AfD-Ärger
: Oberbürgermeister René Wilke verteidigt Frankfurt-Konzert von Feine Sahne Fischfilet

3500 Zuschauer kamen Ende Dezember zu Feine Sahne Fischfilet in Frankfurt (Oder). Der AfD schmeckte das Konzert nicht.
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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Gut besucht war der Auftritt von Feine Sahne Fischfilet am 27. Dezember in der Messehalle in Frankfurt. Auch OB René Wilke war da, um sich, Zitat, "einen persönlichen Eindruck" von der Musik zu verschaffen. Die AfD machte das Konzert und eine Veranstaltung zur Seenotrettung im Vorfeld jetzt zum Thema in der Stadtverordnetenversammlung.

Thomas Gutke

Drei Vertreter der AfD-Fraktion – Wilko Möller, Ingolf Schneider und Andreas Suchanow – hatten damals an einer Diskussion zum Thema Seenotrettung im Vorfeld des Auftritts teilnehmen wollen, wurden jedoch vom Veranstalter am Eingang abgewiesen. AfD-Stadtverbandschef Möller forderte nun eine Erklärung von Oberbürgermeister René Wilke (Linke), der am Konzertabend ebenfalls vor Ort war. Außerdem wollte der Rechtsaußen-Politiker wissen, wie René Wilke zu den vermeintlich „fragwürdigen Textinhalten von Feine Sahne Fischfilet“ stehe. Möller warf dem OB hier indirekt vor, eine Band zu unterstützen, die „vom Verfassungsschutz beobachtet wurde und sich durch extremistische und z. T. gewaltverherrlichende und sexistische Texte auszeichnet“.

Zu dem Konzert der Politpunkrocker um Sänger Jan Gorkow am 27. Dezember kamen mehr als 3 500 Besucher. Die Band aus Mecklenburg-Vorpommern macht sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus und für Flüchtlingsinitiativen sowie ein tolerantes Miteinander stark. Mit provokativen Texten sorgen sie dabei auch regelmäßig für Kontroversen, erfahren jedoch für ihr Engagement gerade aus der Politik auch viel Unterstützung.

In der schriftlichen Antwort auf die Anfrage, die nun vorliegt, erklärt die Stadtverwaltung, dass der OB es begrüßt hätte, „wenn die drei Herren der AfD den Vortrag zum Thema Seenotrettung gehört hätten. Dabei war einiges zu erfahren, was den Wissenshorizont der Herren um bedeutende Elemente hätte erweitern können“. Seinen Standpunkt habe René Wilke auch den Veranstaltern – es handelte sich um die kürzlich mit dem Amnesty-Menschenrechtspreis ausgezeichnete Seenotrettungscrew Juventa10 – gegenüber dargelegt. Diese trafen jedoch eine andere Entscheidung und machten von ihrem Hausrecht Gebrauch, „was zu respektieren war“. Denn offenbar gab es die Sorge, dass die Veranstaltung „für antidemokratische Zwecke missbraucht“ werde.

Stadtverwaltung Frankfurt verteidigt die Kunstfreiheit

Dass Feine Sahne Fischfilet in den Verfassungsschutzberichten des Landes Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 2011 bis 2015 Erwähnung gefunden hätten, „ist unbestritten“, schreibt die Stadtverwaltung. „Genauso wie die Tatsache, dass dies seither nicht mehr der Fall war.“ Bekannt sei ebenso, „dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Jahr 2018 dazu aufrief, ein Konzert in Chemnitz zu besuchen, bei dem diese Band teilnahm“. Der OB habe, heißt es in dem mit ironischen Zwischentönen gespickten Schreiben an die AfD, das Konzert besucht, „um sich einen persönlichen Eindruck von ihren Inhalten und ihrer Musik zu verschaffen“. Im aktuellen Konzertrepertoire von Feine Sahne Fischfilet fänden sich dabei seiner Beobachtung nach jedenfalls „keine extremistischen, gewaltverherrlichenden und sexistischen Bezüge“.

Kunstfreiheit sei ein hohes Gut, stellt die Stadtverwaltung klar. Eine Diskussion darüber, künstlerische Ausdrucksweisen und –formen ohne rechtlichen Anlass zu unterbinden, „verbietet sich“. Die Verwaltung erinnerte die AfD-Fraktion an Artikel 5 des Grundgesetzes: Eine Zensur findet nicht statt.