Das ist los am Wochenende
: „NaturKultur“ – letztmalig mit Ehrentraud Rohne in Berkenbrück

36 Stationen in Dörfern zwischen Fürstenwalde und Frankfurt (Oder) können bei „NaturKultur“ besucht werden. Höfe, Kirchen, Galerien, Kitas, Schulen, Betriebe öffnen ihre Türen – letztmalig ist ein Berkenbrücker dabei.
Von
Ruth Buder
Berkenbrück
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Holzkunst in Berkenbrück: Ehrentraud Rohne vor seinen Intarsienarbeiten. Im Hintergrund der Garten „die kleine Toskana“ seiner Frau Monika. Das Ehepaar – beide sind 76 – öffnet am Sonntag ein letztes Mal sein Grundstück zu „NaturKultur“ im Amt Odervorland.

Ruth Buder

Einmal muss Schluss sein! Aber am Sonntag (10. September) wollen Monika und Ehrentraud Rohne noch einmal gute Gastgeber sein – ein letztes Mal. Dann steigen sie aus dem Event „NaturKultur“ aus, das jedes Jahr im Amt Odervorland stattfindet.

An 13 Orten und insgesamt 36 Stationen zwischen Fürstenwalde und Frankfurt (Oder) öffnen sich wieder die Tore für die Besucher. Fast überall gibt es Essen und Getränke. Offizielle Eröffnung wird am Sonntag um 10 Uhr auf dem Gutshof in Sieversdorf sein.

Berkenbrücker präsentieren Holzkunst und Gartenglück

In Berkenbrück sind die Rohnes die einzigen, die mitmachen. Und das seit vielen Jahren. Monika Rohne zeigt gern in der Wilhelm-Pieck-Straße 27 ihren großen Garten, in dem sich neben ihrem terrakottafarbenen Haus Pflanzen aus der Mark und der Toskana treffen und die beschnittenen Buchsbäume aus der Ferne wie Zypressen aussehen.

Ihr Mann Ehrentraud, der Holzbildner und Intarsienkünstler, lässt in seine Werkstatt schauen, zeigt seine fertigen und begonnenen Arbeiten: diverse Wandbilder mit den unterschiedlichsten Motiven, Uhren, individuelle Firmenschilder, Lampenschirme, ja sogar eine moderne, meterhohe Weihnachtspyramide.

Erdhalbkugel - eine Intarsienarbeit aus früheren Zeiten von Ehrentraud Rohne aus Berkenbrück. Zu sehen auch am Sonntag letztmalig bei seiner Teilnahme an „NaturKultur“ in seiner Werkstatt in Berkenbrück.

Ruth Buder

Holzstücke und Furniere – 0,5 Millimeter dünne Holzblätter von Bäumen aus aller Welt – lassen die Phantasie des 76-Jährigen mit dem ungewöhnlichen Vornamen noch immer sprühen. „Ehrentraud hieß der Freund meines Vaters. Sie kämpften gemeinsam im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Bei einem Bombeneinschlag rettete Ehrentraud meinem Vater das Leben, seines verlor er. Deshalb wurde ich nach ihm benannt.“ Rohnes Frau und alle, die ihn kennen, nennen ihn einfach nur „Ehre“.

Marine-Offizier sattelte zum Finanzberater um

Holz hat der Marine-Offizier schon immer geliebt, er hat gern den Tischlern auf der Werft zugeschaut, als er noch mit seiner Familie in Stralsund wohnte. Das Meeresklima war nicht gut für den kleinen Sohn, die Familie zog nach Fürstenwalde. Ehrentraud Rohne fand Arbeit im Wehrkreiskommando, drückte aber nebenher noch die Schulbank, um ein „ziviles Patent A5 für die Große Fahrt“ zu erwerben. Denn sein Ziel war es, das Segelschulschiff „Wilhelm Pieck“ einmal zu übernehmen. Heute heißt es „Greif“ und wird gerade in der Werft Stralsund überholt, weiß Ehrentraud Rohne.

Aber die politische Wende 1989 machte seinen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Seine Brötchen verdiente er künftig als Mitarbeiter und später als Ausbildungstrainer bei der OVB, der Objektiven Vermögensberatung.

Als Rentner mehr Zeit fürs Kunsthandwerk

Als er mit 63 Jahren vorzeitig in Rente ging, widmete er sich nur noch seiner Leidenschaft und der Arbeit mit dem Holz, machte sogar noch einen zweijährigen Kurs bei einer Intarsien-Schule im Hunsrück, erlernte, wie Furnierteile wie bei einem Puzzle zu Bildern und einer ebenen Fläche zusammengefügt werden. Diese Dekorationstechnik ist Jahrhunderte alt, verliert aber immer mehr an Bedeutung. „In Deutschland gibt es vielleicht noch 25 Kunsthandwerker, die sich damit beschäftigen“, erzählt Ehrentraud Rohne. Tischlerlehrlinge würden damit nur noch am Rande konfrontiert.

In Arbeit: Ein Lampenschirm oder Windlicht aus Birkenfurnier, derzeit wieder sehr modern, geschaffen von Ehrentraud Rohne in Berkenbrück.

Ruth Buder

Originelle Intarsien finden sich überall im Wohnhaus

Intarsien schmückten Möbel, Türen und Musikinstrumente vieler Jahrhunderte, noch in den 1950er Jahren waren Nierentische und Blumenbänke mit diesem Design heiß begehrt. Heute sind sie nur noch Kultobjekte. In Rohnes Wohnung sind überall die Arbeiten des Hausherren zu sehen, sie sind ausgesprochen originell, meistens abstrakt, fein gearbeitet und überhaupt nicht antiquiert, eher zeitlos. Jedes Wandbild, jedes Stück könnte eine Geschichte erzählen. Auch der dreietagige runde Couchtisch, der sich drehen lässt und über 30 Jahre alt ist. „Mit dem sind unsere Enkel begeistert Karussell gefahren“, lacht der fünffache Großvater. „Das Kugellader, das ich dafür brauchte, stammt von einem ausrangierten Mähdrescher E 512“. Der Beweis für sein weiteres handwerkliches Geschick, das überall in Haus und Garten sichtbar ist.

Praktisch und schön ist der 3-etagige Drehtisch mit Intarsien. Die Berkenbrückerin Monika Rohne liebt das Stück, das ihr Mann Ehrentraud vor über 30 Jahren gebaut hat.

Ruth Buder

Wehmut über den Wandel der Zeit

„Mit dem Zeitgeist stirbt leider auch die Intarsienkunst.“ Seit Jahren bemerkt Ehrentraud Rohne, dass das Interesse geringer wird. Dennoch hört er nicht auf, entwickelt immer wieder Neues, fährt mit seiner Frau Monika auch weiter auf Märkte. Wer scharf ist auf ein Unikat oder ein besonderes Geschenk, der dürfte am Sonntag bei Rohnes letzte Teilnahme bei „NaturKultur“ fündig werden. Selbstgebackenen Kuchen und Kaffee gibt es auch.

Hinweis für Autofahrer

Wer von Berkenbrück weiter gen Osten in Richtung Briesen möchte, hat derzeit Pech. Die L38 ist ab Bahnhof Berkenbrück gesperrt. Dort wird bis zum Abzweig Demnitzer Mühle die Fahrbahn erneuert.

Die Umleitung ist von Berkenbrück über Fürstenwalde (B168), Steinhöfel (L36), Heinersdorf (B5) nach Georgenthal, Wilmersdorf und Briesen ausgeschildert. Die Kreisstraße ab Demnitz zur Demnitzer Mühle ist weiterhin befahrbar, von dort auch der bereits sanierte Abschnitt der L36 nach Falkenberg.

Stationen und Angebote im Detail

„NaturKultur“ steigt am Sonntag, 10. September, im Amt Odervorland zum 17. Mal – zusammen mit dem Tag des offenen Denkmals. Offene Türen gibt es in 13 Orten und 36 Stationen – und überall auch Verpflegung. Hier der Blick ins Detail:

■ Arensdorf:

• Naturcamp am See, Falkenhagener Str. 14a, Führungen, Kremserfahrten, Hüpfburg, von 13- 21 Uhr

■ Berkenbrück:

• Holzbildner Ehrentraud Rohne, W.-Pieck-Straße 27, 10-17 Uhr

■ Biegen:

• Evangelische Kirche, Friedhofsrundgang, Treff mit Familienalben zur Erinnerung, Posaunenchor, 10-18 Uhr

• Line Dance, Vereinshaus Müllroser Landstraße, öffentliches Training, 15-19 Uhr

• Bauernhof Fritze, Dorfstr. 15, buntes Programm „Rund ums Schaf“, 10-16 Uhr

■ Briesen

• Besucherzentrum An der Kersdorfer Schleuse 9, jede volle Stunde Führungen, 11-16 Uhr

• Offene Kirche Briesen 10-12 Uhr, Gottesdienst 10 Uhr

• FWA mbH, Kersdorfer Str. 25a, Führungen um 11 und 14 Uhr, Wasser- und Spielspaß, Gewerbestammtisch mit Quads und Baggern, Kinderschminken, 11 bis 15 Uhr

• Beim Wasserwerk präsentiert sich auch der Pferdesportverein Silberregen Oder-Spree, 13.30 bis 14.30 Voltigiervorführungen, Kinderreiten und -schminken

• Feuerwehr Briesen: Technikvorführungen,11-16 Uhr

• Gemeinde- und Vereinshaus, Karl-Marx-Str. 3 feiert 20-jähriges Bestehen mit Hoffest und Livemusik, 14-19 Uhr

• Oberschule Briesen der FWAZ gGmbH, Frankfurter Str. 74, stellt sich vor,11-16 Uhr

• Vitaltreff, Kirchhofstra.10, Gesunde Ernährung, Körperpflege, Live-Musik, Kinderprogramm, 10-17 Uhr

■ Demnitz • Kirche und Heimatstube geöffnet 10-16 Uhr

■ Hasenfelde

• Verein Kirche Hasenfelde bietet Führungen, Straßburger Kupferbibel von 1630 und alte Postkarten, stündlich erklingt die Landow-Orgel, 13-18 Uhr

■ Heinersdorf

• Haus des Wandels, Hauptstraße 37, Mitbring-Brunch und Finissage der KÜMKIs, 11-16 Uhr

• Herrenhaus, Hauptstraße 36c, Vereine stellen sich vor, Führungen, klassisches Konzert, 10.30-18 Uhr

• Am Herrenhaus auch Holzskulpturen von Christian Mücke, Vorführungen, 9-16 Uhr

• Landschlachthof Lehmann, Tempelberger Weg 1b, Schlachtefest, 10-16 Uhr mit Führungen, Schau-Schlachten, Musik

■ Jacobsdorf

• Jürgen Schulze, Dorfstr.10, Ausstellung von Landgeräten, Kellerbesichtigung mit Ausstellung, Kreativstand, 11-17 Uhr

• Svetlana Tiukkel, Dorfstraße 8, Malerei, Keramik, Ausstellung mit Musik, Kinderschminken, Bogenschießen, 12-17.30 Uhr

• Offene Kirche, 14-17 Uhr

• Assistenz.de, Dorfstr.26, Kennenlernen der Bewohner und Mitarbeiter, Basteln, 10-15 Uhr

■ Neuendorf im Sande

• Der Glückscode, Alte Dorfstr.47, gesunde Nahrung für Mensch und Tier, Vorträge und Videos

• Tanke (Gutshof) & Leichenhalle (Dorfanger) geöffnet 11-17 Uhr, Landwerk Neuendorf-Stätte deutsch-jüdischer Geschichte in Brandenburg zeigt Ausstellung, 11 und 13 Uhr Führungen

• Kulturscheune Neuendorf: 15 Uhr Theater mit dem Traumschiff aus Oranienburg, 16.30 Uhr Dorfgespräche, 11-17 Uhr

■ Petersdorf bei Briesen

• Landgalerie Mark Brandenburg, Briesener Str.2, offene Galerie, Kunst- und Kreativmarkt, 11-18 Uhr

• Golem Kunst und Baukeramik GmbH, Sieversdorfer Str.19, Führungen stündlich 11-15 Uhr, Werksverkauf von Fliesen, 10-16 Uhr

• Offene Kirche 10-16 Uhr

■ Pillgram

• Vorlaubenhaus, histor. Bauwerk, Handwerk und Kultur, Führungen, 12-17 Uhr

• Hofgalerie M, Jacobsdorfer Str. 3a, Ausstellung, Skulpturengarten, 11-17 Uhr

• Offene Kirche 13-15 Uhr

• Weingut Patke, Kirchstr.5, Weinfest, Livemusik, Führungen, 11-18 Uhr

■ Sieversdorf

• Golem Kunst und Baukeramik GmbH, Alte Frankfurter Str.2, Führungen stündlich 11-15 Uhr, Werksverkauf, 10-16 Uhr

• Orgelwerkstatt Scheffler, Alte Petershagener Str.4, Führungen um 10.30 Uhr und 12 Uhr,

• HolzKasperScheune, Pillgramer Weg 3, Holzwerkstatt und Dekoverkauf, 10-15 Uhr

• Gutshaus Führungen zur vollen Stunde, 10-18 Uhr

■ Steinhöfel

• Verein LandKunstLeben, Garten Steinhöfel, Str. der Freundschaft, Ecke Berkenbrücker Weg, Gartenbesichtigung, 12-18 Uhr