„Wir haben Reim damals aufs Tablett gehoben“, sagt Wolfgang Petenati am Ende des „launigen Plausches“ zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit, zu dem der Fürstenwalder CDU-Stadtverband am Mittwochabend ins Alte Rathaus eingeladen hatte. Der 76-Jährige gehörte offensichtlich zu den einzigen Gästen im Saal, die die ersten demokratischen Wahlen nach dem Mauerfall mit vorbereitet hatten. „Als die Beiden auf dem Podium erzählten, habe ich Gänsehaut bekommen“, gesteht Petenati. Die Beiden auf dem Podium waren die ehemaligen Bürgermeister Manfred Reim (1990–2010) und Hans-Ulrich Hengst (2010–2018). Reim ein Ossi, Hengst ein Wessi. Ihre unterschiedlichen Blickwinkel auf diese Zeit interessierte Moderator und Vize-Landrat Sascha Gehm.

Früher Stadtverordneter für die NDPD

Reim berichtete, dass er schon zu DDR-Zeiten für die damalige NDPD (die später in der FDP aufging) in der Stadtverordnetenversammlung saß und nun endlich das Gefühl hatte, mitgestalten zu können. Zum Bürgermeister sei er gekommen „wie die Jungfrau zum Kind“, da „alle guten Leute in der CDU schon andere Pläne hatten“. Er erinnerte sich an eine konfuse und schwierige Umbruchzeit, wo sich fast jeden Tag die Gesetzeslage geändert habe. „Das wichtigste war, alles zu retten, was zu retten war. Von Anfang an haben wir uns darauf orientiert, dass Wirtschaft und Gewerbe die Basis sind“, betonte Reim. Er und sein Nachfolger plauderten, wie sie Edis von Frankfurt nach Fürstenwalde holten und mit unüblichen Verträgen Bonava (ehemals NCC)  in der Stadt hielten.

Aus Nordrhein-Westfalen nach Brandenburg

Der parteilose Hengst räumte ein, dass er sich erst mit dem Mauerfall für den anderen Teil Deutschlands interessierte. Damals arbeitete er in der Stadtverwaltung in Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen. Anfang der 1990er-Jahre leistete er Hilfe in der Partnerstadt Templin, Später reagierte er auf eine Ausschreibung in Fürstenwalde und wurde 1992 Erster Beigeordneter. „Wir brauchten Fachleute, der gute Wille reichte nicht“, begründete Reim die Hilfe aus dem Westen. Hengst fand es „phänomenal“, was im Osten zu bewegen war, in seiner alten Heimat sei es nur noch darum gegangen, „ob die Parkbank grün oder braun gestrichen werden sollte“. Der heute 65-Jährige gesteht, dass er sich schnell wohl in Fürstenwalde gefühlt habe.

„Mehr Optimismus und Traute“

Beide sind sich einig in ihrer Wertung über das Tempo der deutschen Einheit. Langsamer hätte es nicht gehen dürfen, dazu wären die Menschen nicht bereit gewesen. „Viel mehr Optimismus und Traute“, wünscht sich Reim heute für seine Stadt. „Und, dass eine gesellschaftliche Spaltung vermieden und der gute Ruf von Fürstenwalde nicht verspielt wird.“