1. Mai 2024
: Tausende Besucher bei Festen in Frankfurt (Oder) und Słubice

Tag der Arbeit und 20 Jahre EU-Osterweiterung: In Frankfurt (Oder) und Słubice zog es am 1. Mai Tausende zum Brückenfest und Europafest. Der Feiertag in der Doppelstadt hatte viel zu bieten.
Von
Thomas Gutke,
Selim Pekel,
Marlena Dumin
Frankfurt (Oder)
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Die Maifeierlichkeiten auf dem Holzmarkt waren bei Sommertemperaturen gut besucht. Auf zwei B?hnen gab es musikalische Unterhaltung.Auch k?rperlich konnte man sich am >Stand der Red Cocks auspowern.

Die Maifeierlichkeiten auf dem Holzmarkt waren bei sommerlichen Temperaturen gut besucht. Tausende strömten zum Brückenfest.

René Matschkowiak

Brause und Bier, Bratwurst und Bigos, dazu viel Musik und Kultur, und ein intensiver Austausch über Arbeit und Europa: Frankfurt (Oder) und Słubice präsentierten sich am 1. Mai in Feierlaune. Das Brückenfest auf der einen und das Europafest zum 20. Jahrestag der EU-Osterweiterung auf der anderen Seite der Oder ergänzten sich gut.

Mehrere Tausend Besucher strömten zu den beiden Polit-Partys, die ideal für einen ausgedehnten Spaziergang durch die Europäische Doppelstadt und über die Stadtbrücke waren – und das bei geradezu traumhaftem Wetter.

Brückenfest auf dem Holzmarkt am 1. Mai 2024

Das vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und Hochschulgruppen der Viadrina organisierte Brückenfest – das größte politische Volksfest in Brandenburg am 1. Mai – fand auch diesmal am Holzmarkt statt.

Der Grund: die andauernden Bauarbeiten auf der nördlichen Oderpromenade. Bereits kurz nach der Eröffnung mit der Fanfarengarde war es auf dem Festgelände zwischen Friedensglocke und Ärztehaus krachend voll. Familien schoben sich mit Kinderwagen durch die Menge, Ältere versuchten in der Sonne einen schattigen Sitzplatz zu ergattern.

Gewerkschafterin kritisiert zunehmende Gewalt gegen Retter

Vor allem für Kinder wurde viel geboten. Neben Eis und Zuckerwatte gab es Bastelstrecken und eine Hüpfburg. Bei den Red Cocks durften sich Interessierte in der Trendsportart Jugger ausprobieren. An Infoständen präsentierten sich neben dem DGB mehrere weitere Gewerkschaften, Vereine und Parteien aus Frankfurt – darunter Die Linke, SPD, FDP und Freie Wähler. Besonders voll war es bei der Satirepartei Die Partei, die mit ihren Kommunalwahlplakaten für allgemeine Erheiterung sorgten.

Die Maifeierlichkeiten auf dem Holzmarkt waren bei Sommertemperaturen gut besucht. Auf zwei B?hnen gab es musikalische Unterhaltung.Auch k?rperlich konnte man sich am >Stand der Red Cocks auspowern.

Am Stand der Red Cocks durften sich Interessierte sportlich auspowern und die Trendsportart Jugger ausprobieren.

René Matschkowiak

Die Rede zum 1. Mai hielt in diesem Jahr Anita Kirsten, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Brandenburg. „Seit über zwölf Jahren beklagen wir als Gewerkschaft nicht nur den akuten Personalmangel. Wir beklagen auch die zunehmende Gewalt, Respektlosigkeit und Diffamierung unseres Berufsstandes und der Blaulicht-Familie“, erklärte sie.

Gewalt gegen Polizeibeamte und Rettungskräfte sei immer auch ein Ausdruck von Gewalt gegen die Demokratie. „Wir erleben, dass sich immer mehr Menschen vom Staat abwenden. Wenn wir als Dienstleister in der Blaulicht-Familie unsicher sein müssen, ob wir am Abend nach unserem Einsatz noch nach Hause kommen, dann läuft etwas gewaltig schief“, fand Anita Kirsten deutliche Worte.

Bunte Mischung aus Politik und Volksfest auch in Słubice

Politisch engagiert ging es danach auch in mehreren Talkrunden auf dem Brückenfest zu. Auf den Podien nahmen unter anderem Betriebs- und Personalräte, Studierende der Viadrina und Kandidaten für die Landtagswahl im September Platz.

Ein Stand mit Backwaren der Mika-Bäckerei aus Kowalowa bei Slubice auf dem Europafest in Slubice.

Ein Stand mit Backwaren der Mika-Bäckerei aus Kowalowa bei Slubice auf dem Europafest in Slubice.

Marlena Dumin

Eine bunte Mischung aus Politik und Volksfest gab es ebenso auf der Słubicer Seite der Stadtbrücke beim Frankfurt-Słubicer Europafest im Umfeld des Collegium Polonicum. Die Grenzregion präsentierte sich kulturell und kulinarisch. Es gab Livemusik und viele Angebote für Kinder, wie etwa die Möglichkeit, die Doppelstadt mit 40.000 Legosteinen nachzubauen.

Anlass für das Europafest, über das am Nachmittag auch die Außenminister Deutschlands und Polens schlenderten, war der EU-Beitritt Polens vor 20 Jahren. Seitdem hat sich vieles verändert – zum Positiven, wie unter anderem Aleksandra Barkow bemerkte. Sie warb an einem Stand des Lebuser Regionalzentrums für Bauernbrote, Hefeteilchen und Käsekuchen der Mika-Bäckerei, 15 Kilometer von Słubice entfernt. „Dank der EU-Mitgliedschaft haben sich für Polen eine Reihe von Möglichkeiten eröffnet“, sagt sie. Auch ihre Bäckerei habe von EU-Fördermitteln profitiert.

Polnische Familie schätzt das Leben in der Doppelstadt

Nebenan verkaufte Miroslav Bec Wildfleisch aus der Lebuser Region. „Die EU-Mitgliedschaft Polens hat eine größere Marktpräsenz ermöglicht. Und unsere Bürger können sich freier bewegen“, ordnete der Unternehmer ein. Aber es gebe auch Nachteile, sagte er, ohne konkreter werden zu wollen. „An einem Tag wie heute konzentrieren wir uns auf die positiven Aspekte“, so Miroslav Bec.

„Heute ist ein wichtiger Feiertag“, meinte auch Karolina Owczarek, die mit ihrem Partner und ihren Kindern das Europafest besuchte. Die Doppelstadt an der deutsch-polnischen Grenze habe viel zu bieten, findet sie. Vor allem schätze die vielen Bildungsmöglichkeiten seien toll ‒ von Sprachkursen in den Kindergärten bis hin zu den Studiengängen an der Viadrina und im Collegium Polonicum.

Der EU-Beitritt Polens vor 20 Jahren wurde mit einem Europafest in Slubice gefeiert.

Der EU-Beitritt Polens vor 20 Jahren wurde mit einem Europafest in Slubice gefeiert.

Winfried Mausolf

Von einem besonderen Tag für Polen, aber auch für sie persönlich sprach Marta Stachowska, die ein Teil des Programms beim Europafest in Słubice für die Stiftung Collegium Polonicum mit auf die Beine gestellt hatte. „Ich habe Europastudien studiert. Die EU war mir immer sehr nahe“.

Stadtgespräch: Frankfurt (Oder) & Słubice
Freitag um 13.30 Uhr
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