Die Villa mit den Holzgiebeln und den Fensterläden steht nördlich des Bahnhofs Finkenkrug in Falkensee. Dort gehörte sie vermutlich zu den ersten Gebäuden der Villenkolonie Finkenkrug und wäre damit der Gründerzeit des Ortes zuzurechnen. Die Nähe zum Bahnhof könnte der sogenannten Stübing-Villa nun zum Verhängnis werden. Ein Parkplatz, vielleicht sogar ein Parkhaus, könnte hier gebaut werden. Gegen die Pläne regt sich Widerstand.
„Es handelt sich um ein ortsprägendes Gebäude“, sagt Alexander Ripp. Der Falkenseer möchte die Villa in der Karl-Liebknecht-Straße 130 erhalten und startete im Dezember letzten Jahres eine Online-Petition zu deren Schutz. 1.145 Unterschriften für einen Erhalt der Villa kamen zusammen. 899 der Unterzeichnenden leben in Falkensee. Damit ist das nötige Quorum erreicht.
Am Montag, 17. Januar 2022, übergab Ripp die Unterschriften an Bürgermeister Heiko Müller (SPD) und an den stellvertretenden Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung (SVV), Rainer Ganser (CDU). Ripp betonte dabei noch einmal, den Bürgerwillen, der in den 1.145 Unterschriften stecke. Der Verlust weiterer, historischer Bausubstanz solle vermieden werden, sagt er und auch, dass er sich eine weitere Nutzung der Villa für Kunst- und Kulturschaffende vorstellen könne.

Parkplätze könnten auch an anderer Stelle am Bahnhof entstehen

Ripp bittet den Bürgermeister und den stellvertretenden SVV-Vorsitzenden um eine neue Debatte und Bewertung in der SVV. Für einen Park- und Ride-Parkplatz an dieser Stelle sieht Ripp keinen Bedarf. Das Angebot für solche Parkplätze müsse neu überdacht werden, denn während der Pandemie war die Parkplatzsituation am Bahnhof Finkenkrug deutlich entspannter und sie sei es noch, begründet Ripp. Die Arbeit im Home-Office macht das Pendeln ins Büro vielfach überflüssig und es läge die Vermutung nahe, dass Arbeiten im eigenen Wohnraum für manche Berufe zur Zukunft gehören könnte.
Die sogenannte Stübing-Villa steht an der Karl-Liebknecht-Straße in Falkensee-Finkenkrug in der Nähe des Bahnhofs. Sie soll für Parkplätze weichen. Dagegen regt sich Widerstand.
Die sogenannte Stübing-Villa steht an der Karl-Liebknecht-Straße in Falkensee-Finkenkrug in der Nähe des Bahnhofs. Sie soll für Parkplätze weichen. Dagegen regt sich Widerstand.
© Foto: Silvia Passow
Die Stadt Falkensee hatte vor rund zwei Jahren das Grundstück nach einem entsprechenden Beschluss in der SVV gekauft. Mit Blick auf das Projekt „i2030“ soll das Parkplatzangebot an den Bahnhöfen erweitert werden. „Mehr Schiene für Berlin und Brandenburg“, verspricht das Projekt und auch der Bahnhof Finkenkrug würde dann an Bedeutung gewinnen. Laut Bürgermeister Müller soll ein Parkplatz auf dem Gelände das Parkangebot verbessern. Pendler vom Auto auf die Schiene bringen, sei doch schließlich eines der Ziele für die Zukunft, sagt Müller zu den Plänen. Dabei scheint das Grundstück nicht sonderlich groß. Sehr viele Autos würden nicht unterkommen, auch hier nennt der Bürgermeister eine Lösung: ein Parkhaus.

Villa zur Heimat von Projekten wie dem Jugend-Forum machen

Für Ripp liegt die bessere Lösung zum Parkplatzausbau auf der anderen Straßenseite. Wenn mehr Parkraum angeboten werden soll, dann auf bereits versiegelten Flächen, wie zum Beispiel auf dem Gelände des alten Penny-Marktes. In der Villa, sagt Ripp, könnten einige soziale und ehrenamtlich betriebene Projekte endlich eine dauerhafte Heimat finden, wie das bereits zweimal umgezogene Jugend-Forum oder die gerade erst wieder obdachlos gewordene Tiertafel.
Hierfür sei das Gebäude nicht im entsprechenden Zustand, sagt Müller und verweist auf Verordnungen für öffentliche Gebäude, zum Beispiel in Sachen Barrierefreiheit.

Wunsch, historisches Falkensee zu erhalten

In der Petition, die Teilnahme war nur Online möglich, wird auch sichtbar, warum sich die Menschen für den Erhalt der Villa aussprechen. In 378 Kommentaren lässt sich nachlesen, dass der Wunsch, die alten Gebäude zu erhalten, recht häufig genannt wird. Nicht selten ist der Wunsch mit der Kritik verbunden, es verschwinde immer mehr vom historischen Falkensee und werde durch nichtssagende Neubauten ersetzt. Die Idee, das Haus für öffentliche, künstlerische und soziale Projekte zu nutzen, findet hier regen Zuspruch.
In der nächsten SVV soll die „Stübing-Villa“ und ihre Zukunft auf der Tagesordnung stehen. Die Meinung zum Erhalt der „Stübing-Villa“ schätzt Rainer Ganser als geteilt ein. Auch in seiner Fraktion gäbe es Befürworter und Gegenstimmen. Bleibt also bis zum 26. Januar abzuwarten, ob und zu welcher Entscheidung die Stadtverordneten kommen.