Einige Monate lang war die kleine Kirche am „Märkischen Meer“, in der unter anderem Boxerlegende Max Schmeling im Juli 1933 seine Anny Ondra ehelichte, aufwendig wiederhergestellt worden. Am Sonnabend (29. Oktober) durfte erstmals wieder ein Gottesdienst zelebriert werden. Zwei Tage vor dem Reformationstag (31. Oktober) war die christliche Feier zugleich auch dem 100. Geburtstag des kleinen Gebäudes gewidmet.
Sie könnte Friedenskirche heißen, meinte Bischof Christian Stäblein bei seiner Predigt zum 100. Geburtstag dieses Gotteshauses der Saarower und zum Abschluss seiner umfangreichen Restaurierungen.

Kirche Bad Saarow ist „Gemeinschaft stiftend“

„Und zwar im Gedanken an vor einhundert Jahren nach dem Ersten Weltkrieg und an die Situation heute wieder mit dem Krieg“, erläuterte er. Damals habe die Inflation den Bau reduziert auf den Chorraum. Man sei aber zufrieden mit der jetzigen Größe. „Es ist gerade die richtige Kirche für die Saarower, sie ist Gemeinschaft stiftend“.
Das sehen auch Helge Klassohn und Ehefrau Heidemarie so. Beide leben seit 2009 hier und sind immer wieder beglückt von der besonderen Atmosphäre dieser kleinen Kirche, welche nach der Restaurierung durch Helligkeit und Freundlichkeit noch verstärkt worden sei. „Viele Eintragungen in das Besucherbuch bestätigen das“, hat der Theologe beobachtet.
Er war von 1994 bis 2008 Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalt und bringt sich als Ruheständler noch durch das Abhalten von Gottesdiensten hier und in der Umgebung ein. Helge Klassohn gefällt besonders „die ausgesprochen schöne, zurückhaltende Gestaltung von Kanzel, Altar und Taufstein“ und „wie innen und draußen sich in die Natur einfügen“.

Über dem Altar strahlen nun leuchtende Sterne

Bischof Christian Stäblein nahm mit einem zweiten Vorschlag zur Namensgebung der Kirche ein neues Gestaltungselement auf, das hier historisch in den bunten Glasfenstern vorgegeben ist und eine starke Verbindung mit dem Draußen symbolisiert. „Sie könnte auch Sternenkirche heißen“, sagte er, zum Sternenhimmel über dem Altar weisend.
Ulrike Lindstädt, Pfarrerin in Frankfurt (Oder), steht bei einem Besuch der Kirche in Bad Saarow inmitten der jetzt weiß gestrichenen Bänke. Im Hintergrund ist über dem Altar der neue Sternenhimmel zu sehen.
Ulrike Lindstädt, Pfarrerin in Frankfurt (Oder), steht bei einem Besuch der Kirche in Bad Saarow inmitten der jetzt weiß gestrichenen Bänke. Im Hintergrund ist über dem Altar der neue Sternenhimmel zu sehen.
© Foto: Bernhard Schwiete
Mandy Wolfram aus Bad Saarow ist „stolz auf dieses schöne Haus mit dem Sternenhimmel und den LED-Lichtern darin“. Sie kennt die Kirche noch dunkelbraun mit weißer Decke. „Jetzt ist alles schön hell und leuchtend“, freut sie sich. Wie auch Ilona Kastner aus Reichenwalde, die zu regionalen Gottesdiensten oft hier ist: „Der Sternenhimmel ist wunderschön“, schwärmt sie.
Zum Schluss des Gottesdienstes wurden die Lichter zum Leuchten gebracht, und es raunte ein bewunderndes „Oh“ durch die voll besetzte Kirche. Viele Besucher hatten draußen Platz genommen, um den Gottesdienst mit feiern zu können.
Arndt, Mechthild, Pfarrerin Anemone Bekemeier, Lena und Alexander beim Festgottesdienst. Die Kinder schmückten den noch leeren Altar mit Kerzen und Blumen.
Arndt, Mechthild, Pfarrerin Anemone Bekemeier, Lena und Alexander beim Festgottesdienst. Die Kinder schmückten den noch leeren Altar mit Kerzen und Blumen.
© Foto: Elke Lang
Für die meisten Besucher lässt das neue Aussehen ihres Kirchleins keine Wünsche offen, und auch die engagierte Laienmusikerin Sabine Müller aus Bad Saarow, die sich die Orgelempore größer wünschen würde, erkennt an, dass das wahrscheinlich baulich nicht geht, aber alles für die Verschönerung der Kirche getan wurde, was irgend möglich war.