Betrug in Fürstenwalde: Enkeltrick am Telefon — so funktioniert die Masche der Betrüger

Enkel am Telefon? Regelmäßig rufen Betrüger Bürger an und schocken sie mit falschen Geschichten über Familienmitglieder, Gewinne oder Forderungen. Ihr Ziel: das Geld der Angerufenen. Die Polizeidirektion Ost gibt Tipps, wann Bürger hellhörig werden sollten.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa- Betrüger nutzen Telefonanrufe, um ältere Menschen zu schocken und Geld zu erpressen.
- Margot (86) aus Fürstenwalde entging knapp dem Enkeltrick, weil sie ihren Enkel anrief.
- Polizei gibt Tipps: Misstrauisch bleiben, keine persönlichen Daten preisgeben.
- Telefonbetrug häuft sich täglich; hohe Geldsummen werden verlangt.
- Prävention durch soziale Medien und WhatsApp-Kanäle der Brandenburger Polizei.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Hier ist ein Freund deines Enkels“, dieser Satz klingt Margot (Name von der Redaktion geändert) aus Steinhöfel bei Fürstenwalde noch in den Ohren. Fast wäre die 86-Jährige auf den sogenannten Enkeltrick hereingefallen. Am Telefon hatte sich jemand gemeldet, der angab, ihren Enkel zu kennen. Dieser sei vom Zoll in Polen angehalten worden, weil er zu viele Zigaretten dabei hatte, und werde nun dort festgehalten. „Für 400 Euro können Sie Ihren Enkel auslösen“, sagte der Anrufer. Ein Freund werde gleich vorbeikommen, um das Geld abzuholen.
Natürlich wollte Margot ihrem Enkel helfen. Es ging auch alles ganz schnell: Kaum hatte sie aufgelegt, klingelte es auch schon an der Haustür. „Weil ich so viel Geld nicht zu Hause hatte, wollte ich dem jungen Mann meine Bankkarte und die PIN geben, damit er das Geld selbst von der Bank abhebt“, erzählt die Steinhöflerin, die den Freund ihres Enkels nicht kannte.
Enkel in der Klemme? - Einmal mehr Zweifeln und Hinterfragen
Doch plötzlich machte es Klick bei Margot. Ihr Enkel raucht doch gar nicht, fiel ihr ein. Noch während der Mann in der Tür steht, ruft sie ihren Enkel an. Und das war gut so, denn: „Er war nicht in Polen, sondern bei seiner Partnerin“, erzählt Margot. Und kann von Glück reden, dass die Zweifel aufkamen, bevor sie den Fremden in die Wohnung gelassen hatte.
Aktuell versuchen wieder täglich Betrüger, gerade älteren Bürgern über das Telefon Bargeld zu entlocken. Meldungen auf MOZ.de über Telefonbetrüger, die in der Region zahlreiche Versuche starten, häufen sich. „In den zurückliegenden Tagen haben wir solche Delikte in der gesamten Polizeidirektion Ost registriert, von der Uckermark über Märkisch-Oderland bis nach Oder-Spree/Frankfurt (Oder)“, erklärt Roland Kamenz, Pressesprecher der Polizeidirektion Ost. „Häufig verlieren die Geschädigten hohe Summen Bargeld, die sie ein Leben lang gespart haben.“
Die Masche: Schockanruf vorspielen und Stress auslösen
„Rate mal, wer hier ist?” – bei dieser Frage sollten Angehörige sofort aufhorchen, das rät Liane Scheller, Präventionsmitarbeiterin bei der Polizeidirektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder). Oft antworte man darauf mit dem Namen eines Nahestehenden, und das ist die erste Falle. Denn sogenannte Schockanrufe sollen die Empfänger in eine Stresssituation bringen, der Person vorgaukeln, dass ein Familienmitglied in Not ist. „Dann können Personen weniger gut nachdenken und die Situation hinterfragen“, erklärt Liane Scheller.

Mit Verstärkung gegen Trickbetrüger: Liane Scheller von der Polizeidirektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder) erklärt mithilfe von Handpuppe Oma Luise, wie man sich vor Enkeltrick-Betrügern schützen kann. Mit ihren Puppen ist sie in und um Fürstenwalde unterwegs. (Archivbild)
Jörn Tornow„Dem Angerufenen wird erzählt, dass ein Angehöriger beispielsweise einen schweren Verkehrsunfall verursacht habe und nun in Untersuchungshaft müsse, wenn keine Kaution in Höhe von mehreren zehntausend Euro bezahlt wird. Oft genutzt wird auch die Lottogewinn-Masche“, sagt Scheller, „bei der der Gewinn angeblich erst ausgezahlt werden kann, wenn ‚entsprechende Notar- und Verwaltungsgebühren‘ bezahlt werden.“
Auch die Ankündigung eines angeblich bevorstehenden Einbruchs soll ältere Menschen verängstigen und dazu bewegen, ihre Wertgegenstände vermeintlichen zivilen Polizisten auszuhändigen, berichtet Kamenz. „Mittlerweile rufen die Betrüger sogar mit einer 110 endenden Telefonnummer an. Daher denken Bürger, dass tatsächlich die Polizei anruft. Aber mit der Notrufnummer kann die Polizei nicht zurückrufen“, klärt Polizistin Scheller auf. Ähnliches machen Betrüger zum Beispiel auch mit Banken — eine ähnliche Rufnummer verwenden.
Schockanrufe, bei denen den Angerufenen eine Geschichte von einem tödlich verunglückten Angehörigen aufgetischt wurde, registrierte die Polizei im gesamten Land Brandenburg sowohl im Jahr 2023 als auch im Jahr 2024 im niedrigen dreistelligen Bereich. „Rund jeder fünfte dieser Anrufe führte für die Straftäter zum Erfolg und für die Angerufenen zu einem finanziellen Schaden“, analysiert Kamenz.
Die Drahtzieher hinter dem Enkeltrick
Der Erfolg der Kriminellen liege in der Vorgehensweise, den psychologischen Tricks der Betrüger, die es ihnen ermöglicht, ihre Opfer schnell um ihr Geld zu bringen. Die Polizei versuche zwar, den kriminellen Gruppierungen auf die Spur kommen, doch „die Ermittlungen gestalten sich schwierig, weil sich die elektronischen Spuren schnell verwischen lassen und zudem eine länderübergreifende Zusammenarbeit erfordern“, so der Pressesprecher.
Deshalb setzen die Pressestellen der Polizei des Landes Brandenburg auf Präventionsmaßnahmen, zum Beispiel über soziale Medien wie den WhatsApp-Präventionskanal der Brandenburger Polizei. Die Polizei gibt hier Tipps, die im Falle eines solchen Anrufs hilfreich sein können. „Es gibt keine deutschen Behörden, die hohe fünf- oder gar sechsstellige Summen von Bürgern per Telefon verlangen“, versichert Kamenz.
Achtung: bei Telefonanruf diese Tipps der Polizei beachten
Grundsätzlich sollte man am Telefon skeptisch bleiben und versuchen, schockierende Meldungen zu hinterfragen. Am besten niemandem telefonisch Auskünfte zu persönlichen Daten, Vermögensverhältnissen oder sogar Kontozugangsdaten geben. Auch, wenn der Anrufer sauer oder frech wird, könnte das ein Zeichen für einen Telefonbetrug sein. Denn es soll den Druck erhöhen. Niemals sollten Wertgegenstände oder Geldscheine an Unbekannte übergeben werden.
Und dann passiert es doch. Es macht Klick, aber zu spät. Das Geld ist weg. Eine bittere Erkenntnis für die Betrogenen. Manche würden sich schämen, hätten deshalb Hemmungen, Anzeige zu erstatten. Das sei aber zwingend notwendig, sagt Kamenz: „Nur wenn derartige Straftaten bekannt werden, kann die Polizei diesen nachgehen und die Täter ermitteln.“


