Krankheit in Fürstenwalde
: Von 117 auf 83 Kilo – wie herzkranker Sven Manig das geschafft hat

Sven Manig aus Fürstenwalde leidet an einer schweren Herzkrankheit. Er wird ein neues Organ brauchen, ist aber noch lange nicht an der Reihe. Dennoch blickt der 41-Jährige zuversichtlich auf Weihnachten und kann einen Erfolg feiern.
Von
Joachim Eggers
Fürstenwalde
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Sven Manig mit dem Handy, auf dem er seine Essens-Maximen als Bildschirm-Hintergrund eingestellt hat. Der Fürstenwalder mit einem Herzfehler wartet weiter auf eine Transplantation.

Joachim Eggers

Viele Menschen backen in der Vorweihnachtszeit Plätzchen. Sven Manig hat in der Adventszeit dagegen einen eigenen Schokoaufstrich zubereitet. Mit Kokosblütenzucker. „Der ist sogar für meinen Vater als Diabetiker geeignet“, sagt der 41-Jährige aus Fürstenwalde, der guten Grund hat, selbst sehr genau auf seine Ernährung zu achten.

Denn Sven Manig leidet an einer schweren Herzkrankheit. Er wird auf kurz oder lang ein neues Herz benötigen und bereitet sich schon intensiv auf eine Transplantation vor.

Der selbst gemachte Schoko-Aufstrich ist nur ein Beispiel für eine konsequent umgestellte Ernährung. Damit hat Sven Manig einen großen Erfolg erzielt. Brachte er am 13. Juli noch 117 Kilogramm auf die Waage, waren es am 5. Dezember noch 83. Gewichtsabnahme – das hatten die Ärzte dem Fürstenwalder ins Pflichtenheft geschrieben, bevor sie ihn einluden, sich für eine Transplantation evaluieren zu lassen. Dieses aufwendige Verfahren dient dazu festzustellen, ob ein Kandidat physisch und psychisch geeignet ist, um auf die lange Warteliste zu kommen.

Eine Nacht in der Berliner Charité

Vom 29. bis 30. November war Sven Manig zu diesem Zweck in der Berliner Charité. „Da ist mir ein Herzkatheter gelegt worden, sämtliche Werte würden überwacht und erfasst“, erinnert sich Sven Manig. Er schildert die Atmosphäre in dem Berliner Universitätsklinikum als freundlich und zugewandt. „Der Arzt hat mir seine Hochachtung ausgedrückt für das, was ich geschafft habe“ – schon bis dahin war die Gewichtsabnahme beträchtlich. Alle Werte seien sehr gut gewesen – so gut, dass er am 23. Februar 2024 noch einmal kommen darf.

Was nichts anderes bedeutet, als dass eine Transplantation aus Sicht der medizinischen Experten bei ihm nicht mehr ganz so dringend ist. Ablesbar ist das unter anderem an dem niedrigen Blutdruck, den er – ohne Tabletten – nach eigenen Angaben bei etwa 110 zu 60 halten kann. Früher war es mal 160 zu 80.

Sven Manig zu Hause mit dem Router, der ständig seine Herzdaten an die Charité in Berlin übermittelt.

Joachim Eggers

Dabei geht Sven Manig weiter mit einem eingebauten Defibrillator durchs Leben. Ein Elektroschocker muss ihm helfen muss, wenn ihn wieder einmal eine Tachykardie, also ein viel zu schneller Herzschlag überfällt. Manig, der 2008 noch beim Berlin-Marathon mitlief, hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich, in der er lernen musste, mit diesem Damoklesschwert zu leben. Dazu gehören auch seelische Folgen, einschließlich eines Aufenthalts in der Psychiatrie.

Genaues Ernährungsprogramm zwanglos verfolgt

Wie hat er das geschafft mit den mehr als 30 Kilogramm in drei Monaten? Zum einen ist da sein stetes Bewegungsprogramm. 10.000 Schritte am Tag – das macht Sven Manig weiterhin. Mit diesem Programm hat er es auch geschafft, im September einmal zu Fuß – in Begleitung seines Bruders Lars – den Scharmützelsee zu umrunden und nach dem Vorbild eines Sponsorenlaufs Spenden einzusammeln. Sie gingen an den Förderverein der Gerhard-Goßmann-Grundschule, an die seine Tochter Emilia geht.

Ansonsten habe er sich an einen Ernährungsplan gehalten, der 2000 Kalorien pro Tag vorsieht. Zum Ernährungsplan gehört, dass es an den M-Tagen Montag und Mittwoch M wie „meat“ – englisch für Fleisch – gibt und an Freitagen Fisch, an den anderen Tagen Gemüse oder Kohlenhydrate. Für seine persönlichen Ernährungsziele hat sich Sven Manig auf dem Handy ein Hintergrundbild mit Kalorien-Zahlen eingerichtet, die ihm zur Orientierung dienen. Eine andere Handy-Funktion, ein Wecker, hilft Sven Manig dabei, ausreichend und regelmäßig zu trinken.

Ganz zentral ist für Sven Manig aber sein eigener zwangloser Umgang mit seinem Gewicht gewesen. „Wenn ich mal einen Tag über die Stränge geschlagen habe, ging es am nächsten einfach weiter.“ Er habe nicht etwa versucht, etwas überzukompensieren. „Was soll schon passieren, im schlimmsten Fall wäre ich eben wieder bei 117 Kilo gelandet.“ Genau das ist aber nicht passiert – für Manig auch ein Erfolg, der aus der eigenen Haltung zu dem Thema erwachsen ist. Der Fürstenwalder, der viel Hilfe von allen möglichen Seiten hat in Anspruch nehmen müssen, ist auch ein bisschen stolz auf seine Selbstbestimmung. „Der letzte Impuls zur Veränderung, das habe ich gelernt, muss von einem selbst kommen.“

Zwei Weihnachtsbäume

Emilias Mutter hat sich schon vor Jahren von Sven Manig getrennt, die beiden pflegen aber weiter ein gutes Verhältnis. So gut, dass der Fürstenwalder das Fest mit zwei Weihnachtsbäumen begehen wird. Ein Tisch-Weihnachtsbaum, der Emilia, ihrer Mutter und deren neuer Familie steht, ist schon geschmückt, wie Manig erzählt. Der 41-Jährige wohnt aber bei seinem Vater in der Puschkinstraße, dort steht der Weihnachtsbaum im Garten. „Wir machen es uns schön“, sagt Manig. Am ersten Feiertag plant er mit der neuen Familie von Emilia einen Ausflug in einen Berliner Vergnügungspark.