. „Diese Fälle sind uns hier noch nicht von der Polizei vorgelegt worden. Das Tötungsdelikt ist bisher das einzig gegen den Beschuldigten vorliegende Delikt“, sagt die Sprecherin. In solchen Mordfällen würden die Tatverdächtigen psychologisch untersucht. Die Ergebnisse stehen noch aus.