Bürgermeister von Wildau privat
: So lebt Frank Nerlich, wenn er nicht im Dienst ist

Der Bürgermeister von Wildau hat selten freie Abende und Hobbys kommen meist auch viel zu kurz. So lebt Frank Nerlich, wenn er nicht im Dienst ist.
Von
Jana Scholz
Wildau
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Bügermeister Frank Nerlich ist seit mehr als 30 Jahren in seiner Stadt Wildau Zuhause. Für seine Bürger hat er regelmäßig ein offenes Ohr. In einer Kindersprechstunde kommen sogar die Kleinsten zu Wort.

Bürgermeister Frank Nerlich ist seit mehr als 30 Jahren in seiner Stadt Wildau zu Hause. Für seine Bürger hat er regelmäßig ein offenes Ohr. In einer Kindersprechstunde kommen sogar die Kleinsten zu Wort.

Katja Lützelberger
  • Wildaus Bürgermeister Frank Nerlich, 58, liebt Rammstein und Motorradtouren.
  • Aufgrund seines Jobs bleibt wenig Zeit für Hobbys und Familie.
  • Nerlich ist seit über 30 Jahren in Wildau zuhause, engagiert in Kita und Schule.
  • Sein Fahrrad und seine BMW 1100 GS bedeuten ihm Freiheit.
  • Drillinge und Politik brachten Veränderungen in sein Leben.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Job eines Bürgermeisters sieht nach außen hin sehr einfach aus. Eine kleine Geschäftseröffnung hier, dann einen Sektempfang dort und ab und an gibt es ein paar Sitzungen mit den anderen Mitarbeitenden des Rathauses. Dass jedoch die Arbeitstage von Frank Nerlich, parteiloser Bürgermeister in Wildau (Dahme-Spreewald) in das gängige 9-to-5-Büroraster fallen, ist äußerst selten.

Was auf der Strecke bleibt, ist das Privatleben. Dem 1966 geborenen Sohn eines Landwirts und einer Krankenschwester sind aus diesem Grund auch die freien Wochenenden mit seiner Familie heilig.

Doch von vorn. Wer ist eigentlich Frank Nerlich? „Ich war immer neugierig“, lautet Nerlichs erster Satz im Interview und ist auch mit ein Grund, warum er sich zu diesem privaten „Schwank aus der Jugend“ bereit erklärt hat. „Ich war schon immer ein Draußen-Kind“, erklärt er zu seiner Kindheit und Jugend, die der heutige Bürgermeister zunächst im Königs Wusterhausener Ortsteil Deutsch Wusterhausen auf einem Gutshof verbrachte.

Bürgermeister Nerlich: „Meine Freiheit ist das Fahrrad!“

Von dort aus ging es meist mit dem Fahrrad und den Klassenkameraden zum Fußball oder raus in die Natur. „Ich habe auch gern ein bisschen Blödsinn gemacht“, gesteht der 58-Jährige. Seinem Fahrrad ist er bis heute treu geblieben: „Ich fahre jeden Morgen mit dem Rad von Zuhause bis ins Rathaus. Das ist so in mir drin“, sagt er. „Zu Schulzeiten konnte ich wählen, ob ich Bus fahre oder das Rad nehme. Ich habe mich für das Fahrrad entschieden, es bedeutet für mich Freiheit.“

Die Liebe zum Drahtesel ließ den einstigen landwirtschaftlichen Betriebswirt im Jahr 2009 sogar in 14 Tagen von Prag nach Hamburg radeln. „Das war ein tolles Erlebnis. Da war ich dann teilweise nur für mich allein auf der Strecke. Zwischen Bad Schandau und Tangermünde begleitete mich meine Frau, das war ein absolutes Highlight“, erzählt Frank Nerlich. Nur ein Jahr später erblickten seine Kinder das Licht der Welt – Drillinge.

Seitdem verreist Nerlich samt Familie eher individuell. Cluburlaube mit Animationsprogramm sind nicht sein Ding: „Wir sind mit den Kindern viele Jahre immer mit Fahrrädern zur Ostsee hoch. Zunächst gab es einen Fahrradanhänger, dann hatten sie ihre Kinderräder dabei und inzwischen ist es so, dass die Kinder ein bisschen davon abgekommen sind. Mit 14 Jahren wollen sie nicht mehr ganz so viel Fahrrad fahren und wandern.“

Geburt der Kinder war Startschuss für Polit-Karriere

Seine drei Kinder waren es auch, die Frank Nerlich die kommunale Politik näher brachten. „Mit der Geburt war zunächst erst einmal alles anders. Unser Leben stand plötzlich Kopf“, erzählt der Wildauer Bürgermeister. Und ab dann ging es mit der Politik-Karriere steil nach oben.

Zunächst war es eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Kita ‚Am Markt‘ in Wildau. „Mir war es wichtig, nicht nur für die eigenen Kinder Gutes zu erreichen, sondern auch den Austausch mit anderen Eltern zu pflegen, um gemeinsam gesteckte Ziele zu erreichen.“ Für die Dauer von fünf Jahren war Nerlich also der Vorsitzende des Kitaausschusses.

„Als meine Kinder in die Schule kamen, übernahm ich das Amt des Gesamtelternsprechers. Dazu kam, dass ich sachkundiger Einwohner im Bildungs- und Sozialausschuss in Wildau wurde. 2019 wurde ich dann als Stadtverordneter gewählt.“

Nach knapp 30 Jahren in Wildau wusste Frank Nerlich, wo es drückt und wo man gemeinsam dran arbeiten kann, um etwas zu erreichen. Das Höchstmaß seiner Karriere war dann der Wahlabend im Jahr 2022, den Frank Nerlich erst im Rathaus verbrachte und anschließend als Hausparty bei sich im heimischen Wohnzimmer feierte.

Aber ein echter Partyhengst ist Nerlich nicht. „Zu wenig Zeit“, begründet er seine Abstinenz. „Zu den Geburtstagen der Kinder haben wir uns dafür starkgemacht, dass die drei eine tolle Party haben“, sagt er. „Aber jetzt bleibt man einfach zeit- und kraftbedingt auch mal Zuhause. Ich bin da ganz ehrlich, durch den Beruf bin ich froh, wenn man mal durchatmen kann.“

Motorradfahren und Rammstein-Konzerte

Wenn Frank Nerlich wirklich mal den Kopf frei bekommen möchte, dann setzt er sich auf sein Motorrad. „Es ist ein älteres Schätzchen. Eine BMW 1100 GS“, schwärmt er. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Teilchen, sie ist zuverlässig, obwohl sie alt ist, hat auch genug Kraft, aber nicht zu viel. Wenn ich eine Tour mache, dann fahre ich mal zum Golfplatz oder auf ein Eis.“

Freiheit auf zwei Rädern. Für Bürgermeister Nerlich ist es eines der schönsten Erlebnisse, durch die Natur zu düsen. Manchmal wird er sogar abwechselnd von seinen Kindern auf einer Tour begleitet.

Freiheit auf zwei Rädern. Für Bürgermeister Nerlich ist es eines der schönsten Erlebnisse, durch die Natur zu düsen. Manchmal wird er sogar abwechselnd von seinen Kindern auf einer Tour begleitet.

Frank Nerlich

Beim Thema Motorrad denkt man irgendwie auch automatisch an Lederkluft und Rockmusik. Und in der Tat mag der 58-Jährige die harten Rockklänge der Band Rammstein. „Ich höre gern mal Rammstein, aber nicht andauernd. Wir waren mit den Kindern sogar vor zwei Jahren in Prag beim Rammstein-Konzert. Das sollte man mal gemacht haben.“

Dennoch ist der Bürgermeister kein Heavy-Metal-Rocker. Neben den Balladen von den Pet Shop Boys und ab und an mal klassischer Musik, greift Frank Nerlich auch gern einmal selbst in die Tasten: „Ich spiele auch ab und zu mal Akkordeon. Das ist eher selten, aber wenn ich darauf Lust habe, greife ich mir die Kiste und spiele mir selber Musik.“ Herrlich ehrlich, dieser Frank Nerlich.

Rammstein sind derzeit auf Europatour. Nach Auftaktkonzerten in Prag (Bild) spielt die Band um Till Lindemann vier Shows in Dresden.

Rammstein waren in den vergangenen Jahren auf weltweiter Stadiontour. In Prag war sogar Wildaus Bürgermeister Frank Nerlich samt Familie unter den Konzertgästen. Was viele nicht wissen: Bevor die Band Rammstein weltberühmt wurde, lag deren Ursprung teilweise in unserer Region.

Paul Harries