Am wohl letzten heißen Tag dieses Jahres empfing Landrat Roger Lewandowski (CDU) hohen Besuch. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) war im Rahmen seiner Sommerreise durch alle Landkreise und kreisfreien Städte des Bundeslands nun im Havelland zu Gast.
Nachdem zunächst ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Landrat in Ribbeck anberaumt war, in dem der Ministerpräsident sich über aktuelle Themen im Kreis informierte, ging der Besuch in den Havelland-Kliniken in Nauen weiter. Hier bekam Woidke von Geschäftsführer Jörg Grigoleit und seinen Mitarbeitern nicht nur einen Bericht über deren Umgang mit Corona, sondern auch modernste Technik im Rettungseinsatz demonstriert, inklusive Probeliegen im RTW.

25 behandelte Corona-Fälle

Bis zum 16. September wurden an beiden Standorten der Havelland-Kliniken in Nauen und Rathenow insgesamt 25 Corona-Patienten behandelt. 24 davon in Nauen, einer in Rathenow. Drei infizierte Personen starben in der Klinik in Nauen. Vier Personen wurde von Nauen aus in andere Kliniken, etwa in die Charité nach Berlin verlegt. Dazu kämen noch 167 Verdachtsfälle, so Jörg Grigoleit.
Zu Beginn der Pandemie hat das Unternehmen einen internen Krisenstab gebildet und schnell ein Personalkonzept ausgearbeitet und Sonderbereiche in den beiden Kliniken ausgewiesen. Auch jetzt noch wird das Personal konsequent nur in bestimmten Bereichen eingesetzt. So will man eine eventuelle Ausbreitung des Corona-Virus über mehrere Abteilungen verhindern.
Gerade in der Anfangszeit habe es auch in der Unternehmensgruppe, zu der neben den Kliniken auch Pflegeheime gehören, Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Schutzausrüstung für das Personal gegeben. Allerdings sei es nie ausgegangen. Bei der Materialbestellung gehe man nun noch strukturierter vor, erklärte Grigoleit. Man halte nun für etwa 30 bis 60 Tage Material vor. Das Ziel, für 14 Tage alles Relevante auf Vorrat zu haben, sei damit bereits erreicht. Lobend erwähnt wurde die hauseigene Apotheke, die die Kliniken zumindest davor bewahrte, kein Desinfektionsmittel mehr zu haben. Dies habe man dort einfach selbst hergestellt.
Etwas, was Grigoleit dem Ministerpräsidenten auf jeden Fall mit auf den Weg nach Potsdam geben wollte, ist die Wichtigkeit der kleineren Krankenhäuser im Flächenland Brandenburg. Sie seien zwingend notwendig zur Absicherung der Gesundheitsversorgung. Dietmar Woidke steht zu den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag, die besagen, dass alle Krankenhausstandorte im Land Brandenburg erhalten bleiben sollen. Das Land wird im kommenden Jahr sogar mit 137 Millionen Euro Investitionen im Krankenhausbereich unterstützen. Das ist deutlich mehr Geld als zuvor in diesen Bereich geflossen ist.

Komplettumbau der Notfallmedizin

Wer derzeit in die Havelland-Klinik nach Nauen kommt, dem fällt die Baustelle am linken Flügel des Gebäudes auf. Wo früher Rettungswagen ihre Patienten anlieferten, steht nun ein Kran. Rund 15 Millionen Euro werden hier in einen Komplettumbau der Notfallmedizin investiert. Eine Hälfte des Geldes stammt vom Land, die andere finanziert die Unternehmensgruppe selbst.
Jörg Grigoleit sagte dazu scherzhaft, dass er eigentlich gedacht habe, in seiner Arbeitszeit mit dem erst 1998 eingeweihten Neubau von solch großen Baumaßnahmen verschont zu bleiben. Doch nach mehr als 20 Jahren sei der Umbau eben doch notwendig geworden. Sollte alles nach Plan laufen und keine weitere Pandemie dazwischen kommen, rechnet Grigoleit mit einer Fertigstellung im späten Frühjahr 2021.
Derweil werden Notfallpatienten natürlich nicht abgewiesen, sondern im rechten Flügel des Gebäudes in einer eigens eingerichteten Übergangslösung versorgt. Hier verbirgt sich in einem Zimmer auch eine der neuesten Errungenschaften der Klinik: der Telemedizin-Platz.

Der Notarzt wird live in den Rettungswagen geschaltet

Im Flächenland Brandenburg kann es sein, dass der Notarzt nicht immer so schnell vor Ort sein kann, wie er er eigentlich müsste. Um dem Ministerpräsidenten die Einsatzmöglichkeiten eines von Ferne zugeschalteten Arztes zu demonstrieren, hat das Notfallteam der Kliniken einen Fall simuliert, bei dem Ministerpräsident und Landrat dem Notfallmediziner über die Schulter sehen konnten.
Zum Fall: Ein Fußballer in Strodehne wurde bei einem Spiel schwer verletzt. Die Rettungssanitäter versorgten vor Ort das gebrochene Bein, jedoch klagte der Patient über starke Schmerzen. Aufgrund einer Vorerkrankung konnte er das eigentlich in diesem Fall von den Rettungssanitätern zu verabreichende Schmerzmittel aber nicht bekommen. Andere Schmerzmittel aus der Opiat-Familie darf nur ein Arzt anordnen. Bis nun ein Notarzt von Rathenow nach Strodehne gefahren wäre, um das Medikament anzuweisen, wären 25 Minuten vergangen. Der am Telemedizinplatz sitzende Arzt konnte dies nach einer Untersuchung innerhalb weniger Minuten tun.
Dazu hat der Arzt mehrere Kameras im Rettungswagen (RTW) und natürlich eine Sprechverbindung mit den Sanitätern und den Patienten. Der Notarzt selbst erscheint auf einem Monitor im Krankenwagen. Der Mediziner fragt alle relevanten Dinge ab, wie er es auch machen würde, wenn er vor Ort wäre und lässt sich mittels Kamera Details wie Pupillenreaktionen zeigen und weist dann die Sanitäter an, das Medikament in bestimmter Dosierung zu verabreichen.
Auch während der Patient zum Krankenhaus transportiert wird, ist der Arzt zugeschaltet und kann alles überwachen. Wie sich das für Patienten anfühlt, probierte der Ministerpräsident persönlich aus, indem er sich in den RTW legte, der sich natürlich nicht in Strodehne befand, mit dem Arzt in der Klinik kommunizierte und sich von den Rettungssanitätern die technischen Einrichtungen im RTW zeigen ließ.