Klinikum Frankfurt (Oder): Diagnose Krebs – zwei Frauen mit Herz helfen Betroffenen

Die Diagnose Krebs kann das Leben der betroffenen Patienten plötzlich auf den Kopf stellen. Um ihnen helfend und beratend zur Seite zu stehen, gibt es am Klinikum Frankfurt (Oder) ein neues Angebot. (Symbolfoto)
Caroline Seidel/dpa- Klinikum Frankfurt (Oder) bietet Krebspatienten Beratung an; zwei Frauen leiten das Projekt.
- Seit Oktober 2023 halfen Birgit Truthmann und Linnea Ott 410 Patienten in 878 Gesprächen.
- Beratungsstelle sichert bis 2026; Pläne für Video- und Gruppentermine.
- Emotionales Feedback der Patienten zeigt hohe Dankbarkeit.
- Kontakt per Telefon oder E-Mail; Angebot kostenlos und vertraulich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jährlich fast eine halbe Million Menschen an Krebs – dazu zählen mehr als 15.000 Menschen in Brandenburg. Laut Brandenburgischem Gesundheitsministerium sind Männer in Brandenburg am häufigsten von Lungen- und Prostatakrebs betroffen, Frauen hingegen von Brust- und Darmkrebs.
Was die Statistiken aber nicht erfassen können, ist die emotionale Belastung der Diagnose Krebs für den Einzelnen. Angst, Schock und Unsicherheit paaren sich meist mit Überforderung und Hilflosigkeit, wissen auch Birgit Truthmann und Linnea Ott von der unabhängigen ambulanten Krebsberatungsstelle am Klinikum in Frankfurt (Oder).
Hunderte nutzen Angebot am Klinikum in Frankfurt (Oder)
„Wir starteten am 1. Oktober 2023“, sagt Birgit Truthmann. Die ausgebildete Sozialarbeiterin und Psychoonkologin ist die Koordinatorin der Beratungsstelle, deren einjähriges Bestehen jetzt im Atrium des Klinikums gefeiert wurde. Anwesend waren viele Patienten sowie ihre Angehörigen, aber auch Klinikpersonal. Sie alle hatten eins gemeinsam: große Dankbarkeit für die Arbeit von Birgit Truthmann, Linnea Ott und einer weiteren Kollegin, die derzeit in Elternzeit ist.
Birgit Truthmann berät Patienten und Angehörige insbesondere zu organisatorischen Themen, wie etwa finanzielle Fragen, die sich stellen, wenn mit der Krebstherapie eine langfristige Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit einhergeht, oder aber die Beantragung eines Reha-Aufenthalts und Weiteres. Viel kann sie am Rande der Feier von ihrem Job nicht erzählen, weil immer wieder Patienten das Gespräch mit ihr suchen, um sich bei ihr zu bedanken. Angesichts der zahlreich erschienen Menschen ist sie sichtlich gerührt. Das sei „wirklich schön zu sehen“.

Birgit Truthmann (l.) und Linnea Ott von der Krebsberatungsstelle am Klinikum in Frankfurt (Oder) feierten mit zahlreichen Betroffenen und auch Klinikpersonal das einjährige Bestehen des Angebots. Die Dankbarkeit, die den beiden Frauen entgegengebracht wurde, rührte sie sichtlich.
Selim PekelDas laut Truthmann bis mindestens 2026 gesicherte Projekt scheint in seinem ersten Jahr großen Anklang gefunden zu haben. „Wir haben 410 Menschen kennenlernen dürfen“, erklärt die Psychologin der Beratungsstelle, Linnea Ott, in einer kurzen Rede. Insgesamt kamen in einem Jahr 878 Gesprächstermine zustande, die sich auf 687 Stunden Gesprächszeit summierten.
Auch wenn diese Gespräche überwiegend persönlich vor Ort stattfanden, wurde auch die Telefonberatung in Anspruch genommen, in 20 Prozent der Fälle. „Das Wichtigste ist ein niedrigschwelliges Angebot“, sagt Linnea Ott. Deshalb wolle man versuchen, im zweiten Jahr des Projekts auch Videoberatungen anzubieten – Gruppengesprächstermine seien ebenfalls in Planung.
Wer unterstützt das Angebot am Klinikum?
Die Kooperationspartner der Krebsberatungsstelle am Klinikum Frankfurt (Oder) sind das Brandenburgische Gesundheitsministerium, der GKV-Spitzenverband, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Krebsberatung Berlin-Brandenburg.
Linnea Ott, die erst Mitte Januar dieses Jahres dazugestoßen ist, betont, dass es ihr neben der niedrigschwelligen Erreichbarkeit auch wichtig sei, die Beratungssitzungen auf jeden Klienten individuell zuzuschneiden. „Die ganzen Belastungen, die existieren, können wir nicht wegzaubern“, sagt sie. Aber man könne gemeinsam versuchen, einen Umgang damit zu finden, der die Lebensqualität der Betroffenen steigert.
Aus ihrer Arbeitserfahrung weiß Linnea Ott, dass der Bedarf für eine Beratung bereits bei der Verdachtsdiagnose beginnt. Gerade diese Zeit des Wartens auf konkrete Ergebnisse, die Phase der Ungewissheit, sei besonders zermürbend. Auch nach der gesicherten Diagnose ist meist viel aufzuarbeiten für die Patienten – von existenziellen Ängsten und Selbstzweifeln über Verzweiflung zu Wut und Schuldgefühlen. Neben Patienten und Angehörigen nehme auch das medizinische oder pflegerische Personal der Onkologie die Angebote in Anspruch.
Patienten rühren Beraterinnen am Klinikum Frankfurt (Oder)
Angetan sind die beiden Frauen, als es um die Reaktionen der Betreuten geht. Diese habe sie im Vorfeld um Rückmeldungen gebeten, sagt Psychologin Linnea Ott, und sei von der Anzahl der Antworten freudig überrascht worden. Sie sind an diesem Tag gesammelt im Atrium ausgestellt. „Frau Truthmann ist einfach ein Goldstück“, steht dort etwa auf einer Karte. „Es tut so gut, dass jemand zuhört“, auf einer anderen. Viele Patienten haben Blumensträuße und Geschenke mitgebracht.
Birgit Truthmann und Linnea Ott nehmen sich während der „Geburtstagsfeier“ zum Einjährigen die Zeit, gemeinsam mit den Versammelten zu essen und zu trinken, zu sprechen und zu scherzen. Wenn es nach ihnen geht, wollen sie die ambulante Krebsberatungsstelle noch lange Jahre weiterführen.
Das Angebot der Krebsberatungsstelle ist kostenlos, kann in jeder Phase der Erkrankung in Anspruch genommen werden und unterliegt der Schweigepflicht. Die Räumlichkeiten befinden sich unweit des Empfangs und der Cafeteria im Erdgeschoss des Klinikums. Die Sprechzeiten sind jeweils Montag, Mittwoch und Donnerstag, 8 bis 14.30 Uhr, Dienstag, 7.30 bis 15 Uhr, sowie Freitag, 8 bis 13.30 Uhr, und nach Vereinbarung. Koordinatorin Birgit Truthmann ist telefonisch unter der Nummer 0335 5482022 zu erreichen, die psychologische Begleitung unter der 0335 5481144. Wer per E-Mail Kontakt aufnehmen möchte, kann sich an krebsberatung@klinikumffo.de wenden.




