Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: Wen Ulrich Junghanns aus Frankfurt (Oder) im Film doubelte

Ulrich Junghanns vor seinem Fernseher, es läuft: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (Bild aus dem Jahr 2014)
Michael BenkVor genau 50 Jahren wurde ein Märchenfilm gedreht, der zu einem echten Weihnachtsklassiker geworden ist – „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Über Weihnachten ist die deutsch-tschechische Koproduktion aus dem Jahr 1973 in den öffentlich-rechtlichen Programm wieder auf zahlreichen Sendeplätze zu sehen – und auf Netflix oder Amazon Prime ist der Kultfilm ohnehin inzwischen jederzeit verfügbar.
Eine ganz besondere Beziehung zu Aschenbrödel hat Ulrich Junghanns aus Frankfurt (Oder). 2014 erzählte er der Märkischen Oderzeitung ausführlich, wie er zu der Nebenrolle kam. Mit seinem Einverständnis veröffentlichen wir den damals entstandenen Beitrag zum runden Jubiläum des Films noch einmal leicht angepasst. Denn: „Es ist eigentlich alles gesagt“, findet der 67-Jährige heute – der natürlich immer noch jedes Jahr zur Weihnachtszeit im Freundes- und Bekanntenkreis auf seine kurze Filmkarriere angesprochen wird…
Verliebt in Aschenbrödel – wann Junghanns seine kurzen Auftritte hat
„Mein Gott, wir waren alle so verliebt“, sagt Ulrich Junghanns und blickt lachend auf den Fernsehschirm. „Sie war aber auch wirklich eine blühende Schönheit.“ Gerade nennt Libuše Šafránková (1953-2021) alias Aschenbrödel dem Prinzen das dritte Rätsel, um dann vom Ball zu fliehen.
Und diese Flucht und die waghalsige Verfolgung durch den Prinzen und seine Begleiter sind dann jene Szenen, in denen Ulrich Junghanns seine großen Auftritte hat. Welche zwar jeweils nur wenige Sekunden dauern, für die er aber auf Schloss Moritzburg für mehrere Tage zum Schauspieler wird. „Na ja, Schauspieler ist doch etwas zu hoch gegriffen“, winkt der einstige Brandenburger Wirtschaftsminister (CDU/2002-2009) ab, „ich war Komparse und Double.“
Lehrlinge und Mitarbeiter als Mitglieder des königlichen Gefolges rekrutiert
Damals, 1973, wird er im Hengstdepot Moritzburg zum Facharbeiter für Pferdezucht und Leistungsprüfung ausgebildet. Reiten kann er seit seinem achten Lebensjahr, wächst in seinem thüringischen Heimatdorf Dothen mit Pferden auf. Als die Filmleute in Moritzburg Komparsen suchen, werden die Lehrlinge und Mitarbeiter zunächst als Mitglieder des königlichen Gefolges rekrutiert, für eine Massenszene. „Ich war Standartenreiter“, erinnert sich der Unternehmer, „trug ständig eine Fahne.“
Plötzlich steigt sein Pferd nach oben – und der junge Ulrich rutsch rückwärts runter, plumpst auf den Boden. „Mein Pferd haut ab, der Armpanzer rutscht mir übers Handgelenk und ich kann mich nicht bewegen, liege hilflos auf dem Rücken wie ein Maikäfer“, verrät er. Die Szene wird noch mal gedreht und alle glauben: Okay, das war’s. Fertig. Und damit irren sie sich.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Szene mit Ulrich Junhanns (li.), der einen der Prinzen doubelt
Repro//Tino OschakDenn wenige Tage später stehen die Filmleute wieder auf dem Hof. Weil für den Prinzen und seine beiden Begleiter Doubles gebraucht werden. Sie können zwar reiten, doch der Galopp die lange Schlossrampe herunter ist so gefährlich, dass der Regisseur keine Verletzungen seiner Hauptdarsteller riskieren möchte. „Wir haben uns also alle in einer Reihe aufgestellt“, erzählt Ulrich Junghanns. „Größe, Statur, alles wurde abgeglichen. Schon war ich einer der Auserwählten.“
Kein Schnee in Sachsen – weshalb die Filmcrew improvisiert
Auserwählt, um in der Rolle des Jünglings im grünen Rock zu reiten. „Ich musste dafür Strumpfhosen tragen, und das als junger Mensch von 17 Jahren. Wir haben uns fast krankgelacht!“
Sendetermine 2023 von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“
■ 24. Dezember, 13:15 Uhr im Ersten
■ 24. Dezember, 15:15 Uhr im NDR
■ 24. Dezember, 20:15 Uhr im WDR
■ 25. Dezember, 9:40 Uhr im Ersten
■ 25. Dezember, 16:40 Uhr im MDR
■ 25. Dezember, 23 Uhr im SWR
■ 26. Dezember, 16:35 Uhr im RBB
Alles andere als zum Lachen ist dann aber das, was die Regie den Doubles abverlangt. In waghalsigem Ritt stürmen sie, mit Fackeln in der Hand, die Rampe des Schlosses Moritzburg herunter. „Das war schwierig, in schnellem Galopp auf sehr glattem Stein, und der Kameramann wollte wieder und wieder eine Wiederholung.“ Mal geht eine Fackel aus, mal stimmt der Abstand der Reiter nicht, dann ist einer der Reiter zu weit entfernt vom Geländer. „Wir hatten irgendwann die Nase voll.“
Was durchaus wörtlich genommen werden kann: Denn anders als an den tschechischen Drehorten liegt in Sachsen kein Schnee. Die Filmleute improvisieren – mit Fischmehl. „Das hat fürchterlich gestunken“, erinnert sich Ulrich Junghanns. Doch all das ist vergessen, wenn sie auftaucht – Libuše Šafránková. Beispielsweise, wenn im Stall des Hengstdepots gedreht wird. „Sie redet mit ihrem Schimmel Nikolaus und wir stehen nur fünf Meter entfernt“, erzählt der Frankfurter. „Wir stehen da und himmeln sie an, natürlich mit respektvollem Abstand.“
Junghanns: Dreharbeiten „eine wunderbare Jugenderinnerung“
Eine Gage gibt es für die Doubles übrigens nicht: „Ein Bier und Verpflegung, an mehr haben wir damals überhaupt nicht gedacht. Wir waren doch stolz darauf, dabei sein zu dürfen.“
Heute sind die Dreharbeiten für Ulrich Junghanns „eine wunderschöne Jugenderinnerung. Wir waren wirklich fasziniert, in einem Film mitzumachen.“ Auch wenn er sich den fertigen Film zunächst gar nicht angesehen hat. „Als junger Mensch geht man ja nicht ins Kino, um sich ein Märchen anzusehen“, erklärt er schmunzelnd.

Der frühere Brandenburgische Wirtschaftsminister steht 2019 in der Ausstellung „ABC der Weihnachtszeit“ im Museum Viadrina neben originalen Kostümen aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.
Patrick Pleul„Aber ich mag den Film natürlich. Die Geschichte ist schön, die Musik höre ich öfter. Und ich freue mich darüber, dass der Film immer noch so beliebt ist – bei allen Generationen.“
Zum Weihnachtsfest ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Hause Junghanns spätestens gelaufen, als die beiden Söhne mit ihren Familien zu Besuch waren. Inzwischen freut sich Ulrich Junghanns über sechs Enkel, „und gemeinsam sehen wir uns diesen schönen Märchenfilm an“.

