Hund in Polen
: Handel mit Welpen in Słubice – was wird dagegen getan?

In Słubice (Polen) werden seit Jahren illegal Hunde verkauft – meist in der Nähe des Basars. Was sagen Basar-Leitung, Polizei und Stadtverwaltung zum skrupellosen Welpenhandel?
Von
Marlena Dumin
Słubice
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Traurige Zucht von Hunden in Polen: Das Muttertier war angekettet, vier Welpen bereits gestorben – und auch von diesen beiden geretteten Hunden überlebte nur der linke.

Der Welpenhandel in Polen boomt nach wie vor. In der Nachbarstadtvon Frankfurt (Oder), Slubice, werden zu junge und kranke Tiere nach Deutschland verkauft.

Das Muttertier war angekettet, vier Welpen bereits gestorben – und auch von diesen beiden geretteten Hunden überlebte nur der linke. Der Welpenhandel in Polen boomt nach wie vor. In der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), Słubice, werden zu junge und kranke Tiere nach Deutschland verkauft. (Archivfoto)

Stefan Klippstein
  • Illegaler Welpenhandel in Słubice bei Frankfurt (Oder) floriert trotz Verboten und Strafverfolgung.
  • Basar-Leiter und Polizei betonen regelmäßige Kontrollen, dokumentieren Verstöße und leiten diese an Gerichte weiter.
  • Stadtverwaltung patrouilliert werktags, bittet Polizei um Kontrollen am Wochenende.
  • Peta deckt organisierte Netzwerke auf, über 6.000 Welpen 2023 nach Westeuropa transportiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Welpen, die aus Körben, Kofferräumen oder sogar Mantelinnentaschen illegal verkauft werden, sind seit Jahren keine Seltenheit in der Grenzstadt Słubice bei Frankfurt (Oder). Die Hundebabys werden oft viel zu früh von den Muttertieren getrennt, erkranken und sterben häufig nach wenigen Tagen.

Der Missstand ist allgemein bekannt und wurde auch in zahlreichen TV-Dokus thematisiert. Einem besonders dramatischen Fall war Ende September die Tierrechtsorganisation Peta auf die Spur gekommen, als Peta-Ermittlerin Jana Hoger mit einem Kamerateam von Stern-TV den Basar observierte. Sie konnten durch ihr Einschreiten einen Welpen vor dem Verdursten und dem Weiterverkauf retten.

Słubice: Was sagt die Basar-Leitung zum Welpenhandel?

An den Zäunen des Basars in Słubice hängen Schilder auf Polnisch und Deutsch, die den Handel mit Tieren verbieten. „Auf dem Basar gibt es keinen Platz für den Handel mit Hunden oder anderen Tieren, und es hat ihn auch nie gegeben“, sagt der Basar-Leiter Grzegorz Rusiecki. Der Markt werde von Sicherheitskräften patrouilliert. „Mir wird nicht berichtet, dass solche Situationen vorkommen“, erklärt er.

Auf dem Markt dürften nur Personen handeln, die Eigentümer oder Pächter eines Standes sind. „Es gibt nichts dergleichen, dass jemand von der Straße auf das Marktgelände kommt und plötzlich etwas verkauft. Aber die Leute sehen das so: Sie kaufen etwas von jemandem auf der Straße neben dem Basar und sagen dann, sie hätten es auf dem Markt gekauft!“, beklagt Rusiecki.

Welpenhandel in Słubice: Zwei Fälle derzeit vor Gericht

Der Bereich außerhalb des Marktes unterliege nicht der Verwaltung von Grzegorz Rusiecki. „Für das, was außerhalb des Marktes passiert, sind die Strafverfolgungsbehörden zuständig, also Polizei und Stadtwache. Wenn also irgendjemand den Handel mit Tieren neben dem Markt sieht, sollte er dies sofort melden“, so der Administrator weiter.

„Die Polizisten in Słubice überprüfen während ihrer Patrouillen auf dem Basar und im angrenzenden Bereich, ob es dort zu Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Handel mit lebenden Tieren kommt. Wenn die Beamten Verstöße feststellen, wird eine Dokumentation erstellt, die dann an das Gericht weitergeleitet wird, um die Händler zu bestrafen“, erklärt die Pressesprecherin der Słubicer Polizei, Ewa Murmyło zu der Angelegenheit.

Auf die Frage, warum der illegale Welpenhandel trotz strafrechtlicher Verfolgung weitergehe, antwortet sie: „Die Polizisten reagieren auf jedes Signal über illegalen Handel mit lebenden Tieren und führen in diesem Bereich ihre eigenen Maßnahmen durch. Im Jahr 2024 haben die Słubicer Beamten zwei Fälle in diesem Zusammenhang aufgedeckt. Beide Fälle werden vor Gericht verhandelt.“ Im Laufe des Jahres seien fünf Meldungen bei der Polizei dazu eingegangen.

Słubice: Polizei soll am Wochenende auf Basar patrouillieren

Der Basar ist im Besitz der Gemeinde Słubice. Meldungen über illegalen Welpenhandel gehen nur sporadisch bei der Stadtverwaltung ein. Die Pressesprecherin der Stadtverwaltung Beata Bielecka betont, dass die Gemeinde den illegalen Welpenhandel kategorisch verurteilt. „Wir patrouillieren regelmäßig mithilfe der Stadtwache das Marktgelände, jedoch nur an Werktagen und während der Arbeitszeiten der Stadtwache.“

An Wochenenden arbeiten die Wachen aufgrund von Personalmangel nicht. „Deshalb haben wir das Thema illegaler Welpenhandel mehrfach mit der Polizei erörtert, und im Juni hat der Leiter der Stadtwache ein Schreiben an den Chef der Kreispolizei gesandt, mit der Bitte, dass die Polizisten sonntags in Zivil den Markt patrouillieren“, so die Pressesprecherin.

Illegaler Handel mit Welpen lukratives Geschäft für Kriminelle

Das illegale Geschäft mit Hundewelpen ist keine Ansammlung von Einzelfällen, sondern wird über organisierte Netzwerke betrieben. Peta Deutschland gibt an, allein 2023 über 200 Transportdokumente ausgewertet zu haben, die den Transport von und Handel mit mehr als 6.000 Welpen aus Osteuropa nach Westeuropa belegen, meist mit Deutschland als Ziel.

Die Welpenhändler erzielten demnach mutmaßlich drei Millionen Euro an Einnahmen, die dem Fiskus entgingen. Dahinter soll ein europaweites Netzwerk stecken, das sich über WhatsApp und Viber organisiere, wie der Peta vorliegende Chatprotokolle zeigen würden.