Corona-Krise: Fanfarengarde Frankfurt (Oder) nimmt Probenbetrieb wieder auf
Die Corona-Krise hatte auch den Betrieb des über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Musikvereins wochenlang auf Eis gelegt. Am 29. Februar gab es noch eine große Benefizveranstaltung für ein neues Netzwerk, das Kultur- und Bildungsangebote der Doppelstadt bekannter machen will. Die Proben für die nächsten Auftritte liefen, ein Wochenendlehrgang in Polen stand an, ebenso eine Nachwuchssichtung. Dann kam der Lockdown, der Probenbetrieb wurde eingestellt, Auftritte bis auf Weiteres abgesagt. Auch der geplante Höhepunkt der Saison, die Deutsche Meisterschaft der Majoretten Mitte Juni in der Brandenburghalle, fiel flach. „Hunderte Teilnehmer vor allem von Vereinen aus Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hatten sich angekündigt, der Ball rollte schon“, sagt Hans-Jörg Laurisch, künstlerischer Leiter der Fanfarengarde. Jetzt soll die Großveranstaltung – eine Premiere für Frankfurt – nächste Jahr stattfinden.
Gleich zu Beginn hatte der Verein – der auch ein kleiner Wirtschaftsbetrieb ist – Corona-Soforthilfe beantragt. Denn ohne Veranstaltungen fehlt es der Fanfarengarde an fest geplanten Einnahmen. „Wir haben von dem gezehrt, was noch auf dem Konto war“, sagt Laurisch. Vor wenigen Tagen gab es dann von der Investitionsbank des Landes die erlösende Zusage. „Damit sind wir jetzt für den Mai und den Juni erst einmal den Berg. Wir können die Miete und das Gehalt für unsere Mitarbeiterin bezahlen“, sagt der künstlerische Leiter. Sein Arbeitsplatz wird hauptsächlich von der Stadt finanziert, die dem Verein in der Krise bestmöglich zur Seite gestanden habe. Doch die Teilzeit-Stelle in der Geschäftsstelle hing krisenbedingt am seidenen Faden. „Kurzarbeit wäre eine Möglichkeit gewesen, doch damit hätten wir uns selbst das Wasser abgegraben. Schließlich kümmert sie sich um unsere Finanzen, Mitgliedsbeiträge, Sponsorenverträge, Abrechnungen“, erklärt Hans-Jörg Laurisch.
Der künstlerische Leiter freut sich nun über die ersten Schritte Richtung Normalbetrieb, Erste größere Auftritte plant Laurisch für Ende August, Anfang September. 120 bis 130 Kinder und Jugendliche sind bei der Fanfarengarde als Mitglieder aktiv. Über weitere Musik- und Tanzprojekte an Schulen erreichte die Fanfarengarde zuletzt sogar mehr als 300 Mädchen und Jungen. „Es ist schwierig, ohne regelmäßige, gemeinsame Proben alle beisammen zu halten. Jeder hat ja auch mit sich zu tun“, so Laurisch. Untätig jedoch waren die Mitglieder der Frankfurter Fanfarengarde trotz Krise keineswegs. „Das Vereinsleben hat sich hauptsächlich digital abgespielt. Wir haben eine Intranetseite für die Musiker eingerichtet, Anleitungen zum Proben ins Netz gestellt, angefangen, ein digitales Fotoarchiv aufzubauen, einen Podcast einzurichten und vieles mehr, das wir auch nach der Krise beibehalten und weiter ausbauen wollen.“
Bühne bekommt neuen Anstrich
Auch im Haus der Musik war es in den letzten Wochen nicht vollkommen ruhig. Um Platz für technische Komponenten einer Solaranlage zu schaffen, wurden im Keller des Gebäudes Räume leer gezogen. Das mit der Wohnungswirtschaft und den Stadtwerken abgestimmte Projekt befinde sich „auf der Zielgeraden“, berichtet Laurisch. Außerdem entrümpelten Vereinsmitglieder Räume hinter der Bühne und bereiteten die Bühne im großen Saal – den zu DDR-Zeiten die Bezirksleitung des MfS für Kino-Vorführungen nutzte – für einen neuen Anstrich vor. Die Malerinnung habe hier ihre Unterstützung zugesagt. Schritt für Schritt soll anschließend auch die veraltete Veranstaltungstechnik erneuert werden. „Doch dafür steht die Finanzierung noch nicht“, so Laurisch.
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