Als Fan harter Rockmusik hat sich Dietmar Woidke am Dienstagabend (13.12.) im Kleist Forum zu verstehen gegeben. Brandenburgs Ministerpräsident kam in Plauderlaune zum letzten MOZ-Talk des Jahres 2022.
Moderatorin Lilo Wanders leitete alleine durch den Abend im voll besetzten Saal, da Moderatoren-Kollege David Friedrich erkrankt ausfiel. Hardrock höre er durchaus auch in der Potsdamer Staatskanzlei, verriet der SPD-Politiker (61). Hin und wieder gönne er sich auch den Besuch eines Konzerts – zuletzt bei der Gruppe „Einstürzende Neubauten“ in Berlin. Das sei aber wegen seiner Sicherheitsvorkehrungen sehr umständlich.

Auch Landespolitik spielt beim MOZ-Talk eine Rolle

Auch politische Themen blieben an dem Abend natürlich nicht aus. Die Energieversorgung der PCK-Raffinerie in Schwedt kam ebenso zur Sprache wie die Tesla-Fabrik in Grünheide. Dietmar Woidke freute sich darüber, dass der Bund den PCK-Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2024 ausgesprochen habe. „Eine halbe Milliarde vom Bund zu bekommen, das war nicht mein schlechtester Tag als Ministerpräsident.“ Tesla-Chef Elon Musk habe er immer als „sehr konzentrierten, informierten Mann“ erlebt. Die Gespräche seien nicht immer harmonisch verlaufen, doch „wir sind gut miteinander klargekommen“.
Wichtig sei ihm als Ministerpräsident, das Gespräch mit den Bürgern zu suchen, so Dietmar Woidke. „Denn die Menschen wollen Dialog.“ Politiker müssten lernen, ihre Entscheidungen zu erklären, sagte er. Im Gespräch mit Wählern werden mitunter ganz unterschiedliche Themen angesprochen. Dann sei es auch mal besser zu sagen „Sorry, weiß ich nicht“ als nichtssagende Antworten zu geben, die keinen zufriedenstellten, ist Dietmar Woidke sich sicher. Er verweist dann an Fachpolitiker im Kabinett.

Auch ums Gendern geht es auf dem MOZ-Sofa

Nächster Gast auf dem Sofa war mit Jutta Timm eine Lehrerin der Frankfurter Sportschule. Seit 42 Jahren übe sie ihre Profession aus, berichtete die resolute Frau und der Zuhörer merkte, dass ihr der Beruf Spaß macht. Ursprünglich habe sie gar nicht Lehrerin werden wollen, doch der Liebe wegen entschied sie sich für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums (Russisch/Englisch) in Greifswald.
Kam zu Wort: die Frankfurter Lehrerin Jutta Timm.
Kam zu Wort: die Frankfurter Lehrerin Jutta Timm.
© Foto: René Matschkowiak
Auch nach der Wende sei Russisch bei ihren Schülern beliebt und nützlich gewesen. „Schließlich sind sie häufig auf Wettkämpfen in Osteuropa unterwegs.“ Die Athleten könnten sich dann mit ihren Sportkameraden austauschen. Respekt zeigte sie vor den Leistungen der Schüler, die sowohl im Schulunterricht als auch auf dem Sportplatz Leistungen zeigen, sowie vor den Eltern, die ihre Kinder in frühen Jahren ins Sportinternat abgeben.
Beim Thema Gendern mag sie es traditionell. An Lilo Wanders gerichtet sagte sie: „Du kannst gerne gendern – ich sage Schüler und meine alle“. Dafür gab es Applaus aus dem Publikum. Vollends die Gunst der Zuschauer im Saal gewann sie dann mit einem eigens auf den MOZ-Talk umgedichteten Version des alten Rennsteiglieds.

Mit Liedern von Udo Jürgens kommt Stimmung auf

Musikalisch ging es weiter als Heiko Walter (Bariton) und Frank Bernard (Klavier) vom Staatstheater Cottbus die Bühne betraten. Mit ihrer neuen Produktion „Willkommen in meinem Leben“ würdigen sie den Ausnahmekünstler Udo Jürgens. „Seine Texte haben noch heute solch eine Gültigkeit, es ist großartig“, sagte Heiko Walter. Mit vorgetragenen Liedern wie „Mein Bruder ist ein Maler“ und „Griechischer Wein“ kam Stimmung im Saal auf. Bereits am Freitag (16.12.) und Sonnabend (17.12.) tritt das Duo erneut im Kleist Forum auf.
Gleichsam wie Lehrerin Jutta Timm hatte auch Schauspielerin Julia Jäger ein Heimspiel in Frankfurt (Oder). In Rosengarten wohnen ihre Eltern – Saskia und Diether Jäger, der bekannte Theaterschauspieler. Lilo Wanders stellte sie vor und zitierte dabei die Berliner Zeitung: „Die beste deutsche Schauspielerin – leider wissen das nur zu wenige“.
Hatten ihren Spaß auf dem Sofa beim MOZ-Talk in Frankfurt (Oder): die Schauspielerin Julia Jäger mit Vater Diether.
Hatten ihren Spaß auf dem Sofa beim MOZ-Talk in Frankfurt (Oder): die Schauspielerin Julia Jäger mit Vater Diether.
© Foto: René Matschkowiak
Julia Jäger berichtete auf dem Sofa von Vorkommnissen am Film-Set – „Wenn die Regie selber nicht weiß, was sie will, dann werde ich ungehalten“ – und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Schauspielerin zu sein, mit drei Kindern, ist sehr schwierig“. Zumal der Broterwerb in der Branche nicht immer einfach ist. „Ich hatte manchmal nur fünf bezahlte Arbeitstage im Jahr“.
Umtriebige Kontaktpflege in der Branche, Präsenz auf dem roten Teppich oder sich bei einer Homestory in Medien von der privaten Seite zeigen – das alles könne zu mehr Rollenangeboten führen. Das sei aber nicht ihr Ding. „Unser Beruf hat viel mit Darstellung zu tun, aber es muss ja nicht Selbstdarstellung sein“, ist sie überzeugt. Zuletzt war sie an der ARD-Produktion „Die drei von der Müllabfuhr“ beteiligt.

Was es mit dem Tagebuch von Manfred Krug auf sich hat

Von Eigenschaften seines Vaters und Schauspielers Manfred Krug wusste Daniel Krug zu berichten. Gemeinsam mit Jazzsängerin Uschi Brüning nahm er danach auf der Bühne Platz. Lilo Wanders wollte von ihm wissen, wie es sei, immer als „Sohn von ...“ angekündigt zu werden. Für Daniel Krug ist es „der Normalzustand. Entweder man gewöhnt sich daran – oder man hängt sich auf“. Als Kind habe er den Umstand in Gesprächen mit Fremden so lange es ging verheimlicht. Dann sei der überpräsente Vater nicht gleich das Gesprächsthema geworden.
Sohn Daniel mit dem publizierten Tagebuchs seines Vaters Manfred Krug.
Sohn Daniel mit dem publizierten Tagebuchs seines Vaters Manfred Krug.
© Foto: René Matschkowiak
Nach dem Fund von Manfred Krugs elektronischem Tagebuch hatte es sich der Sohn zur Aufgabe gemacht, die Publikation bei einem Verlag zu unterstützen. Er suchte Fehler in den Texten, überprüfte Fakten und war beim Lesen ausgewählter Texte überrascht: „Diese gefühlige, selbstkritische Seite habe ich ihm nicht zugetraut.“ Auch Uschi Brüning hatte ihre Erfahrung mit Manfred Krug gemacht, stand mit ihm auf der Bühne. „Ein toller Mann. Es vergehen wenige Tage, an denen ich nicht an ihn denke.“ Er habe sehr viel Wert auf die Stimme, Intonation und Aussprache gelegt.

Wann der nächste MOZ-Talk stattfindet

Abschließend wurde es wieder musikalisch. Sohn Daniel setzte sich ans Klavier und sang „Das geht mir ans Herz“ von Günther Fischer und Manfred Krug. Uschi Brüning übernahm danach das Mikrofon, sang Jazziges wie „Auserwählt“ vom gemeinsamen Album mit Manfred Krug ebenso wie „Christmas Time Is Here“ einer Charlie Brown-Animation aus den 60er Jahren. Nach langanhaltendem Applaus wurden die Zuschauer damit ins schneebedeckte Frankfurt (Oder) entlassen.