Nachdem in den letzten Tagen bereits zahlreiche private Initiativen in Frankfurts Nachbarstadt Słubice angelaufen waren, um Spenden für die Ukraine zu sammeln, hat nun auch die Gemeinde eine zentrale Anlaufstelle geschaffen. Von Montag bis Freitag können von 8 bis 20 Uhr in der städtischen Sporthalle (ulica Piłsudskiego 17) Spenden abgegeben werden, teilte Rathaussprecherin Beata Bielecka am Montagmorgen mit.
Produkte würden für Betroffene in der Ukraine sowie diejenigen, die an den Grenzübergängen warteten, entgegengenommen. Vonnöten sind: Kleidung (neu oder in gutem Zustand), Schlafsäcke, normale und Thermodecken, Regenmäntel, Hygieneprodukte wie Seife, Shampoo, Zahnbürsten und Zahnpasta, Windeln sowie Windeln für Erwachsene, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, Masken. Ebenso Lebensmittel wie Instant-Speisen, Energieriegel, Wasser, Trockenfrüchte, Nüsse und Konserven, Einweg- oder wiederverwendbare Küchenutensilien wie tiefe Teller und Besteck. Auch Streichhölzer, Powerbanks, Batterien, Taschenlampen und Kerzen.

Spendenstelle nimmt keine militärische Ausrüstung oder Waffen entgegen

Auch medizinische Produkte wie Erste-Hilfe-Sets und Schmerzmittel, fiebersenkende Medikamente sowie Erkältungsmittel könnten in der Sporthalle abgegeben werden, erklärte Bielecka. Ganz deutlich wies sie darauf hin, dass keine Artikel entgegen genommen werden, die nicht der humanitären Hilfe entsprechen, wie Helme oder andere militärische Ausrüstungsteile, Schuss- oder Handwaffen oder Produkte, deren Ausfuhr von polnischem Gebiet einer Genehmigung bedürfen.
Während in der polnischen Hälfte der Doppelstadt Hilfe für betroffenen Ukrainer organisiert wird, verschlimmert sich die Situation in Słubices Partnerstadt Schostka im Nordosten der Ukraine. Gerade einmal 50 Kilometer entfernt von der russischen Grenze gelegen, liefern sich die ukrainischen Streitkräfte und die russischen Truppen seit Tagen heftige Kämpfe in dieser Region, der Oblast Sumy.
Die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine hat in diesem Landesteil zahlreiche Gemeinden, auch in Schostka. „Die Stadt ist durch russische Truppen komplett vom Territorium, das durch die ukrainische Regierung kontrolliert wird, abgeschnitten“, schreibt Kateryna Nikonorova aus dem Bischofssekretariat in Kharkiv.

Brücken um Schostka alle gesprengt, Häuser werden abgedunkelt

Die Gemeindemitglieder in Schostka seien „relativ sicher“, noch gebe es Lebensmittel, aber „es ist unmöglich, das Gebiet zu verlassen“, so Nikonorova. Auch um die Stadt Kharkiv, dem Bischofs-Sitz, werde weiterhin heftig gekämpft. Ein Teil der Gemeinde sei bereits in den Westen der Ukraine evakuiert worden.
Das ist für Menschen in Schostka gerade nicht möglich – die Brücken rund um die Stadt sind gesprengt oder zerstört worden.
Diese Brücke bei Pirohivka über die Desna, einen Nebenfluss des Dnepr durch die Region Sumy, wurde zerstört. Die Ortschaft liegt unweit von Schostka, der Partnerstadt von Słubice.
Diese Brücke bei Pirohivka über die Desna, einen Nebenfluss des Dnepr durch die Region Sumy, wurde zerstört. Die Ortschaft liegt unweit von Schostka, der Partnerstadt von Słubice.
© Foto: Shostka Info
Die Stadt liege wie eine Insel, und dennoch halte man Stand, informiert Schostkas Bürgermeister Mykola Noha wie bereits in den vergangenen Tagen per Videobotschaft. Dennoch habe man es geschafft, Kontrollpunkte in den naheliegenden Gemeinden Krolevets, Jampil und Hluchiw zu etablieren.
Ein weiterer Soldat sei an der Front verletzt worden, „aber alle stehen, kämpfen, verteidigen unsere Heimat Ukraine“, so Noha. Er erinnerte daran, „dass wir alle nur eine Ukraine haben, es wird keine andere geben.“ Er dankte der Bevölkerung für die Beteiligung an der „Lichtmaskierung“ – fast die gesamte Stadt sei nachts abgedunkelt. „Wir werden dem Feind nicht die Gelegenheit geben, nachts unsere Geschäfte, Straßen und Häuser zu sehen.

Versorgung von Schostka eingestellt

Der Andrang an den Rekrutierungszentren sei nach wie vor so hoch, dass nicht alle registriert werden können. Mykola Noha dankte den Unternehmen, die in der schwierigen Lage mit materiellen Ressourcen, Treibstoff und Lebensmitteln unterstützten.
Denn die Versorgungslage bei bestimmten Lebensmitteln werde langsam kritisch. So informierte das lokale Portal Shostka Info, dass Babynahrung in Apotheken und Geschäften knapp werde, sowohl in der Stadt als auch den Dörfern um Schostka. Gleichzeitig wurde ein Aufruf gestartet, dass Menschen aus ihren Beständen diese im ehemaligen Pionierhaus abgeben könnten.
Auch am Montagvormittag wandte sich Bürgermeister Mykola Noha noch mit einer Bitte an die Gemeinde. Alleinstehende Rentnerinnen und Rentner sollten nicht vergessen werden, gerade Sozialarbeiter rief er dazu auf, weiterhin der häuslichen Pflege nachzukommen und bei Bedarf auch psychologische Hilfe zu leisten. Weil mehrmals Luftalarm geschlagen wurde, seien die Menschen besorgt, sie müssten beruhigt werden, so Noha. „Wir müssen Verständnis entwickeln, dass wir unter Kriegsbedingungen leben“, sagt Noha laut Schostka Info.
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