Hund in Fürstenwalde
: Jahrelang im Zwinger – was wird aus Rottweiler Fletcher?

Jahrelang wurde der Rottweiler Fletcher in einem Zwinger gehalten, bevor der Hund ins Tierheim Fürstenwalde kam. Er ist nicht mehr der Jüngste und damit nur schwer zu vermitteln.
Von
Christoph Mann
Fürstenwalde
Jetzt in der App anhören

Rottweiler mit Stammbaum: Der Hund Fletcher lebte jahrelang im Zwinger, bevor er in das Tierheim Fürstenwalde kam.

Susanne Hübscher

Fletcher ist bereits zehn Jahre alt, für einen Rottweiler ist das ziemlich alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Rasse beträgt zwischen acht und zehn Jahre. Fletcher lebt schon lange im Tierheim in Fürstenwalde, seit 2021.

Aufgrund seines Alters und seiner Vorgeschichte gilt er als schwer vermittelbar. Wie Christine Matzke, die Leiterin des Tierheims, berichtet, leidet Fletcher an mehreren Krankheiten. Schon als er ins Tierheim kam, hatte er eine schlimme Ohrenentzündung, die mehrfach behandelt werden musste. Altersbedingt hat er auch Beschwerden durch Arthrose in den Hüft- und Kniegelenken. Deshalb fällt ihm das Treppensteigen deutlich schwer.

Rottweiler mit Stammbaum im Tierheim

Fletcher heißt mit vollem Namen Fletcher von der Bogenheide. Er ist ein reinrassiger Rottweiler und besitzt sogar einen eigenen Stammbaum. Rottweilerwelpen mit Stammbaum sind wertvolle Tiere und werden bei Liebhabern hoch gehandelt. Etwa 800 bis 1000 Euro kostet so ein Tier, schätzt Christine Matzke. Genützt hat dem Hund seine prominente Herkunft bisher noch gar nichts. Die meiste Zeit musste er in einem Zwinger verbringen. „Er hat nichts kennengelernt vom Leben“, sagt Christine Matzke.

Hund Fletcher – Liebe auf den ersten Blick

Im Tierheim blühte Fletcher noch einmal richtig auf und entpuppte sich als ein verschmustes Wesen, so Matzke. „Zum Glück ist es ein sehr liebevoller Hund.“ Trotzdem ist Fletcher ein Listenhund. Rottweiler gehören in Brandenburg zur Kategorie Zwei. Das heißt, sie dürfen nur unter Auflagen gehalten werden. Die Vermittlung solcher Hunde an neue Besitzer ist für das Tierheim dadurch noch deutlich schwieriger.

Doch Fletcher hatte noch einmal Glück. Josephine Hillmann ist Krankenschwester im Helios-Klinikum Bad Saarow und kennt das Leben mit Hunden seit ihrer Kindheit. Fletcher hat sie bei einem Besuch des Tierheims kennengelernt, erzählt die 33-jährige Mutter.

„Ich wollte Spenden vorbeibringen, da war er grade draußen“, erinnert die Hundeliebhaberin sich und dass sie sich gleich ein bisschen in Fletcher verliebt hatte. Dann folgten erste Gassi-Gänge in der Nähe des Tierheims. „Die Entscheidung fiel dann ganz einfach.“ Immer wieder besuchte sie und ihr Sohn Mathis Fletcher im Fürstenwalder Tierheim.

Erste Besuche zu Hause in Bad Saarow

Dann nahmen sie ihn zum ersten Mal mit nach Hause in ihr Reihenhaus mit Garten in Bad Saarow. Ideale Bedingungen für einen Hund, wie Fletcher. „Er hat sich in der Wohnung sofort wohlgefühlt, wollte aber meistens raus“, sagt Josephine Hillmann.

Der Rottweiler beweist sich als liebevoller Familienhund, der mit Kindern total entspannt umgeht, auch beim Herumtoben in der Wohnung. Und auch mit den anderen Hunden in er Nachbarschaft gibt es keine Probleme. Die sind sehr zahlreich und wenn einer bellt, ziehen die anderen bald mit – außer Fletcher. Den scheint das Bellen im Rudel seiner Artgenossen nicht zu interessieren.


In der Öffentlichkeit muss Fletcher einen Maulkorb tragen, so wurde es mit dem Ordnungsamt Scharmützelsee vereinbart. Außerdem musste Josephine Hillmann ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, damit das Ordnungsamt ihr die Haltung von Fletcher genehmigte. Auch diese Formalitäten sind jetzt erledigt und der Maulkorb störe den Hund nicht, sagt Josephine Hillmann.

Spendenbereitschaft ist zurückgegangen

Hunde, wie Fletcher sind für das Tierheim in Fürstenwalde nichts Ungewöhnliches. „Viel Tiere, die hier herkommen, sind krank“, sagt Tierheimchefin Christine Matzke. Fletcher musste sofort operiert werden, sowas ist mit richtig viel Geld verbunden, so Matzke. Leider sind die Spenden an das Tierheim in den zurückliegenden Jahren stark zurückgegangen. Viele Menschen sind sparsamer geworden.

Dem gegenüber steht, dass sich die Preise für Dosenfutter und Katzenstreu mehr als verdoppelt haben. Waren früher die Sammelbehälter in der Stadt nach vier Wochen voll, brauchen sie dafür jetzt das Vierfache der Zeit, schätzt Christina Matzke. Umso glücklicher ist auch sie, wenn ein Hund aus dem Tierheim vermittelt werden kann.

Fletcher freut sich auf neues zu Hause

Nach dem Kennenlernen mit Gassigehen und Probebesuch zu Hause kann Josephine Hillmann den Hund Ende Januar endlich endgültig aus dem Tierheim abholen und mit nach Hause nehmen. Ein Tag, auf den sie und ihr Sohn sich schon lange gefreut haben. Als sie im Tierheim ankommen, ist auch Fletcher völlig aus dem Häuschen und möchte am liebsten sofort in Richtung Ausgang rennen. Er weiß, dass es ihm bei dieser Familie gut gehen wird.