Vorstandsklausur: Die Grünen in einer ihnen fremden Region
Am Montag kündigte Robert Habeck an, nach einem Twitter–Fehlgriff seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken zu beenden. Am Dienstag zog Annalena Baerbock nach. Bei der Abschlusspressekonferenz der Grünen verabschiedete sie sich, als sei ihr die Region fremd: „Hoffen wir, dass die Züge gut fahren. Aber überfüllt werden sie definitiv nicht sein. Das ist das Gute in diesen Regionen.“ Das sagte ausgerechnet Annalena Baerbock, die als Bundestagsabgeordnete ein Bürgerbüro in der Gubener Straße in Frankfurt hat und ab und zu zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) pendelt.
Nun ist die Wirklichkeit eine etwas andere als die Wahrnehmung von Annalena Baerbock. OB René Wilke (Die Linke) hat sie bei seinem Neujahrsempfang am Sonntag mit Fakten benannt. Täglich pendeln 13 000 Menschen zur Arbeit nach Frankfurt ein und 7000 aus. Die Studierenden sind da noch nicht inbegriffen. Davon nicht alle mit der Bahn, aber recht viele. Die Züge sind jedenfalls in bestimmten Zeiten brechend voll.
Die Stadt setzt sich seit Monaten beim Land für kürzere Taktzeiten des Regionalzuges und zusätzliche Waggons ein. Rückenwind für diese Forderung kam von Annalena Baerbock nun nicht. Die Frankfurter Grünen von der Basis können die unglückliche Fehleinschätzung ihrer Parteispitze in den Wahlkämpfen ja noch korrigieren.

