Zwei Legenden der ostdeutschen Unterhaltungsbranche kommen zum MOZ-Talk mit Musik am 1. Juni ins Kleist Forum in Frankfurt (Oder): Emöke Pöstenyi (80) und Wolfgang Kohlhaase (91). Beide sind seit mehr als vier Jahrzehnten verheiratet und wohnen in dem kleinen Dorf Reichenwalde bei Bad Saarow.
Emöke Pöstenyi war 39 Jahre lang das Gesicht des Fernsehballetts in der DDR und nach der Wende – als Solistin, als Teil des Showtanz-Duos Susan und Emöke, als Choreografin und unnachgiebige Leiterin des Ensembles.

Verhängnisvoller Tritt auf die Schleppe

Die gebürtige Ungarin prägte seine Glanzzeiten und zauberte jahrzehntelang Glamour und Pailletten in die deutschen Wohnzimmer. In ihrem Buch „Das Fernsehballett. Mein Leben mit dem Tanz“ erzählt sie, wie die Truppe vor und hinter dem Eisernen Vorhang die Beine schwang. Emöke Pöstenyi erinnert sich dabei auch an lustige Begebenheiten: „Irgendwann in den 70er Jahren machten wir eine Mugge, ein Musikalisches Gelegenheitsgeschäft. Bei den Arbeiterfestspielen in Schwerin traten wir zu dritt auf. Susan Baker und ich in einem Kleid mit Schleppe, Choreograf Walter Schumann dazwischen. Ich ging voraus, er trat mir auf die Schleppe, und ich stand halbnackt da. Ich konnte mich nur in Walters Arme retten, das Publikum lachte schallend.“
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Weniger heiter war es in der Wendezeit für die Tänzerinnen. 1991 stand das Fernsehballett finanziell vor dem Aus, trotz großer Erfolge. Doch da hielt Pöstenyi bei der Verleihung des TV-Preises Telestar eine flammende Brandrede: „Ich hoffte, dass meine Botschaft ankommt, und war glücklich, als der MDR als einer von vier Gesellschaftern in unsere neu gegründete GmbH einstieg. Das Ballett war vorerst gerettet.“

Einer der wichtigsten Drehbuchautoren der deutschen Filmgeschichte

Und so tanzte es im TV noch viele Jahre weiter. Emöke Pöstenyi sagt: „Die Zeiten ändern sich. Das Fernsehballett war mein Leben und ich habe an meine Arbeit mit dem Ensemble nur schöne Erinnerungen. Die werde ich mir bewahren.“
Wolfgang Kohlhaase gilt als „einer der wichtigsten Drehbuchautoren der deutschen Filmgeschichte“ (Der Spiegel). Er hat insgesamt über 30 Filme gemacht, darunter mit Konrad Wolf „Ich war 19“ (1968) und mit Andreas Dresen „Sommer vorm Balkon“ (2005). Ein Klassiker der ostdeutschen Filmgeschichte ist „Solo Sunny“ (1980). Vor zwölf Jahren ehrte die Deutsche Filmakademie den Wahlbrandenburger mit der „Lola“ fürs Lebenswerk. Sie lobte ihn für „seine pointierten Dialoge, unglaublich viel Wortwitz und einen herrlich lakonischen Ton.“ Etwas, das der Ehemann von Tanz-Koryphäe Emöke Pöstenyi bis heute beherrscht.

Warum Alexander Knappe einen Song für seine „Mama“ schrieb

Künstlerisch befruchtend sieht Wolfgang Kohlhaase seine Partnerschaft mit seiner Frau. In einem Interview sagte er: „Emöke und ich waren immer um eine Qualität bemüht. Wir haben beide nach Bildern gesucht, sie mit Bewegungen und ich mit Worten. So gab es beides, Nähe und Distanz, und man konnte sich auch wundern.“
Die Hamburger Entertainerin Lilo Wanders und der Deutsche Meister im Poetry Slam plaudern am 1. Juni auch mit dem Cottbusser Sänger Alexander Knappe (37) und warum er auf seiner letzten CD einen Song für seine „Mama“ schrieb. Sie findet ihn jedoch nicht gut. Und er weiß noch immer nicht, warum.

Sie lebt 1700 Kilometer von ihrem Mann, vom Kriegsgebiet entfernt

Ganz besonders freuen sich die beiden Moderatoren auf das Kommen von Natalia Klitschko, die Frau von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Natalia Klitschko wurde in den vergangenen Wochen zu einem Sprachrohr ihrer Heimat Ukraine. Sie lebt in Hamburg, 1700 Kilometer von ihrem Mann, vom Kriegsgebiet entfernt. Sie ist hier in Sicherheit. Ehemann Vitali kämpft derweil in Kiew um die Sicherheit seiner Landsleute. Mit dem Hamburger Musiker Daniel Leon hat sie kurz nach dem Ausbruch des Krieges das Lied „Better Day“ geschrieben. Beide werden es beim MOZ-Talk vortragen.
MOZ-Talk mit Musik, 1. Juni, 19.30 Uhr, Kleist Forum. Tickets ab Mittwoch, 11. Mai, an der Kasse des Kleist Forums von 12 bis 17 Uhr (Montag bis Freitag) und unter ticket@muv-ffo.de
Fernsehballett nicht aufgelöst
In unserem Beitrag „Emöke Pöstenyi und Wolfgang Kohlhaase - Legenden der Unterhaltungsbranche beim MOZ-Talk“ (https://www.moz.de/lokales/frankfurt-oder/kleist-forum-frankfurt-_oder_-emoeke-poestenyi-und-wolfgang-kohlhaase_-_-legenden-der-unterhaltungsbranche-beim-moz-talk-64320371.html) haben wir in Bezug auf das Deutsche Fernsehballett fälschlich geschrieben „inzwischen wurde es nun aufgelöst“. Richtig ist, dass das Deutsche Fernsehballett nicht aufgelöst wurde. Die Deutsche Fernsehballett GmbH ist weiter im Handelsregister eingetragen und nicht aufgelöst oder beendet. Darüber hinaus wurde auch die Tätigkeit der Deutsches Fernsehballett GmbH zu keinem Zeitpunkt eingestellt. Im Gegenteil tritt das Deutsche Fernsehballett weiterhin auf, ist buchbar für Gastspiele insbesondere im privatwirtschaftlichen Bereich (Galas), für Tourneen und auch für TV-Sender.