Kommunalwahlen: 41 Namen auf Grüner Wahlliste

Die drei Spitzenduos auf der Grünen/BI-Liste: Angelika Schneider (v.l.n.r.), Sven Wiedenhöft, Torsten Wroblewski, Sahra Damus, Elise Funke und Bodo Almert. Erstmals wollen die Grünen auch auf Plakate mit Porträts der Kandidierenden setzen.
René MatschkowiakJörg Gleisenstein wollte es kaum glauben. „Ich bin ehrlich geflasht“, sagte der grüne Baudezernent; vor ihm drängten sich Parteifreunde, Parteilose und BI–Mitglieder im Hotel zur Alten Oder. „Als wir vor fünf Jahren unsere Kandidaten aufgestellt haben, war das doch alles übersichtlicher.“ Damals hatte es 19 Bewerber gegeben. Drei schafften es nach 6,2 Prozent in das Stadtparlament; bis zu seiner Berufung in die Verwaltung war Jörg Gleisenstein einer von ihnen. In diesem Jahr ist die Liste auf 41 Kandidierende für drei Wahlkreise angewachsen. Zum Vergleich: die CDU hat 39 Bewerber, die Linke als mitgliederstärkste Partei 26.
Landesweit erfahren die Grünen gerade Zulauf, auch in Umfragen liegt die Partei mittlerweile bei gut 10 Prozent. In der SVV stellen Grüne, BI und Piraten zwar nur eine kleine Fraktion. Trotzdem gelang es dieser, viele eigene Ideen durchzusetzen. Vor einem Jahr unterstützte die Partei zudem den OB–Wahlkampf von René Wilke; nach dessen Sieg zog mit Jörg Gleisenstein auch ein grüner Politiker mit ins Rathaus ein.
Der wachsende Einfluss der Partei hat sich herumgesprochen. Grüne Themen wie Umwelt und Nachhaltigkeit, Bürgerbeteiligung oder Verkehr treffen zunehmend auch in Frankfurt einen Nerv. Viele der 41 Kandidaten begründeten ihr kommunalpolitisches Engagement am Mittwochabend vor allem aber auch wahltaktisch — als Zeichen gegen Rechtspopulismus: „Jede Stimme, die ich hole, geht nicht an die AfD“, erklärte unter anderem Thomas Herfort, der auf Platz 14 im Wahlkreis 1 antritt.
20 Frauen und 21 Männer kandidieren für die Listenvereinigung, darunter 19 Bündnisgrüne, 16 Parteilose und 6 Mitglieder der BI. Für jeden der nur noch drei Wahlkreise hat die Partei ein paritätisch besetztes Spitzenduo nominiert. Hier überraschte insbesondere ein Name: Bodo Almert, der im Wahlkreis 2 auf Listenplatz 1 antritt. Der ehemalige Geschäftsführer des Märkischen Medienhauses hatte ab 2014 drei Jahre lang die SPD–Fraktion beraten, fast keine Ausschusssitzung verpasst. 2017 zog er sich zurück, trat Ende 2018 aus der SPD aus — und setzt nun als Parteiloser und Haushaltsexperte zum Sprung auf die politische Bühne an. „Die kleinste Fraktion hat am meisten bewegt, das hat mich beeindruckt“, erklärt Almert, der auch Aufsichtsrat bei der Wohnbau ist. Mit ihm den Wahlkreis prominent vertreten wird Elise Funke, Personalchefin am Institut für Mikroelektronik IHP.
Wahlkreis 1 wird angeführt von Sahra Damus. Die Gleichstellungsbeauftragte an der Viadrina kann beruflich — dank eines sicheren Platzes auf der Grünen–Liste für die Landtagswahl — bereits für den Einzug in das Landesparlament planen. Stadtverordnete will sie, sollte sie erneut gewählt werden, trotzdem bleiben. Mit ihr bewirbt sich auf Platz 2 Torsten Wroblewski (BI Stadtentwicklung), sachkundiger Einwohner im Bildungsausschuss. Im Wahlkreis 3 bilden die Stadtverordnete Angelika Schneider sowie Verwaltungsjurist Sven Wiedenhöft (parteilos) das Spitzenduo; Angelika Schneider hatte die Bürgerinitiative Stadtentwicklung 2008 mitgegründet.
Auf den weiteren Listenplätzen reihen sich neben alten Bekannten in der Oderstadt wie Aktionskünstler Michael Kurzwelly oder Tierschützerin Monika Blankenfeld auch viele neu zugezogene Frankfurter ein. Dazu gehört beispielsweise Thilo Hoppe im Wahlkreis 1. Er saß von 2002 bis 2013 für die Grünen im Bundestag und vertrat dort den Wahlkreis Ostfriesland–Aurich. Aktuell arbeitet er für das Hilfswerk Brot für die Welt. Im Wahlkreis 2 kandidiert mit Christel Kische–Taufmann eine frühere Stadtverordnete der aufgelösten Wählerinnenvereinigung Frauen für Frankfurt.
Viele der 41 Kandidaten hat Alena Karaschinski, Sprecherin beim Kreisverband, persönlich für ein Engagement auf der Liste überzeugt. Die 42–Jährige, die das Frankfurter Büro von Annalena Baerbock, der Grünen–Bundesvorsitzenden leitet, tritt im Wahlkreis 3 auf Platz 11 an. Und hofft auf mindestens 10 Prozent für die Listenvereinigung.
