Demo in Frankfurt (Oder): Gegen Rechtsextremismus – Teilnehmer warnen vor der AfD

"Frankfurt bleibt bunt": Der Demonstrationszug gegen Rechtsextremismus zog am Sonnabend (7.9.) durch Frankfurt (Oder).
Philipp StepputtisDas Erstarken der AfD besorgt offenbar viele Menschen in Frankfurt (Oder). Unter dem Motto „Stabil bleiben – gemeinsam für Demokratie“ organisierte daher das Bündnis „Frankfurt bleibt bunt“ eine Demonstration für Demokratie und gegen Rechtsextremismus. Es ist bereits die dritte in diesem Jahr.
Circa 100 Teilnehmer trafen sich am Sonnabend (7.9.) um 13 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Organisatorin Charlotte Grünberg rief in einer Rede „alle demokratischen Parteien“ dazu auf, die sogenannte Brandmauer zur AfD aufrechtzuerhalten, also nicht mit ihr zu koalieren. Die AfD sei keine Partei der kleinen Leute, sondern wolle den Sozialstaat abschaffen und Politik für Großkonzerne machen. „Der Faschismus bedroht Deutschland erneut. Die AfD erstarkt nicht nur im Osten“, sagte sie. Eine AfD an der Regierung würde das Land zum Negativen verändern und politisch polarisieren, lautete ihre Befürchtung.
Demonstranten in Frankfurt (Oder) befürchten wieder Faschismus in Deutschland
Mit Sprechchören „Alle zusammen gegen den Faschismus“ zog die Menschenmenge über die Bahnhofstraße, Heilbronner Straße und Logenstraße in Richtung Rathausplatz. Zum Teilnehmerfeld gehörten links eingestellte Menschen, auch einige Flüchtlinge nahmen teil sowie Parteivertreter. SPD-Bundestagsabgeordneter Mathias Papendieck lief mit, ebenso Stadtverordneter Jan Augustyniak von den Linken und Matthias Steinfurth, Stadtverordneter der SPD und Direktkandidat im Wahlkreis 35/Frankfurt (Oder) bei der Landtagswahl.

Circa 100 Personen beteiligten sich am Samstagmittag (7.9.) an dem Demonstrationszug vom Bahnhof Frankfurt (Oder) zum Rathausplatz.
Philipp StepputtisMathias Papendieck sagte am Rande, dass die AfD mit ihrem Verhältnis zur Presse offenbare, wes Geistes Kind sie sei. So habe der Thüringer AfD-Landesverband unter Björn Höcke die Presse von der Wahlparty nach der Landtagswahl ausgeladen. Diese Einschränkung der Pressefreiheit offenbare ein problematisches Rechtsstaatsverständnis. Einige Politiker der Partei würden nur noch mit ihnen genehmen Pressevertretern wie dem rechtsextremen Compact-Magazin sprechen oder sich von parteiinternen Social-Media-Mitarbeitern interviewen lassen, kritisierte er.
Neo-Nazis stören Demokratie-Fest mit Antifuchs in Frankfurt (Oder)
Die Veranstaltung in Frankfurt (Oder) ging noch bis in die Abendstunden. Denn auf die Demonstration folgte eine bunte Kundgebung. Mit Lesungen von Schauspielerinnen, Podiumsdiskussionen und Music-Acts hatten die Veranstalter von „Frankfurt bleibt bunt“ ein Demokratie-Fest organisiert. Am Rathausplatz diskutierte unter anderem Oberbürgermeister René Wilke über die Frage, wie groß der demokratische Konsens in der Stadt sei. Der OB lobte und verteidigte diesen. Dabei sei es wichtig, zwischen Demokraten „Korridore zu öffnen“. Gelungen sei dies in Frankfurt (Oder) im Februar, als Menschen aus einem breiten politischen Spektrum gegen die Pläne der AfD demonstriert hatten, Menschen mit Migrationshintergrund abzuschieben*.

Die Demonstration gegen Rechtsextremismus ging vom Bahnhof Frankfurt (Oder) durch das Zentrum zum Rathausplatz. Etwa 100 Personen nahmen daran am Sonnabend (7.9.) teil.
Winfried MausolfGegen 16 Uhr trat mit der Newcomerin Antifuchs ein Act auf, den kaum einer in Frankfurt (Oder) erwartet hätte. Millionen Fans auf Youtube feiern die 35-Jährige Rapperin. Wie auch später die überregional bekannten „Toten Crackhuren im Kofferraum“ forderte Antifuchs alle auf, bei der Landtagswahl am 22. September „unbedingt wählen“ zu gehen.
Veranstalter Oliver Kossack zeigte sich am Ende des Demokratie-Fests zufrieden: „Wir haben Demokratie gelebt und Demokratie gefeiert und unterschiedliche Sichtweisen auf unser Zusammenleben gehört“. Kossack lobte besonders die Vereine und engagierten Frankfurter in der Ziviligesellschaft. Musikalisch hingegen fand er an diesem Abend Korridor am besten, „die haben mich total mitgenomen“. Kossack habe sie schon einmal im FForst spielen gehört und seitdem nicht vergessen können. Auch bei den bis zu 300 Kundgebungs- und Konzertbesuchern an diesem Sonnabend ist die Band aus Frankfurt (Oder) gut angekommen.
Das Demokratie-Fest wurde allerdings von vier Neo-Nazis gestört. Vier große, sehr bullige Männer mit engen schwarzen T-Shirts bauten auf dem Bürgersteig zuerst eine bedrohliche Präsenz auf und schubsten schließlich sogar Security. Nahe der Polizei musste das Quartett den restlichen Abend verbringen. Wie von Ordnern der Kundgebung zu erfahren war, sei mindestens einer der Neo-Nazis bekannt. Er habe schon einmal eine Kundgebung in der Gegend angegriffen und gewaltsam gestürmt.
Europa-Universität Viadrina unterstützt die Initiative
Die Viadrina sprach sich im Vorfeld für „Demokratie, für Weltoffenheit und Toleranz“ sowie gegen „Rechtsextremismus, Ausgrenzung, Spaltung und Hass“ aus. Auch Studenten der Viadrina würden in der Oderstadt rassistisch beleidigt und angegriffen, es gebe rassistische Schmierereien auf dem Campus. Viadrina-Vizepräsidentin Janine Nuyken sagte: „Einem Klima von Hass und Gewalt in der Universität und der Doppelstadt gilt es rechtzeitig, entschieden und gemeinsam entgegenzutreten.“
* In einer früheren Version stand, OB Wilke habe von einem demokratischen Konsens von Antifa-Linken bis zur CDU gesprochen. Dies trifft so nicht zu. Deswegen haben wir den Satz entfernt und bitten um Entschuldigung.
